Es kommt immer öfter vor, dass man gerade im Internet auf die neusten und interessantesten Erkenntnisse der Wissenschaft trifft. Man will es ja auch im eigenen Werk zitieren – nur wie?

Ein Bibliothekar würde sicher schnell mit der Empfehlung kommen, es als Monographie zu behandeln und um Zugangsangaben wie URL samt dem Zugriffsdatum zu ergänzen. Dabei denkt so mancher „Internaut“ an die symbolische Vorstellung der Erde als Scheibe. Natürlich hat er recht. Das Internet ist keine Monographie. Auch keine diffuse Sammlung von Artikeln. Es gibt sehr wohl Bücher (wie z. B. Handbücher). Nur sind sie nicht immer als eine Datei zu bekommen (und so „physikalisch“ in sich geschlossen). Um der Verwirrung Herr zu werden, muss man sich zunächst einmal vergegenwärtigen, dass es unzählige Konstelationen von Teilen und Ganzem geben kann. Zu allem Übel kann man da nur selten den Autor, fast immer aber eine Art Herausgeber in Erfahrung bringen…


Zunächst einmal zu dem „Herausgeber“. Jede Domain hat einen Verantwortlichen, der diesen „Titel“ besitzt (Besitzer der DNS-Eintrags) und für die Inhalte grundsätzlich grade stehen muss. Damit kommt er in die Situation des Chefredakteurs oder der des Herausgebers einer Publikation. Es ist seine Pflich, die Inhalte zu sichten, sie herauszunehmen oder sich von ihnen zu distanzieren (fremde Beiträge in Foren, Kommentare etc.) So sehen es auch die meisten Gerichte. Ich besitze den weltweit eindeuigen „Titel“ namens „kolatzek.org“. Was dort steht (auch in den Subdomains wie „robert.kolatzek.org“) habe zunächst ich zu verantworten. Mit einer sog. WOHIS-Abfrage kann jeder diese Tatsache herausfinden. Alle Beiträge auf wikipedia.org werden im Namen von Wikimedia Foundation und unter ihrer Beteiligung erstellt und im Netz zugänglich gemacht. Damit hätten wir die erste bibliographische Konstante im Netz!

Beispiel: http://de.php.net/ gehört „PHP Development Team“. Dieser gilt als Herausgeber aller Inhalte auf php.net.

Oft trifft man im Internet Handbücher an. Vor allem Benutzerhandbücher, API-Dokumentation oder ganze Anleitungen als sog. Ebooks. Ihre Erscheinungsweise (eher Publikationsweise) kann sehr unterschiedlich sein: Als eine PDF-, CHM- (Windows eigenes Hilfedatei-Format) bzw. HTML-Datei, als Serie von PDF-Dateien (Kapitelweise) oder als Serie von HTML-Dateien (die miteinander noch stärker verknüpft sind als die PDF’s). Die Seitenzählung ist bei einer einzigen PDF-Datei vergleichsweise einfach: Es steht schon in der Anzeige von Acrobat Reader (wie „1/24“) oder mit eigener Zählung auf dem elektronischem „Blatt“. Bei HTML kennen wir keine Seitenzählung und der Ausdruck je nach Papierformat sehr variieren. Es ist eine einzige Datei – ein riesiges Blatt sozusagen. Bei Sammlungen von einzelnen Dateien, die zusammen ein „Buch“ ergeben, wäre also die gesamtzahl der Dateien (mit ihren eigenen URL’s) anzugeben, was aber schnell unübersichtlich werden kann.

Beispiel: http://de.php.net/manual/de/ ist ein in sich geschlossenes aber auf unzählige Seiten aufgeteiltes Handbuch (Titel: „PHP Handbuch“) dar. Es besitzt seltener Weise viele im Text genannten Autoren!

Zu allem Übel gibt es noch die Blog’s und Internet-Zeitungen, die täglich andere Artikel zur Einsicht anbieten. Hier wäre der Typ „Periodikum“ durchaus interessant! Den Herausgeber kennen wir schon. Der Gesamttitel (in etwa „Zeitschriftentitel“ entsprechend) wie „Bild online“ wird sich kaum ändern. Damit haben wir eine zweite Konstante! Durch die Angabe des Datums können wir eine Variable übergeben, die vom publizierendem System (rein theoretisch zumindest) so interpretiert werden kann, dass man die Seite „wie damals“ zu sehen bekommt. Es ist sehr theoretisch, aber durchaus möglich.

Beispiel: http://de.php.net/ ist vor allem ein Informationsportal und die erste Seite wird immer wechseln (weil immer neue und interessante Meldungen genau hier dargestellt werden sollen). Das was ich heute sehe, kann schon in einem Monat gar nicht zu sehen sein…

Die unterste Ebene im Internet ist die URL. Es kann das ganze Handbuch sein. Viel wahrscheinlicher ist aber die Tatsache, dass es ein einzelner Artikel ist, der ein Teil eines Großen ganzen ist (wie Tagesmeldungen , Python-API oder „Ratgeber Gesundheit“). Dieser verfügt immer über eine URL, manchmal auch einen Autor (im Text oder im HEAD genannt) sowie einen Titel im „TITLE“ des „HEAD“.

Beispiel: http://de.php.net/manual/de/features.http-auth.php mit dem Titel: „PHP: HTTP-Authentifizierung mit PHP – Manual“ besitzt im HEAD leider keinen Autor… Dennoch kann ich es sinnvoll zitieren: PHP Development Team (Hrsg.) [Weil ein Autor hier nicht erkennbar – wohl ein gemeinschaftliches Werk der Autoren des Buches] : PHP: HTTP-Authentifizierung mit PHP – Manual. [Hier folgt die URL-Angabe] URL: http://de.php.net/manual/de/features.http-auth.php (Stand: 07.09.2008) In: [Hier kommt der Titel des ganzen Buches] PHP Handbuch. [und nochmals URL Vollständigkeit halber] http://de.php.net/manual/de/

PHP Development Team (Hrsg.): PHP: HTTP-Authentifizierung mit PHP – Manual. URL: http://de.php.net/manual/de/features.http-auth.php (Stand: 07.09.2008) In: PHP Handbuch. URL: http://de.php.net/manual/de/

Noch Fragen?

Ich würde eine Diskussion zu diesem Thema (auch bei ISO und DIN) begrüßen.