Auf dem Heimweg hörte ich im Radio den folgenden Satz (in etwa) „Der Heilige Vater outete sich als Öko, ohne mit den Grünen zu sympathisieren.“ Ich musste lachen. Es ist vielleicht nicht ganz falsch, aber richtig ist es jedenfalls auch nicht ganz. Da hat jemand etwas aus dem Kontext gerissen bzw. den Kontext gar nicht verstanden.

Worum ging es? Der Paps bedankte sich für die Einladung und betonte, dass er als Vertreter des Vatikanstaates zu den Parlamentariern spricht. Zugleich erwähnte er auch, dass die Anwesenden ihn auch als eine ethisch-moralische Instanz ansehen. Deshalb sprach er als Politiker (mit moralischer Authorität) zu Politikern. Ins Zentrum seiner Rede stellte er die Frage: „Woran kann ein Politiker seinen Erfolg messen?“ Die Anwort folgte prompt – und das aus der Bibel selbst. Am Beispiel Salomos – des Archetyps eines guten Herrschers – machte er die und den Frieden als Maßstab aus.

Doch wo und wie ist die Gerechtigkeit zu finden? Zunächst verwies er auf den Unterschied zwischen Recht (das gottlos und unmenschlich sein kann – wie im Nationalsozialismus) und der Gerechtigkeit, die in der Natur des Menschen zu suchen wäre. Dabei war es ihm wichtig, eine uralte philosophische und juristische Tradition ins rechte Licht zu rücken: die Naturlehre, die auf die alten Griechen zurückgeht und von Christen übernommen wurde. Man glaube nämlich, dies wäre eine veraltete und nur von den katholiken vertretene Ansicht. Er verwies auf den Positivismus, der den Begriff der Natur „verrückt“ hat: Natur als reine Biologie (Naturalismus, Empirismus bzw. die alleinige Herrschaft der Naturwissenschaften). Im Rechtswesen hat dies eine schlimme Auswirkung: Es wird vom Gesetz nur das Allerschlimste verhindert aber keine erstrebenswerte Ziele vorgegeben. Dies wird in der Verdrängung der Religion aus dem Großen Ganzen in eine Art Subkultur (sozusagen ein Zoo für verschiedene Ansichten).

Genau dieses Irrtum meinte Benedikt XVI. als er die Metapher der Ökologie aufgegriffen hatte. Reines Positivismus führte lange dazu, dass man die Erde und die Umwelt als bloßes Werkzeug für die Ziele des Menschen mißbruchte. Die Ökologie betont hingegen die Würde der Erde (der Umwelt mit all‘ ihren Wesen) als etwas, was dem Positivismus fremdes aber notwendiges. Er bejaht die Ökologie, weil sie dieses Irrtum in die Schranken weist. Zugleich macht der darauf aufmerksam, dass jede Ansicht von Vernunft geprüft werden müsse und eine (z.B. ökologische) Schwärmerei schädlich sein kann.

So wie die Ökologie der Erde wieder eine eigene Würde gab, so gibt die Religion – zunächst einmal als Prinzip – und die christliche Naturlehre im besonderem dem Menschen und seinem Zusammenleben überhaupt Prinzipien vor. Sie macht aus der ziellos freien Maschine und einem dummen Schwarm einen Menschen und eine Gesellschaft, die gerecht zusammenleben kann.

Es ist nicht die Ökologie als solche, sondern die Wiederentdeckung der „Seele“ bzw. die neuen Prinzipien, was dem Heiligen Vater so gefällt! Ökologie – und das versteht sich von selbst – ist dabei eine Denk- und Handlungsweise, die des Geschenkes Gottes – der Natur – würdig ist.