„Warum weinst du?“ fragt der junge Zeisig den alten

„Du hast es hier doch viel bequemer als da draußen im Kalten!“

„Du bist ein Kind des Käfigs,“ sagt der alte „ will ich dir vergeben,

Ich entstamme ja der Freiheit und mag ohne sie nicht leben.“

Ignaz Krasicki (Bischof von Ermland, 1735-1801)

„Den Wert der Freiheit erkennt man erst dann, wenn man sie verloren hat.“ – Eine alle Weisheit. Und dennoch gibt es erstaunlich viele Menschen, die mit Unfreiheit gut zurecht kommen. Weil sie bequem geworden sind und die Herausforderung scheuen, das Gegenüber auch nur anzuhören.

Freiheit ist immer gefährlich. Sie erlaubt, dass jemand Dinge tun darf, die wir nicht für gut halten. Ärgerlich und störend ist sie. (Aber unser hat uns gerade zur Freiheit erschaffen.)

Meinungsfreiheit ist eine. Den Genderismus als unchristliche Ideologie zu entlarven ist heute schon in Augen von privaten Zensoren ein Verbrecher. Dabei hat man keinem Menschen etwas getan. Nur zur Sache argumentiert. Diese Hybris der Überempfindlichkeit – im Netz als Wokistan (Zusammensetzung aus „woke“ und dem typischen Ländersuffix) bezeichnet – treibt unsere in zweifelhafte Sackgassen, in denen durch „Voodoo-Science“ (eine Pseudowissenschaft) negiert wird. Man denke an Berliner Vortrag einer promovierten Biologin zu den zwei Geschlechtern!

„Kopernikus war eine Frau!“ – heißt es in der polnischen Komödie der 80er Jahre mit dem ungewöhnlichen Titel „Sexmisja“. In einer Frauenwelt, in der überflüssig sein sollen, muss auch die Menschheitsgeschichte durch sog. Cancel Culture korrigiert werden. Ein wahrlich prophetischen Film!

Ja, die Freiheit bedeutet Kälte und ein hartes Leben. Aber Bequemlichkeit im Käfig ist keine Alternative. Denn in diesem Käfig der progressiven werden Christen pauschal und unverhohlen vorverurteilt, nur weil es irgendwann irgendwo Missbrauch der Macht gab. Dass dies als unchristlich gilt wird nicht in Betracht gezogen.

Summa summarum: mag der Käfig auch aus Gold sein, bleibt er dennoch nur ein Käfig.