Manchmal habe ich das Gefühl, dass die linksidentitäre Bewegung in der immer wieder einen Streit vom Zaun bricht, nur um den ideologischen Sprengstoff in der Mitte der der Bevölkerung zu platzieren und schließlich die Gesellschaft zu spalten. Dabei kommen die Sprengladungen nicht als Terror daher, sondern unter dem Mantel der Ideen und Werte, die jeder Demokrat begrüßen würde. Immer mehr Bürger fragen sich, ob das BVG und der EuGH die Bodenhaftung völlig verloren haben. Beispiel? Genderpflicht.

Es gibt keine einfache und allgemein akzeptable Lösung für solche Probleme. Der Fall „Gendern“ ist nur dann überhaupt relevant, wenn man glaubt, dass es etwas wie ein Gender gibt. Es ist eine Ideologie, der man folgen kann oder auch nicht. (Schließlich ist diese ominöse soziale Rolle genauso nachweisbar, wie die Existenz Gottes. Wäre sie also beweisbar, wüssten wir, wie viele es davon gibt und wie sie sich vom einem beliebigen Nerd-Club unterscheidet.) Bleibt es beim Glauben, kann sie keine Verpflichtung für Alle werden. Existiert Gender tatsächlich, wäre es für alle verpflichtend. Aktuell wirkt die Gemengelage eher wie das Epimenides-Paradoxon: Ein Genderist kann nicht beweisen, dass es Gender gibt…

Aber wo wir schon in Griechenland sind: Theseus Schiff (ein weiteres uraltes Paradoxon) sucht immer noch nach einer Lösung. Ich kann mich erinnern, gelesen zu haben, dass es nicht auf der logischen Ebene gelöst werden kann, denn es liegt nicht an der Logik, sondern an einer guten Definition, was Theseus Schiff sei. Nominalisten würden mit positivem Recht antworten (z.B.: „das, was Theseus als sein Schiff bezeichnet“). Die übrigen Philosophen würden dagegen versuchen, das Wesen des Schiffs zu erfassen – und dabei scheitern. Denn was macht das Wesen des Schiffes aus? Ist ein Schiff die Summe seiner Teile? Nur ein bestimmtes Teil und wenn ja – warum?

Ist es mit unseren Universalien nicht etwa ähnlich? Menschenrechte z.B. Was macht einen Menschen aus? Muss man dazu schon geboren sein oder reicht es ausschließlich, dass man von der Mutter gewollt ist (Voluntarismus). Eine ganz wichtige Frage bei der Abtreibung! Sind Menschenrechte aus sich heraus gültig (Positivismus) oder haben sie einen bestimmten Sinn und deshalb nicht zweckfrei (vgl. Naturrecht). Darf die Freiheit auf ein bestimmtes Gut hin ausgerichtet sein, wie Ehe, Familie, Nachkommenschaft oder ist sie unterschiedslos für „Drei Frauen, zwei und fünf Kinder Patchwork“ gültig?

Seit BVG sich als Gesetze-Macher versteht und jeglichen gesellschaftlichen Diskurs von Vorn herein verhindert, werden die Grundsätze unserer wie der oft beschworene Schutz der Ehe und Familie eine Floskel ohne Sinn bleiben. Denn je nach Definition kann auch keines oder beide das Schiff des Theseus sein!