Diesen Ausruf der Lebensfreude kann man als „Ich liebe das Leben“ oder „Das Leben ist schön“ übersetzen doch er passt zu dem gleichnamigen von Maciej Pieprzyca, den man nur in Polen kennt und mit Preisen ehrt. Es handelt sich wieder einmal um die Kategorie „Kocham kino“, in die nur ganz besondere Filme schaffen. Zu keiner anderen passt dieser Streifen besser hin. (auf polnisch frei verfügbar bei TVP)

Stellen Sie sich vor, Sie sehen die Welt aus der Sicht eines Kindes – eines schwer behinderten Kindes. Eines Kindes, das weder ein Wort aussprechen, noch bewusst und koordiniert zwei Muskel bewegen kann. Von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter werden seine schönen und die ganz schlimmen Erlebnisse von einem Narrator erzählt. Jemand liest Ihnen einfach vor, was er denken würde – wenn er denken würde…

Ich kann mich an meine Jugend erinnern, als meine Bekannten bei der Arche von Jean Vanier mitgearbeitet haben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Behinderte die Welt bewusst erleben würden… Bis ich selbst in einem Internat einer Sonderschule mitgearbeitet habe. Die Schilderung des inneren Ich als ausformulierte Gedanken hätte ich bis dahin – wie wohl die meisten Zuschauer des Films – für eine nette Idee für ein gehalten.

Genau das ist der Aha-Effekt dieser Geschichte: Ein BAAAHM weit nach der ersten Hälfte des Films als man sich plötzlich ertappt fühlt, das Ganze für eine beschönigte Fiktion gehalten zu haben. „Das Leben ist schön“ ist kein frommer Spruch des Lektors, der ein Skript mit möchtegern-Realität durchaus überzeugend vorliest. Es ist die Realität eines Menschen, der trotz Leid und Verlust seine Freude am Leben hat. Er gibt nicht auf und gesegnet mit dem Lebensmut und dem Witz seines Vaters nimmt auch die erniedrigende Widerspenstigkeit des Lebens unter „besser wissenden“ Betreuern zum Anlass, einen „flotten Spruch“ abzusetzen. Mit der „Aufnahme in die Boxer-Mannschaft“ (gemeint ist das Aufsetzen des weichen Kopfschutzes wegen seines selbst verursachten Sturzes) beschämt er Viele von uns. Ein Kämpfer in eigener Sache, der wegen keinen Repressalien den Kopf in den Sand steckt.

Dieser Kampf um eigene Rechte – das Recht auf mit anderen Menschen – bringen ihn dazu, sich unter hohem Risiko als Versuchsobjekt für eine neue Art der Symbolkommunikation durchzusetzen. Sein erster Satz, den seine Mutter und Schwester zu hören bekommen lautet: „Ich keine Pflanze“ Mehr Tränen der Freude (der Mutter) und der Scham (der Schwester) kann es nicht geben als in diesem Moment. Diese zwei Gefühle sind für die Situation bezeichnend und sollten wohl auch im Zuschauer aufkommen.

Zu schön, um wahr zu sein. Der Gedanke liegt nahe. Vielleicht ist das nur eine Fiktion, die die Lebensschützer gerne hätten… Die Zweifel kommen auf, denn den Protagonist am Rechner im recherchierend übersteigt wohl Vorstellungsvermögen von uns allen. Und doch ist es wahr. Als „Beweis“ sieht man den Darsteller und den Portretierten nebeneinander sitzend. Ganz echt.

Bevor ich jedoch hier einen Schlussstrich ziehe, möchte ich auf zwei Szenen hinweisen, die zeigen, welchen Einfluss auf sein Leben andere Menschen haben oder genauer gesagt deren Gleichgültigkeit bzw. Wohlwollen. (Ob die Szenen echt oder fiktiv sind, spielt hier keine Rolle.)

Der Polizist vom Haus nebenan ist ein guter Bekannter des tödlich verunglückten Vaters. Aus Mitgefühl erwächst in ihm ein Schutzinstinkt für Mateusz, der als Augenzeuge der häuslichen Gewalt gegen seine Spielplatzfreundin und deren Mutter einen Streit mit dem gewalttätigen Nachbarn anfängt, indem er ihn mit den Füssen mit dem Dreck bewirft. Die sich aufschaukelnde Reaktion führt zum Eingreifen des Polizisten und von dort aus auf direktem Wege ins Gefängnis.

Das Gegenstück zum Polizisten ist die Ärztin, die im Beisein des Jungen im Gespräch mit der Mutter erklärt, die Reaktionen wären keine bewussten Akte des Willens, sondern eine behaviorale Konditionierung wie bei ihrem Hund. Diese biologistische Art des Denkens der Mediziner (mit ihrem nach wie vor beschränktem Wissen) lässt den Schluss zu, dass sie nicht als Götter über Leben und taugen. Ihr „Qualitätsurteil“ über „lebenswertes Leben“ darf faktisch ignoriert werden. In den Niederlanden erleben aber genau das Umgekehrte: Euthanasie für Kinder ist der neueste Modeschrei und es finden sich genug Ärzte, die ein solches Todesurteil zu unterschreiben bereit sind. So viel zum Thema Rechtstaat und ärztlicher Ethos (Hypokrateseid, christliche Werte, etc.)

Dieser Film sollte zur „Pflichtlektüre“ für all‘ diejenigen werden, die über Abtreibung und Euthanasie diskutieren wollen. Für alle anderen, die ihren Lebensmut und -freude verloren haben, ist er eine großartige Ermutigung. (Wegen einiger Szenen ist er nach meinem Gefühl nicht für Kinder geeignet.) Mit englischen Untertiteln gibt es auch eine DVD bei Amazon.