In unserer Computer-Freak-Welt hat alles eine Versionsnummer. Dies vor allem deshalb, weil man als Mensch Fehler macht und dazu steht. Kaum hat man eine Funktion entworfen, schon gibt es die ersten Schwachstellen, weshalb jemand sicher den Finger hebt und sagt: „So geht das aber nicht!“. Man korrigiert den Fehler, bezeichnet das Werk 0.2 statt 0.1 und alle sind happy. Im Fall von World Wide Web gab es bisher nur „WWW“ – bis Tim O’railly sich den Begriff Web 2.0 einfallen lies. Seitdem gibt es alles in 2.0 – sogar die Bibliothek 2.0. Nur bei uns Christen ist das Leben schon immer (also zumindest seit 2000 Jahren) in zwei Versionen zu haben: 1.0 = diesseits und 2.0 = jenseits…

Aber was hat das 2.0 mit Stasi zu tun?

Stasi (Abkürzung für „Saatssicherheit“, eine Nachfolgeorganisation der Gestapo (Abkürzung für Geheime Staatspolizei)) war wohl die perfideste und unmenschlichste Organisation westlich der Grenzen der Sovietunion. Die polnische Staatssicherheit war zwar nicht ohne, zur Bestie wurde sie aber nur, wenn Freunde mit ihren Panzern zu Besuch kamen… Die Stasi hingegen war übereifrig und verfolgte alles, was nur den Anschein hatte, gegen die Prinzipien des Saates zu verstoßen. Die Sachen, die man als Schüler über den eigenen Staat zu rezitieren (statt „sagen“) lernte, galt für die Staatssicherheit nicht. Zum Beispiel die „demokratische“ oder die „sozialistische“… War jemand einmal verdächtig, galt für ihn kein Gesetz mehr – er wurde aller Rechte beraubt. Keine Privatsphäre, kein Schutz des Körpers und der Gesundheit mehr, engste Verwandte spionierten einen aus… Eine Wanze in der Wohnung hat in der DDR glaubte eh jeder gehabt zu haben. Man wusste ja nich – vielleicht wurde man zu den Staatsfeinden gezählt.

Jetzt komm das „2.0“ ins Spiel. Eine Stasi lebt nicht nur einmal. Man belebt sie immer wieder dann, wenn man ängstlich etwas zu schützen versucht, was nicht geschützt werden kann – z.B. unsere „Demokratie der Wohlhabenden“ gegen die „muslimischen Robin Hoods“. Wie ich schon mal in diesem Blog erwähnt habe, ist den Innenministern oder Schlapphühten egal, was das Bundesverfassungsgericht sagt: man lächelt, gibt zu Protokoll, dass man sich bestätigt fühlt bzw. dass die Bedenken des Gerichts nicht zutreffen und spioniert munter weiter oder entwirft neue Spionage-Gesetzte. So auch in den Letzen Tagen: die Konferrenz  der Irrenminister von Bund und Ländern wollen unser Land dadurch schützen, dass sie Trojaner installieren und Videokammeras in der Wohnung verteilen. Die haben wohl das Leben der Anderen nicht gesehen – denken Sie sicher. Klar! Und das im doppelten Sinne: weder den gleichnamigen Film über Stasi-Mitarbeiter noch das reale Leben eines durschnittlichen Bürgers, der keine Angst vor einem Muslim aus Pakistan hat, sondern davor, dass er mit 67 oder nach der Entlassung in unbeheitzter Wohnung leben muss.

Man hat die geheimen Informationsdienste des Staates und Bundespolizei endgültig in eine Art „Stasi 2.0“ verwandelt. Sie dürfen alles, wenn jemand für Staatsfeind gehalten wird.

Ist das nicht seltsam: was die CDU an DDR kritisierte führt sie per Gesetz in der BRD ein. Erich Honecker hätte sich tot gelacht – lebte er heute noch…

Ist das nicht seltsam: man investiert Milionen Euro in den Schutz vor Terroristen, statt mit diesem Geld den Kindern eine Zukunft zu schaffen, die sonst von den Terroristen für die Robin-Hood-Sache abgeworben werden.

Ist das nicht seltsam: die Urteile des Bundesverfasungsgericht werden umgangen oder geradezu mißachtet…

Es lebe und gedeihe Stasi 2.0*!

* vgl.: http://www.stasizwopunktnull.de/