{"id":958,"date":"2013-02-11T23:38:26","date_gmt":"2013-02-11T21:38:26","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=958"},"modified":"2013-02-11T23:38:26","modified_gmt":"2013-02-11T21:38:26","slug":"eine-romisch-katholische-minderheit-und-die-pogromstimmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/958\/eine-romisch-katholische-minderheit-und-die-pogromstimmung","title":{"rendered":"Eine r\u00f6misch-katholische Minderheit und die Pogromstimmung"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ein Pogrom (m., auch n.) ist die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angeh\u00f6ren oder aber von den T\u00e4tern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. H\u00e4ufig sind es politische Gruppen (z. B. Menschen einer Partei) oder religi\u00f6se Gruppen (z. B: religi\u00f6se Minderheiten). Fr\u00fcher verwendete man den Begriff nur, um Ausschreitungen gegen\u00fcber Juden zu benennen; der Sprachgebrauch hat sich ausgedehnt.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right\"><a title=\"Definition von Pogrom in Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Pogrom&amp;oldid=114099225\"><em>Aus Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die<\/em><\/a><\/p>\n<p>Also die Stimmung, wie bei einem Pogrom, (kurz: Pogromstimmung) kann bei Mitgliedern einer religi\u00f6sen Gruppe durchaus aufkommen, wenn sich diese bedr\u00e4ngt und aus der Gesellschaft ausgegliedert f\u00fchlen. Im engeren Sinne (Judenpogrom) ist die Realit\u00e4t von tief gl\u00e4ubigen Katholiken, die auf ihr Oberhaupt h\u00f6ren, sicher nicht vergleichbar. Nimmt man nur die mediale Realit\u00e4t, werden Parallelen sichtbar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Beispiel: die Tagesthemen betreiben (gef\u00fchlt) fast die halbe Sendung lang eine Hexenjagd. Eine Unterstellung jagt die n\u00e4chste. Kurz vor dem Ende der Berichterstattung (nachdem man eine die Bisch\u00f6fe vollkommen in schlechtes Licht gestellt hat) darf ein Bischof im Interview eine Gegendarstellung versuchen. Diese Art der &#8222;psychologischen Kriegsf\u00fchrung&#8220;* hat Methode. (* objektive und neutrale Berichterstattung war es nach meinem Gef\u00fchl nicht) Welcher Zuschauer h\u00e4lt denn bis zur Gegendarstellung durch? Wer glaubt an die komplexe Wahrheit, wo die unbegr\u00fcndeten Unterstellungen sich so gut zusammen reimen? Man h\u00e4tte das Interview schon fr\u00fcher senden k\u00f6nnen, es war bereits vor der Sendung aufgezeichnet. Warum man es nicht tat, scheint auf diesem Hintergrund plausibel&#8230; Kritik oder denkbare Machtspielchen hinter den Kulissen des Senders (den ich auch noch mitfinanzieren muss) auf den Seiten des Forums zur eben dieser Sendung sind unerw\u00fcnscht. Es wird alles zensiert, was die Darstellung von Tagesthemen nicht als das A und O aussehen l\u00e4sst. Ein Paradebeispiel, wie Medien mit der r\u00f6misch-katholischen Kirche umgehen. Als Katholik hat man gegen eine solche Art von Berichterstattung keine Handhabe. Man f\u00fcllt sich medial wie eine Sau, die durch das Dorf getrieben wird.<\/p>\n<p>Nun meldete sich der<a title=\"\u00c4u\u00dferung des Papstes laut N24\" href=\"http:\/\/www.n24.de\/news\/newsitem_8585901.html\"> Papst zu Wort und bezeichnet die Christen als das meist verfolgte Volk auf der Welt<\/a>. Und das nicht nur in China, Jemen oder auf den Philippinen&#8230; Auch in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern oder Nordamerika seien die Christen nicht mehr willkommen. Wie? Auch in unseren so vorbildlichen Demokratien? Tats\u00e4chlich: Was die \u00f6ffentliche Meinungsbildung anbetrifft, gibt es kein Respekt vor \u00dcberzeugungen der Minderheiten mehr. Eine absolute Mehrheitsdiktatur, die das Recht auf freie Religionsaus\u00fcbung auf die Kirchenr\u00e4ume einschr\u00e4nken will, ergreift das Wort in allen Medien. Man muss schon &#8211; wie ich &#8211; <a title=\"Apologetik - Definition in Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apologetik\">apologetisch<\/a> angehaucht sein, um sich selbstbewusst einem medialen Mob in den Weg zu stellen. Dennoch habe ich kein Interesse daran, jemandem zu schaden. Ich m\u00f6chte meine Kritik an den \u00fcbertriebenen und oft substanzlosen Vorw\u00fcrfen \u00e4u\u00dfern. Ich verlange nichts als die volle Wahrheit. Es ist mir bewusst, dass sie vielen zu kompliziert ist. Wer will den schon seitenweise Argumente f\u00fcr ein ethisches Prinzip lesen? Die Realit\u00e4t sieht doch anders aus. Warum noch an die Unaufl\u00f6slichkeit einer katholischen Ehe glauben? Man kann eine Religion deutlich g\u00fcnstiger kriegen! Komm, stell dir &#8217;nen Buddha ins Wohnzimmer oder auf deinen Schreibtisch. Du willst ja den Menschheit nichts b\u00f6ses, das reicht doch! (Deine Nachbarn und Arbeitskollegen halten dich f\u00fcr einen unausstehlichen Egoisten und Egozentriker &#8211; aber das wei\u00dft du zu Gl\u00fcck nicht. Und wenn: In einer postmodernen Gesellschaft, schafft jeder seine Ethik. Was gut und b\u00f6se ist definiert jeder f\u00fcr sich selbst. Also was soll&#8217;s?)<\/p>\n<p>Wir als Mitglieder der katholischen Kirche glauben voller Gottvertrauen, dass der Papst zusammen mit dem Konzil in Sachen des Glaubens und der Ethik nicht irren kann. Wir glauben auch an Prinzipien &#8211; Grunds\u00e4tze und absolute Werte &#8211; und halten sie als Ideale hoch. Es sind keine konkreten Handlungsanweisungen, die bei jedem jederzeit und in gleichem Ma\u00dfe gelten. Es sind eben Ideale. Sie sind das Licht, das wir in der Nacht des Lebens brauchen, um Gutes und B\u00f6ses erkennen zu k\u00f6nnen. Wir glauben auch an das Gewissen, das uns Menschen von Computern unterscheidet. Das Gewissen entscheidet \u00fcber die moralische Wertung einer Tat, indem es in Freiheit bewusst die Prinzipien auf die konkrete Situation bezieht und bewertet. (Das ist \u00fcbrigens auch der Grund, warum Computer nicht s\u00fcndigen k\u00f6nnen.) Leider wissen das die meisten Katholiken auch nicht. Unsere Religionsp\u00e4dagogik hat sich in den letzten Jahrzehnten genauso wenig gebessert, wie das Interesse der erwachsenen Gl\u00e4ubigen an ihrem Glauben. Mit anderen Worten: die meisten von uns wei\u00df gar nicht, was es glauben soll\/darf\/kann. Auch der Begriff der religi\u00f6sen Pflicht (also der inneren Verpflichtung aus religi\u00f6ser \u00dcberzeugung her wie der Anwesenheit beim sonnt\u00e4glichen Gottesdienst) ist uns Katholiken gro\u00dfteils verloren gegangen. Wir k\u00f6nnten mit der Menge der Gl\u00e4ubigen bei der Prozession am Fronleichnam sicher keinen arbeitsfreien Feiertag mehr begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>In einem solchen undurchsichtigen Gemenge w\u00e4re es auch nicht erkennbar, was denn \u00fcberhaupt &#8222;katholisch&#8220; hei\u00dft &#8211; h\u00e4tten wir nicht den hierarchischen Teil, der als einziger berechtigt ist, im Namen der Kirche zu sprechen. Aber auch hier sehen wir M\u00e4nner und Frauen, die irren oder mit Kanonen auf Spatzen schie\u00dfen ;-) Wenn diese oft beschimpften &#8222;<em>alten M\u00e4nner<\/em>&#8220; etwas sagen, dann wollen sie nicht dem Staat Gesetze abverlangen, sonder stellen die katholische Sicht der Dinge dar. Und das im Sinne von Prinzipien, nicht als verpflichtende Gesetze mit Todesstrafe. Und bis heute verstehe ich nicht, was es mit den &#8222;<em>alten M\u00e4nnern<\/em>&#8220; auf sich hat. Unser Bundespr\u00e4sident ist ein alter Mann. (Ich hoffe ich darf das angesichts seines Alters so sagen.) Soll man ihn deshalb aus dem Amt jagen, wie seine (j\u00fcngeren) Vorg\u00e4nger? \u00dcbung in medialer Hexenjagd haben wir ja. Und es stellt sich mir eine andere Frage: Sind etwa alte Frauen besser? Es mag M\u00e4nner geben, die sich von alten Frauen etwas sagen lassen. Die Mehrheit ist es nicht. Ich w\u00fcnsche mir manchmal auch, wir h\u00e4tten bessere, weisere, charismatischere Hirten in der Kirche. Ich wei\u00df auch, dass solche gesucht wurden. Leider sind dem Arbeitsamt die arbeitslosen Engel ausgegangen. Jeder wollte sie haben. Sie machen nicht so viele Fehler und sind bei allen Arbeitgebern beliebt&#8230;<\/p>\n<p>Also liebe Mitb\u00fcrger! Wir haben als Katholiken nicht so viele tolle &#8222;Top-Manager&#8220; vorzuweisen. Auch mit der charismatischen Ausstrahlung sieht es bei uns nicht so gut aus. Unsere \u00dcberzeugungen sind komplex und sogar f\u00fcr Theologiestudenten nicht immer ganz nachvollziehbar. Unser Glaube hat 2000 Jahre Geschichte auf dem Buckel. Da steckt Erfahrung und Weisheit drin &#8211; aber auch hier und da Ger\u00fcmpel. Es gibt bei uns Menschen, die Freude daran haben, dieselben Worte zu beten, wie Millionen von l\u00e4ngst verstorbenen Schwestern und Br\u00fcdern im Glauben. Andere suchen mehr oder weniger gelungen moderne Ausdrucksformen. Jeder Jeck kann bei uns seine Nische finden &#8211; auch wenn er sich mit der offiziellen Sicht schwer tut. Und diese offizielle Sicht sind nun mal sehr abstrakte Prinzipien, die jeder f\u00fcr sich in sein Leben umsetzen soll. Soll und nicht muss. Dies gibt uns die Freiheit zu irren und den rechten Weg wieder zu finden. Wir fordern keine Strafen f\u00fcr Menschen mit anderen \u00dcberzeugungen, solange nicht als katholisch lehren m\u00f6chte. Wir m\u00f6chten unsere Prinzipien niemandem aufzwingen, w\u00fcnschen uns aber die Freiheit, nach eigenen \u00dcberzeugungen zu leben und handeln zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wir haben es nicht immer leicht. Immer \u00f6fter werden wir angefeindet oder angep\u00f6belt. Dennoch verlassen wir die Gesellschaft nicht. Wir leben in ihr und mit ihr. Wir sind da, wo Hilfe ben\u00f6tigt wird, aber kaum Geld zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Wir betreiben seit Jahrhunderten Krankenh\u00e4user &#8211; auch als man nur Gottes Lohn daf\u00fcr erntete. Wir investieren in die Zukunft des Landes. Unsere Kinderg\u00e4rten bauen eine gemeinsame Zukunft von &#8222;Russen&#8220;, Muslimen, Atheisten, Christen, Hindus und Katholiken. Wir erlauben uns ab und zu, die Kinder (die es wollen) in ein Gottesdienst mitzunehmen. (Auch aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden.) Zugleich respektieren wir die religi\u00f6sen Werte und Essvorschriften aller Kinder (Stichwort: Schweinefleisch). Wir glauben aber auch, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er bestimmt hat, dass nur eine Frau mit einem Mann ein Kind bekommen und erziehen kann. (Es ist nachweislich die beste Konstellation f\u00fcr ein Kind.)<\/p>\n<p>In einer Geschichte aus dem Evangelium wird berichtet, wie der erfahrene Fischer Petrus nach einer erfolglosen Nacht von einem Zimmermann, der sich lediglich mit der Heiligen Schrift auskennt, aufgefordert wird, die Netze auszuwerfen. So ein Unsinn &#8211; muss er sich gedacht haben. (Wann l\u00e4sst sich ein Chefkoch von einem Elektriker, der gerade Sicherungen \u00fcberpr\u00fcft hat, belehren, wie man Steaks zu braten hat?) Und genau da passiert es &#8211; das Zeichen der Gr\u00f6\u00dfe Gottes. Seitdem glauben wir, dass wir uns nicht auf unser Wissen und unsere Erfahrung berufen d\u00fcrfen. Deshalb folgen wir nicht den Trends oder Moden. Wir wollen auch nicht unbedingt die Mehrheit auf unserer Seite haben. Wir glauben fest daran: &#8222;Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen&#8220; (Apostelgeschichte 5, 29) Wir wollen nicht au\u00dferhalb der Gesellschaft sein aber auch nicht in ihr aufgel\u00f6st sein, sondern eben anders bleiben d\u00fcrfen. Wenn eine Sexismusdebatte die Medien \u00fcberflutet, taucht v\u00f6llig unbemerkt ein Satz aus der katholischen Morallehre auf: Die menschliche Person darf niemals zum Sexobjekt degradiert werden. Wir haben Werte im Angebot, die unsere Gesellschaft manchmal wieder entdeckt&#8230;<\/p>\n<p>Ps. Aus gegebenem Anlass suchen wir einen guten Philosophen, der das Prinzip der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens und das Prinzip der Selbstbestimmung \u00fcber eigenes Leben des Opfers einer Vergewaltigung in eine allgemein akzeptierte und philosophisch standfeste Ausgleichsformel gie\u00dft. Unser Problem ist nicht die Praxis, sondern der Paradoxon der sich widersprechenden Prinzipien. Bis sich eine L\u00f6sung findet, bleiben wir der Anwalt derjenigen, die sonst keine F\u00fcrsprecher haben und versuchen den Frauen jede erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen. Und die Entscheidung, es so und nicht anders herum zu machen, f\u00e4llt uns nicht leicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Pogrom (m., auch n.) ist die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angeh\u00f6ren oder aber von den T\u00e4tern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. H\u00e4ufig sind es politische Gruppen (z. B. Menschen einer Partei) oder religi\u00f6se Gruppen (z. B: religi\u00f6se Minderheiten). 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