Vielleicht lachen Sie über diesen Titel. Aber haben Sie dieses päpstliche Schreiben gelesen? Konnten Sie bei der Lektüre dieser Sozialenzyklika noch lachen? Ich nicht.

Da ich selber diese 80 Seiten (trotz eines hohen Interesses an dieser Materie) noch nicht vollständig gelesen habe, möchte ich nur einige Gedanken aus diesem päpstlichen Schreiben kurz darstellen (und aus meiner Sicht kommentieren).

Der Heilige Vater hat in seinem Schreiben viele Sache angesprochen, die heutzutage den Scheideweg zwischen einer inhumanen Gesetzgebung und dem Wohl der Menschen als einer großen Gemeinschaft betrachtet werden müssen. Dabei erfindet er nichts neues. Er bezieht sich – gemäß der Tradition der Kirche – auf die Lehre seiner Vorgänger und der Konzile. Der Grundton stammt aus Populorum progressio : Nur das ist ein echter Fortschritt, was nicht nur dem einzelnen Menschen dienst, sonder der Menschheit als Ganzem.

Nehmen wir das Beispiel „Kapital“. Es ist nichts unmoralisches, reich zu sein (genauso wie, arm zu sein). Das „Kapital“ kann auch anderen zur Verfügung gestellt werden, damit diese wachsen (wie z.B. ein Kredit für die Abfertigung eines neuen großen Auftrags). Aber es ist verwerflich, mit dem Hunger in den armen Ländern Asiens oder Afrikas zu spekulieren, diese Länder auszubeuten aus reiner Profitgier. In diesem Zusammenhang wird der Abbau der Arbeitnehmerrechte (als Folge der Gobalisierung und der uneingeschränkten „Mobilität des Kapitals“ §24) und damit einhergehende Verunsicherung der Menschen in der privaten Lebensgestaltung (Scheu vor Familiengründung als Folge des unsicheren Arbeitsplatzes §25).

Das Geld soll insgesamt als Werkzeug des Menschen betrachtet Werden nicht umgekehrt. Auch die Wirtschaftsmodelle, die die Welt zu einer Scheibe machen und den Menschen auf eine Maschine reduzieren sind abzulehnen (§22).

Noch interessanter ist der Gedanke (§22), der sogar bei heise.de zitiert wird (und heise-Verlag ist ja sicher kein Gläubigen-Verein). Darin wird die Stelle zitiert, die sich gegen den Mißbrauch von Patenten und Eigentumsrechten an inmateriellen Gütern richtet.

„Es gibt übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich“

Dieser Gedanke ist in der Kirchengeschichte einmalig! Es ist kein Freibrief für unfaire und mißbräuchliche Nutzung intellektueller Werke, dennoch bestätigt der Papst in meinen Augen das Bestreben der Piratenpartei, übertriebene bzw. künstliche Einschränkungen der erlaubten Nutzung der Güter der Allgemeinheit (Wissen, Literatur, Kunst, Musik) zu stoppen. Auch Patente sind kein Selbstzweck und sicherlich keine Gelddruckmaschine. Alles muss dem Menschen – auch dem armen – dienen. Es ist kein Kommunismus, auch wenn einige das dahinter vermuten. Es geht um die Menschheit und um den Menschen – nicht als biologische Art, sondern  als ein von Gott geschaffenes Wesen und als Abbild seines Schöpfers.

Der Heilige Vater begrüßt ausdrücklich die „innovativen landwirtschaftlichen Produktionstechniken“ (also auch die Gen-Technik in der Landwirtschaft) sofern diese den Hunger auf der Welt stillen können. Diese sollen(§27): zweckmäßig, umweltfreundlich und für die „am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen“ einfach zugänglich (spricht: günstig) sein. Also keine Patente auf das Genom etc…

In diesem Zusammenhang bedauert er auch, dass die sog. Entwicklungshilfe für arme Länder dieser Welt falsch betrieben wird. Er sieht die Probleme, die in diesen Ländern selbst liegen (Korrupion, Bürgerkriege, Mißwirtschaft §27). Doch seine Sorge diesbezüglich sind zwei Dinge:

  1. Man tut in den reichen Ländern jovial und feiert sich selbst, wenn man den Armen gibt, was ihnen eh zusteht (Verständnis von Liebe und Gerechtigkeit in § 6)
  2. Dass man den Hunger in dieser Welt mit Hilfe von Verhütungsmitteln betreiben will:
    Angenommen, Sie haben ein Kind, dass aufgrund von Unterernährung schwer erkrankt ist. Würde Sie die nette Geste des Arztes freuen, wenn er Ihnen statt Medikamente für Ihr Kind eine Packung Gummis in die Hand drückt? Wahrscheinlich nicht. Aber genau dies tut auch die Bundesrepublik! Wir geben viel Geld für die Entwicklungshilfe aus – und viel zu viel davon in Form von Verhütungsmitteln.

Wo wir gerade dabei sind… Nach dem Motto „wer selber Kinder hat, kann dem Leides eines fremden Kindes nicht zuschauen“ forder er die reichen Länder dazu auf, Kinder als Reichtum für sie selbst und als Mittel gegen eine Art „Blindheit“ gegenüber den Kindern in der Dritten Welt anzunehmen.

Ähnlich wie bei der Gentechnik verhält es sich mit der Technik insgesamt. Solange sie ihren Dienst am Menschen verrichtet, ist das gut und gerecht. Sobald der Mensch zum Diener der Technik (Technokratie) wird, ist sie abzulehnen(§§69 und 70).

Der Heilige Vater verurteilt Länder und Politik, die die als Vorwand für den Krieg nutzen oder die Religionsausübung behindert, indem es seine Bürger zum praktischen Atheismus zwingt (China & Co §29).

Kritisch sieht er auch die mißlungene Entwicklung in den ehemals kommunistischen Staaten, wo eine kleine Gruppe „im Geld schwimmt“, während alle anderen Bürger an der Armutsgrenze leben (China, Russland = Turbokapitalismus) sowie die immer größer werdende Kluft zwischen Reich und Arm insgesamt (§§ 22 und 23).

Auch die elende Gleichmacherei (alles ist gleich gut) im Bezug auf den kulturellen Austausch und eine Verschmelzung in einen Uni-Brei wird angespreochen (§26).

Doch mein „Lieblingsstück“ beschreibt die Liebe, wie sie sein soll. Denken Sie einfach an die pomöse US-Hochzeiten, in denen dasselbe Wort vorkommt, wie auch in jedem billigen Porno… Oder an die Menschen, die für ihre Katze immer genug Geld haben, für eine Spende aber nie was… Tja, was schon alles aus „Liebe“ gemacht worden ist…

Hier die – meiner Ansicht nach – richtige Deutung:

„Die Wahrheit ist ein Licht, das der Liebe Sinn und Wert verleiht. Es ist das Licht der Vernunft wie auch des Glaubens, durch das der Verstand zur natürlichen und übernatürlichen Wahrheit der Liebe gelangt: er erfaßt ihre Bedeutung als Hingabe, Annahme und Gemeinschaft. Ohne Wahrheit gleitet die Liebe in Sentimentalität ab. Sie wird ein leeres Gehäuse, das man nach Belieben füllen kann. Das ist die verhängnisvolle Gefahr für die Liebe in einer Kultur ohne Wahrheit. Sie wird Opfer der zufälligen Gefühle und Meinungen der einzelnen, ein Wort, das mißbraucht und verzerrt wird, bis es schließlich das Gegenteil bedeutet.“ §2