Wir glauben, alles schon zu kennen. Gott und die Welt. Doch in Wahrheit kennen wir weder die Welt richtig, noch Gott.

Was wir im Kopf haben, sind feste Vorstellungen – Größen, mit denen sich unser Gehirn routinemäßig gut umgehen kann. Es kann uns eigentlich nichts überraschen. Und doch sind wir des öfteren schockiert. Einige Schocks sind für uns unerträglich bis gefährlich. Andere wiederum heilsam und förderlich. Zu der zweiten Kategorie gehört sicher eine persönliche Begegnung mit Gott. Eine solche Erfahrung ist keine einmalige Angelegenheit, denn Gott ist immer anders und in seinem Wesen doch immer gleich. Diese Erfahrung zu vermitteln, hat sich die katholische charismatische Erneuerung im Heiligen Geist auf die Fahnen geschrieben.

Die ersten Exerzitien (auf deutsch: „Geistliche Übung“) eröffnen die Weg. Man nennt sie auch die Evangelisierung: vom griechischen „Eu-Agellon“ – die „Erfreuliche Nachricht“. Sie vermitteln die klare Botschaft von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. Der erste Schritt auf dem Weg besteht darin, die eigenen falschen Vorstellungen von Gott kennen zu lernen und aus der Bibel heraus das Handeln Gottes erkennen zu lernen. Das geht natürlich am Beispiel Jesu am besten. Er hat seine Machttaten und Gleichnisse gedeutet. Er hat die Barmherzigkeit Gottes den Menschen anschaulich gemacht. Er selbst war ein Mensch und sein menschliches Sterben als Zeichen der Liebe ganz persönlich gemeint. Dieses Geschenk und der hebräische „Shalom“-Wunsch (am besten als „es soll dir gut ergehen“ oder „dein Leben soll gelingen“ zu übersetzen), die Gott in das Leben eines schwachen und unvollkommenen Menschen hineinbringt, eröffnen das Herz und führen um Ur-Vertrauen, wie es die Kinder zu ihren Eltern haben.

Während die erste Person Gottes als der Schöpfer gilt, ist die zweite göttliche Person eine historisch erfassbare Größe, die weit entfernt in der Vergangenheit liegt. Beide sind uns jetzt und heute nicht direkt zugänglich. An dieser Stelle wird die dritte göttliche Person, die als Geschenk Jesu an seine Kirche bis heute wirkt. Er berührt die Herzen von Menschen und erweckt in ihnen das Gute, bringt es zum Blühen und macht fruchtbar für andere Menschen. Geisterfüllte Menschen haben eine unverwechselbare Ausstrahlung, die zwar immer ein wenig individuell ist und doch im Großen und Ganzen allen Gleich. Das Vertrauen auf Gottes Macht und die extrem persönliche Beziehung lassen die Menschen ruhig und kraftvoll erscheinen. Sie verzweifeln nicht, wenn sie in einer durch Böses korrumpierten Welt auf Granit beißen – sie setzen ihre Hoffnung auf Gott, der größer ist als Alles. Sie verfallen nicht in Aktionismus, sondern fragen Ihn: „Wie ist Dein Plan für mich, Herr? Was soll ich hier und jetzt tun?“

Nach der Entdeckung des Heiligen Geistes als „Antriebskraft“ und „Direkter-Draht zu Gott“ steht eine Entscheidung im Leben an. Die Theologen nennen es „die fundamentale Option“: Entweder bekennt man sich zu Gott oder nicht. Dies geschieht in einer Proklamation, dass Gott der einzige Herr (Herrscher oder Chef) meines Lebens ist – und auch der einzige Erlöser. Während die Anerkennung der Herrschaft Gottes auch im persönlichen Leben (mit allen Folgen wie der Anerkennung seiner Gebote oder seines Plans für mein Leben) recht eindeutig ist, wird es bei der Erlösung nebulös. Dabei ist Teil 2 nicht weniger wichtig: Ich muss mich nicht für meine Fehler vor mir und der Welt rechtfertigen, indem ich die Schuld weiter reiche. Ich muss auch nicht versuchen, mit Spenden mein Gewissen zu beruhigen. Im Gegenteil: ich erkenne an, dass ich nun mal bin, was ich bin und dass alles, was ich werden kann, Gottes Gnade und Geschenk ist. Was ich nicht wieder gutmachen kann, entschädigt Gott auf meine Bitte hin aus dem Gnadenschatz, den Jesus durch den Tod und die Auferstehung für uns erworben hat. (Wir erliegen viel zu oft der Versuchung einer „Selbsterlösung“, indem wir unsere Lebensumstände so anpassen, dass wir uns selbst als „akzeptabel“ vorkommen. Das fängt mit „Fitness & Fasten“ an und hört beim persönlichen/subjektiven ethischen Anspruch noch lange nicht auf…)

In einem letzten Schritt beten Menschen füreinander und bitten um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Bei jedem erweckt er eine besondere Begabung, die der Person von Natur aus eigen ist aber bisher vielleicht verborgen war. Der Eine hat den unerschütterlichen Glauben und strahlt Ruhe aus – egal was passiert. Ein Anderer merkt in Gesprächen mit Menschen, wo sie innerlich von Ängsten und klaffenden Wunden der Kindheit gequält werden. Noch Andere können Trost spenden oder sprechen das richtige Wort zur richtigen Zeit. Jedoch alle bekommen ein Geschenk, das mehr wert ist als alle Charismen: Sie erfahren sich als von Gott geliebt, angenommen und gewollt – unabhängig von ihrer Vorgeschichte und ihren Schwächen. Sie begegnen Gott selbst, wie es schon Tausende von Heiligen vor ihnen. Sie fangen an mit Gott als bestem Freund zu leben. Und zwar nicht in in Entbehrung und Leiden, sondern in einer inneren Fülle, die glücklich macht.

Diesen Weg bietet die charismatische Erneuerung als eine unter den vielen Bewegungen der Kirche (z.B.: Neokatechumenat, Alpha-Kurse, etc.) an. Dieser Weg ist im Gegensatz zu Sakramenten für einen Katholiken nicht notwendig. (Doch das sakramentale Leben macht erst richtig „Spaß“, wenn man sie als Geschenke von einem Freund wahrnimmt.)

Diese Exerzitien gibt es in „geschlossener“ Form (5 Tage in einem Kloster), als ein Wochenende oder als sog. Seminar, in dem über sieben Abende gebetet, gelehrt und miteinander gesprochen wird. Die dritte Form bietet die Gruppe aus Riegelsberg an. Die Reihe beginnt am 21. Februar 2018 (pünktlich) um 19:00 in dem Geistlichen Zentrum in Püttlingen („im Kloster“).