„Sie haben das Recht auf…“ – wer kennt diese Eigenwerbung der ARD nicht? Nicht jedem Kommt dabei auch in den Sinn, dass eine offensichtliche Lüge dazu gehört. Es ist nicht die qualitativ hochwertige „Tagesschau“ sondern eines der kleinen Formate, das wir leider mit unserem Geld bezahlen müssen: „Report Mainz“. In der Sendung vom 19. April wird die Pius-Bruderschaft als die christlichen Taliban dargestellt, die nur aus Nazis besteht… und deren Freund der Papst ist. Es wird behauptet: Sie forderten den Gottesstaat (genauso wie die Taliban) und wollten die Gleichstellung von Mann und Frau abschaffen. Über so viel Dummheit auf einem Haufen kann man nur den Kopf schütteln. Aus Unwissenheit entstand dieser Beitrag wohl nicht.

Wäre es nur eine schlechte Recherche, Unkenntnis der Tatsachen oder Ähnliches, könnte man noch drüber hinwegsehen und die Macher in die „unterste Kiste“ einsortieren. Die Vehemenz, mit der diese sehr konservative katholische Sekte unter die Neonazis eingeordnet wird, lässt jedoch vermuten, dass dies ein Ziel verfolgt: Dem Ruf des Papstes zu schaden.

Aus dem Vatikan berichtete man von einer Medienkampagne gegen den Papst. Besonders in Deutschland wurde es so dargestellt, als würde der kleinste Staat der Welt unter einem kollektiven Verfolgungswahn leiden. Das stimmt so nicht. Die Medienmacher als vierte Macht im Staate frei waltend bemühten sich schon sehr darum, dem Papst etwas anzuhängen. So bedauerlich der Missbrauch von Minderjährigen auch ist, war eine Forderung nach einer persönlichen Entschuldigung durch den Papst oder gar eine Rücktrittforderung unsinnig und übertrieben. Was kann der Bundeskanzler (m/w) dafür, dass ein Deutscher im Thailand ein nicht volljähriges Kind missbraucht? (Und das passiert anscheinend sogar täglich.) Und was kann der Papst dafür, wenn ein Priester gleiches tut? Bestellt man etwa den deutschen Botschafter zum Rapport, wenn im Thailand eine Vermutung des Missbrauchs durch einen Deutschen (m/w) aufkommt?

Es wird arg übertrieben. Sehr wahrscheinlich aus zwei Gründen: „Only a bad news is a good news“ und der weit verbreiteten Ablehnungshaltung gegenüber jeglichen Institutionen. Erstes ist ein bekannter Spruch aus Amerika: „Nur schockierende und dramatische Nachrichten verkaufen sich gut“ meint es. Über Gutes redet man nicht. Es ist uninteressant. Warum sollte man den Papst für seine Sozialenzyklika loben? (Auch wenn sie Stellenweise eine so scharfe Kritik am heutigen Kapitalismus beinhaltet, dass Herr Gysi sich das als Leitsatz über’s Bett schreiben könnte, wird sie mit keinem Wort gelobt.) Unerwähnt wird der immer bessere Ton zwischen den Pariarchen der römischen und der östlichen Kirchen. Statt des Versuchs einer Einigung mit der katholischen Sekte (Pius-Bruderschaft) wird dem Papst die Wiedereinführung der tridentinischen Messe zum Vorwurf gemacht. Dabei ist das nichts schlimmes. Es ist wie Rembrandt in einer modernen Galerie: etwas angestaubt und ungewohnt aber dennoch schön. Dass der Papst das „Deutsche Anliegen“ einer Einigung mit dem Protestantismus nicht so schnell nachkommt, liegt nicht an ihm selbst. Abgesehen davon: bei ca 1 Milliarde Katholiken weltweit, sind die 25 Millionen nicht einmal „erwähnenswert“ (sollte man das gleiche Maß anwenden wollen, wie es sonst in den benutzt wird).

Die Kritik an jeglichen Institutionen kennen wir aus der Gesellschaft: Die Polizei ist böse, der Staat beklaut seine Bürger und das Parlament ist sowieso käuflich. Aus Einzelfällen leiten wir Begründungen für die Ablehnung der ungeliebten Institutionen als solchen. Die liberale Einstellung der postmodernen Menschen wird von solchen „in Form gegossenen“ Organisationen einer Gesellschaft begrenzt. Es füllt sich unangenehm an, Grenzen erfahren zu müssen. Deshalb hassen wir die Institutionen so sehr. Auch die Kirche ist eine Institution, die nicht aus sich selbst, sondern aus der göttlichen Gründung ihre Daseinsberechtigung schöpft. Wer seine eigene bastelt, indem er einiges über den Board wirft und einiges aus dem Buddhismus importiert, wird sich sicher von jeder Kirche begrenzt fühlen. Es ist auch gesellschaftlich völlig konform, über Institutionen zu schimpfen. So schwimmt man mit dem Strom… (Dabei sagte vor Jahren der Kardinal Ratzinger: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“.)

„Das Fernsehen ist nicht für Idioten geschaffen, es erzeugt sie.“ schrieb einmal der große Medienphilosoph Neil Postman. Ein gutes Beispiel dafür finden wir in der Sendung Report Mainz. Die Benutzung derselben Wörter wie bei Taliban hat nichts mit religiöser Toleranz zu tun. Man versucht einer religiösen Gruppe  Sachen zu unterstellen, die niemals wahr sein können. Der unwissende Zuschauer saugt dieses Preudo-Wissen in sich auf und lässt sich unbewusst manipulieren. Dass Nazis überall dort auftauchen wo das Holocaust geleugnet wird, sagt keiner in der Sendung. Dabei ist das die Standardmethode der Neonazis, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und die eigenen Ideen als weit verbreitet darzustellen. Die Mainzer sagen Ihnen natürlich auch nicht, dass der Vater des Pius-Bruderschaft-Gründers (Bischof Lefebre) im Konzentrationslager ums Leben kam oder dass die Mitglieder dieser Organisation jeden Mord als Verstoß gegen Gebote Gottes ablehnen (wie alle Christen es tun). Man fühlt sich nicht zur ganzen Wahrheit verpflichtet.

Es stimmt, dass es in dieser Bruderschaft einige nazistisch eingestellte Persönlichkeiten gibt. Derjenige, den ich kenne, bedauern es sehr, dass genau diese seine „Brüder“ so bekannt geworden sind. (Die Medien hätten daran einen nicht unerheblichen Anteil.) Man ist dort extrem konservativ. „Braunsein“ ist auch dort verpönt. Ich teile diese konservativen Ansichten nicht. Versuche aber auch nicht, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Ich bemühe mich, die Welt und die Kirche zu sehen wie sie sind und suche darin stets das Gute. Niemals würde ich zu einer Hl. Messe bei diesen Priestern gehen:  Sie sind zwar gültig geweiht, spenden die Sakramente jedoch ohne Erlaubnis. Die Nichtanerkennung des Judentums als berechtigten Weg zu Gott beruht auf dem von der Kirche ausgeräumten Missverständnis, dass Jesus Christus den Alten Bund abgelöst hätte (statt ihn zu erneuern) – Auch diese Ansicht ist in meinen Augen eine Fehlinterpretation der Bibel. (Hier ist übrigens die Vorliebe der heimlichen Nazis für diese Organisation zu suchen. Das hätte Ihnen Report Mainz auch berichten können… Ist sogar in Wikipedia nachzulesen.)

Mit anderen Worten: die Piusbrüder tun genau das gleiche, was auch die Reporter aus der Pfalz tun –  die Wahrheit verflachen und verbiegen, damit sie ins Konzept passt. Im Unterschied zum Fernsehen erwartet man bei der Sekte (in und außerhalb der katholischen Kirche) Einsicht und Besserung. Bei Medien hat keiner eine solche Hoffnung. Die Medien publizieren jeden Unsinn und lassen sich zum Widerruf nur per Gericht „überreden“.