Ein Pogrom (m., auch n.) ist die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. Häufig sind es politische Gruppen (z. B. Menschen einer Partei) oder religiöse Gruppen (z. B: religiöse Minderheiten). Früher verwendete man den Begriff nur, um Ausschreitungen gegenüber Juden zu benennen; der Sprachgebrauch hat sich ausgedehnt.

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Also die Stimmung, wie bei einem Pogrom, (kurz: Pogromstimmung) kann bei Mitgliedern einer religiösen Gruppe durchaus aufkommen, wenn sich diese bedrängt und aus der Gesellschaft ausgegliedert fühlen. Im engeren Sinne (Judenpogrom) ist die Realität von tief gläubigen Katholiken, die auf ihr Oberhaupt hören, sicher nicht vergleichbar. Nimmt man nur die mediale Realität, werden Parallelen sichtbar.

Ein Beispiel: die Tagesthemen betreiben (gefühlt) fast die halbe Sendung lang eine Hexenjagd. Eine Unterstellung jagt die nächste. Kurz vor dem Ende der Berichterstattung (nachdem man eine die Bischöfe vollkommen in schlechtes Licht gestellt hat) darf ein Bischof im Interview eine Gegendarstellung versuchen. Diese Art der „psychologischen Kriegsführung“* hat Methode. (* objektive und neutrale Berichterstattung war es nach meinem Gefühl nicht) Welcher Zuschauer hält denn bis zur Gegendarstellung durch? Wer glaubt an die komplexe Wahrheit, wo die unbegründeten Unterstellungen sich so gut zusammen reimen? Man hätte das Interview schon früher senden können, es war bereits vor der Sendung aufgezeichnet. Warum man es nicht tat, scheint auf diesem Hintergrund plausibel… Kritik oder denkbare Machtspielchen hinter den Kulissen des Senders (den ich auch noch mitfinanzieren muss) auf den Seiten des Forums zur eben dieser Sendung sind unerwünscht. Es wird alles zensiert, was die Darstellung von Tagesthemen nicht als das A und O aussehen lässt. Ein Paradebeispiel, wie Medien mit der römisch-katholischen Kirche umgehen. Als Katholik hat man gegen eine solche Art von Berichterstattung keine Handhabe. Man füllt sich medial wie eine Sau, die durch das Dorf getrieben wird.

Nun meldete sich der Papst zu Wort und bezeichnet die Christen als das meist verfolgte Volk auf der Welt. Und das nicht nur in China, Jemen oder auf den Philippinen… Auch in den westeuropäischen Ländern oder Nordamerika seien die Christen nicht mehr willkommen. Wie? Auch in unseren so vorbildlichen Demokratien? Tatsächlich: Was die öffentliche Meinungsbildung anbetrifft, gibt es kein Respekt vor Überzeugungen der Minderheiten mehr. Eine absolute Mehrheitsdiktatur, die das Recht auf freie Religionsausübung auf die Kirchenräume einschränken will, ergreift das Wort in allen Medien. Man muss schon – wie ich – apologetisch angehaucht sein, um sich selbstbewusst einem medialen Mob in den Weg zu stellen. Dennoch habe ich kein Interesse daran, jemandem zu schaden. Ich möchte meine Kritik an den übertriebenen und oft substanzlosen Vorwürfen äußern. Ich verlange nichts als die volle Wahrheit. Es ist mir bewusst, dass sie vielen zu kompliziert ist. Wer will den schon seitenweise Argumente für ein ethisches Prinzip lesen? Die Realität sieht doch anders aus. Warum noch an die Unauflöslichkeit einer katholischen Ehe glauben? Man kann eine Religion deutlich günstiger kriegen! Komm, stell dir ’nen Buddha ins Wohnzimmer oder auf deinen Schreibtisch. Du willst ja den Menschheit nichts böses, das reicht doch! (Deine Nachbarn und Arbeitskollegen halten dich für einen unausstehlichen Egoisten und Egozentriker – aber das weißt du zu Glück nicht. Und wenn: In einer postmodernen Gesellschaft, schafft jeder seine Ethik. Was gut und böse ist definiert jeder für sich selbst. Also was soll’s?)

Wir als Mitglieder der katholischen Kirche glauben voller Gottvertrauen, dass der Papst zusammen mit dem Konzil in Sachen des Glaubens und der Ethik nicht irren kann. Wir glauben auch an Prinzipien – Grundsätze und absolute Werte – und halten sie als Ideale hoch. Es sind keine konkreten Handlungsanweisungen, die bei jedem jederzeit und in gleichem Maße gelten. Es sind eben Ideale. Sie sind das Licht, das wir in der Nacht des Lebens brauchen, um Gutes und Böses erkennen zu können. Wir glauben auch an das Gewissen, das uns Menschen von Computern unterscheidet. Das Gewissen entscheidet über die moralische Wertung einer Tat, indem es in Freiheit bewusst die Prinzipien auf die konkrete Situation bezieht und bewertet. (Das ist übrigens auch der Grund, warum Computer nicht sündigen können.) Leider wissen das die meisten Katholiken auch nicht. Unsere Religionspädagogik hat sich in den letzten Jahrzehnten genauso wenig gebessert, wie das Interesse der erwachsenen Gläubigen an ihrem Glauben. Mit anderen Worten: die meisten von uns weiß gar nicht, was es glauben soll/darf/kann. Auch der Begriff der religiösen Pflicht (also der inneren Verpflichtung aus religiöser Überzeugung her wie der Anwesenheit beim sonntäglichen Gottesdienst) ist uns Katholiken großteils verloren gegangen. Wir könnten mit der Menge der Gläubigen bei der Prozession am Fronleichnam sicher keinen arbeitsfreien Feiertag mehr begründen.

In einem solchen undurchsichtigen Gemenge wäre es auch nicht erkennbar, was denn überhaupt „katholisch“ heißt – hätten wir nicht den hierarchischen Teil, der als einziger berechtigt ist, im Namen der Kirche zu sprechen. Aber auch hier sehen wir Männer und Frauen, die irren oder mit Kanonen auf Spatzen schießen ;-) Wenn diese oft beschimpften „alten Männer“ etwas sagen, dann wollen sie nicht dem Staat Gesetze abverlangen, sonder stellen die katholische Sicht der Dinge dar. Und das im Sinne von Prinzipien, nicht als verpflichtende Gesetze mit Todesstrafe. Und bis heute verstehe ich nicht, was es mit den „alten Männern“ auf sich hat. Unser Bundespräsident ist ein alter Mann. (Ich hoffe ich darf das angesichts seines Alters so sagen.) Soll man ihn deshalb aus dem Amt jagen, wie seine (jüngeren) Vorgänger? Übung in medialer Hexenjagd haben wir ja. Und es stellt sich mir eine andere Frage: Sind etwa alte Frauen besser? Es mag Männer geben, die sich von alten Frauen etwas sagen lassen. Die Mehrheit ist es nicht. Ich wünsche mir manchmal auch, wir hätten bessere, weisere, charismatischere Hirten in der Kirche. Ich weiß auch, dass solche gesucht wurden. Leider sind dem Arbeitsamt die arbeitslosen Engel ausgegangen. Jeder wollte sie haben. Sie machen nicht so viele Fehler und sind bei allen Arbeitgebern beliebt…

Also liebe Mitbürger! Wir haben als Katholiken nicht so viele tolle „Top-Manager“ vorzuweisen. Auch mit der charismatischen Ausstrahlung sieht es bei uns nicht so gut aus. Unsere Überzeugungen sind komplex und sogar für Theologiestudenten nicht immer ganz nachvollziehbar. Unser Glaube hat 2000 Jahre Geschichte auf dem Buckel. Da steckt Erfahrung und Weisheit drin – aber auch hier und da Gerümpel. Es gibt bei uns Menschen, die Freude daran haben, dieselben Worte zu beten, wie Millionen von längst verstorbenen Schwestern und Brüdern im Glauben. Andere suchen mehr oder weniger gelungen moderne Ausdrucksformen. Jeder Jeck kann bei uns seine Nische finden – auch wenn er sich mit der offiziellen Sicht schwer tut. Und diese offizielle Sicht sind nun mal sehr abstrakte Prinzipien, die jeder für sich in sein Leben umsetzen soll. Soll und nicht muss. Dies gibt uns die Freiheit zu irren und den rechten Weg wieder zu finden. Wir fordern keine Strafen für Menschen mit anderen Überzeugungen, solange nicht als katholisch lehren möchte. Wir möchten unsere Prinzipien niemandem aufzwingen, wünschen uns aber die Freiheit, nach eigenen Überzeugungen zu leben und handeln zu dürfen.

Wir haben es nicht immer leicht. Immer öfter werden wir angefeindet oder angepöbelt. Dennoch verlassen wir die Gesellschaft nicht. Wir leben in ihr und mit ihr. Wir sind da, wo Hilfe benötigt wird, aber kaum Geld zur Verfügung gestellt wird. Wir betreiben seit Jahrhunderten Krankenhäuser – auch als man nur Gottes Lohn dafür erntete. Wir investieren in die Zukunft des Landes. Unsere Kindergärten bauen eine gemeinsame Zukunft von „Russen“, Muslimen, Atheisten, Christen, Hindus und Katholiken. Wir erlauben uns ab und zu, die Kinder (die es wollen) in ein Gottesdienst mitzunehmen. (Auch aus pädagogischen Gründen.) Zugleich respektieren wir die religiösen Werte und Essvorschriften aller Kinder (Stichwort: Schweinefleisch). Wir glauben aber auch, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er bestimmt hat, dass nur eine Frau mit einem Mann ein Kind bekommen und erziehen kann. (Es ist nachweislich die beste Konstellation für ein Kind.)

In einer Geschichte aus dem Evangelium wird berichtet, wie der erfahrene Fischer Petrus nach einer erfolglosen Nacht von einem Zimmermann, der sich lediglich mit der Heiligen Schrift auskennt, aufgefordert wird, die Netze auszuwerfen. So ein Unsinn – muss er sich gedacht haben. (Wann lässt sich ein Chefkoch von einem Elektriker, der gerade Sicherungen überprüft hat, belehren, wie man Steaks zu braten hat?) Und genau da passiert es – das Zeichen der Größe Gottes. Seitdem glauben wir, dass wir uns nicht auf unser Wissen und unsere Erfahrung berufen dürfen. Deshalb folgen wir nicht den Trends oder Moden. Wir wollen auch nicht unbedingt die Mehrheit auf unserer Seite haben. Wir glauben fest daran: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5, 29) Wir wollen nicht außerhalb der Gesellschaft sein aber auch nicht in ihr aufgelöst sein, sondern eben anders bleiben dürfen. Wenn eine Sexismusdebatte die Medien überflutet, taucht völlig unbemerkt ein Satz aus der katholischen Morallehre auf: Die menschliche Person darf niemals zum Sexobjekt degradiert werden. Wir haben Werte im Angebot, die unsere Gesellschaft manchmal wieder entdeckt…

Ps. Aus gegebenem Anlass suchen wir einen guten Philosophen, der das Prinzip der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens und das Prinzip der Selbstbestimmung über eigenes Leben des Opfers einer Vergewaltigung in eine allgemein akzeptierte und philosophisch standfeste Ausgleichsformel gießt. Unser Problem ist nicht die Praxis, sondern der Paradoxon der sich widersprechenden Prinzipien. Bis sich eine Lösung findet, bleiben wir der Anwalt derjenigen, die sonst keine Fürsprecher haben und versuchen den Frauen jede erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen. Und die Entscheidung, es so und nicht anders herum zu machen, fällt uns nicht leicht.