{"id":963,"date":"2013-09-22T22:49:11","date_gmt":"2013-09-22T20:49:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=963"},"modified":"2014-03-18T13:42:15","modified_gmt":"2014-03-18T12:42:15","slug":"accepit-mecedem-suam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/963\/accepit-mecedem-suam","title":{"rendered":"Accepit mercedem suam."},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>H\u00f6rt dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdr\u00fcckt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher \u00f6ffnen, das Ma\u00df kleiner und den Preis gr\u00f6\u00dfer machen und die Gewichte f\u00e4lschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, f\u00fcr ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen. Mit diesen Worten kritisiert das <a title=\"Das Buch Amos in Einheits\u00fcbersetzung. Kapitel 8, Verse 4fff\" href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/am8.html#4\" target=\"_blank\">Buch Amos<\/a> (das erste schriftlich \u00fcberlieferte Buch der Bibel) im Kapitel 8 (Verse 4-7) die Zust\u00e4nde im Land. Ganz sch\u00f6n hart! <!--more--> An Aktualit\u00e4t hat dieser Text nach wie vor nichts verloren. Es ist erschreckend, dass es allem Anschein nach immer aktueller wird. Die Schere zwischen arm und reich geht nach<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a title=\"Thema: Armutsbek\u00e4mpfung\" href=\"http:\/\/www.der-paritaetische.de\/fachinfos\/artikel\/news\/armut-auf-rekordhoch-tendenz-steigend-paritaetischer-fordert-sofortprogramm-zur-armutsbekaempfung\/\" target=\"_blank\">Aussagen des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbands<\/a> immer weiter auseinander, die Armut nimmt in der Breite der Gesellschaft zu. Es scheint insgesamt eine Erfahrung des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu sein, dass die Systeme nicht mehr tragen. Die sog. Finanzkriese ist der beste Beweis daf\u00fcr: Geld als eine Scheinw\u00e4hrung, die in sich zusammen br\u00e4chte, wenn die Politik es nicht (auf unsere Kosten) gerettet h\u00e4tte. Die Gesellschaft als ein solidarisches System versagt und entlastet die Superreichen, l\u00e4sst die Armen aber immer st\u00e4rker verkommen. Die Gesetze und die Jurisdiktion heben von der gelebten Moral ab und operieren mit abstrakten Begriffen, die in akademischen Kreisen nur mit M\u00fche verstanden werden. Die biblische Mahnung zur Schonung der Folgegeneration wird schamlos wegdiskutiert, um immer neue Schulden zu machen oder die Unterst\u00fctzung, die den Eheleuten und\u00a0 Eltern vorbehalten war, Hinz und Kunz zukommen zu lassen. Der Unterschied zwischen den Zielen und der Realit\u00e4t ist gewaltig. Das gibt es auch in der katholischen Kirche als Organisation (bzw. System). Die Kritik an diesem Zustand kommt von niemand anderem als dem Papst selbst. Er stammt nicht aus dem reichen Europa und hat das Leben in den L\u00e4ndern Lateinamerikas vor Augen. Sein Interesse gilt anderen Fragen als den der theologischen Wissenschaft. Er steht voll und ganz in der Tradition des Hl. Franziskus von Assisi.\u00a0 Dabei ist er nicht der einzige. Man erz\u00e4hlt sich \u00fcber das II. Vatikanische Konzil die folgende Anekdote.<\/p>\n<blockquote>\n<p>W\u00e4hrend einer Sitzung des Konzils hat sich ein Kardinal mit einer flammenden Rede f\u00fcr die Armut der Kirche eingesetzt. Doch als er abends zu seiner Unterkunft fahren wollte, fand er auf der Heckscheibe seines edlen schwarzen Mercedes\u00a0dieses Zitat aus der Bibel geschrieben: &#8222;accepit mercedem suam&#8220; &#8211; &#8222;haben ihren Lohn bereits erhalten&#8220;. Diese Worte stammen aus dem <a title=\"Die entsprechende Stelle in der Einheits\u00fcbersetzung der Bibel\" href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/mt6.html#2\" target=\"_blank\">Matth\u00e4usevangelium (6,2)<\/a> und kritisieren die Charity-Praxis: &#8222;Tu Gutes und sprich dar\u00fcber&#8220;.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Franziskus (der Heilige ebenso wie der jetzige Papst) geht kritisch mit Systemen um. Darin teilt er ein Wenig die Kritik der sog. Befreiungstheologie der 80er Jahre, die Systeme als Ursprung und Quelle der S\u00fcnde ansehen. Diese Ideologie f\u00fchrt in der Reinform zur Legalisierung der Revolutionen und macht den Menschen zum Opfer seiner Umwelt &#8211; und somit Schuldunf\u00e4hig (mangels Freiheit in der Entscheidung). Diese &#8211; vor allem von Leonardo Boff &#8211; vertretene Ansicht wurde vom Johannes Paul II als Marxismus enttarnt und verurteilt. Diese Entscheidung wird auch Franziskus sicher mittragen. Sein Engagement f\u00fcr die Verlierer der Systeme wie die Fu\u00dfwaschung im r\u00f6mischen Jugendgef\u00e4ngnis am Gr\u00fcndonnerstag oder das Angebot der Taufe eines unehelichen Kindes (das nach dem Wunsch seines Vaters abgetrieben werden sollte) ist offensichtlich. Die Aussage dahinter lautet: <strong>Das Versagen des Systems darf nicht blo\u00df als Schicksal eines Einzelnen angesehen werden.<\/strong> In jedem System gibt es die Schw\u00e4cheren, die gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. An ihnen wird die Schw\u00e4che des Systems sichtbar. Papst Franziskus bringt in das Leben der Kirche einen frischen Wind. Es ist faszinierend, wie er die uralten Probleme der Kirche angeht und die Glaubenspraxis mit seinem Vorbild erneuert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6rt dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdr\u00fcckt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? 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