{"id":937,"date":"2012-11-29T20:51:02","date_gmt":"2012-11-29T18:51:02","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=937"},"modified":"2016-08-21T16:51:38","modified_gmt":"2016-08-21T14:51:38","slug":"drei-farben-weis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/937\/drei-farben-weis","title":{"rendered":"Drei Farben. Wei\u00df."},"content":{"rendered":"<p>Teil Drei des &#8222;Triptychon&#8220;\u00a0 habe ich vor ca. zehn Jahren gesehen und relativ schnell wieder vergessen. Ein Film, dem man wegen der einfach gestrickten Geschichte gut folgen kann. Vielleicht zu gut. Man bleibt gerne bei den &#8222;Fakten&#8220; stehen. Auf den zweiten Blick (z.B. nach mehrere Jahren &#8211; wie bei mir) entdeckt man die &#8222;Geschichte hinter der Geschichte&#8220;.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich habe soeben das Wort &#8222;<strong>Triptychon<\/strong>&#8220; statt\u00a0 &#8211; wie es richtig w\u00e4re &#8211; <strong>Trilogie<\/strong> verwendet. &#8222;Trilogie&#8220; bedeutet &#8222;drei W\u00f6rter&#8220; und w\u00fcrde zur \u00dcberschrift &#8222;Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit&#8220; gut passen. &#8222;Triptychon&#8220; hingegen meint &#8222;dreifach gefaltet&#8220;, &#8222;dreifach zusammengesetzt&#8220;. Das eine gibt es nicht ohne die anderen Beiden. Drei, die Eines ergeben. Das erscheint mir irgendwie passender. Man erkennt es auch daran, dass die Frau des Komponisten aus Teil eins (Blau, &#8222;Freiheit&#8220;) kurz in Wei\u00df &#8211; der &#8222;Gleichheit&#8220; &#8211; auftaucht. Es ist ganz am Anfang. Dort wo die Ungleichheit und die heillose Geschichte ihren Anfang nimmt: Im franz\u00f6sischen Gerichtssaal w\u00e4hrend der Verhandlung der Scheidung zwischen dem impotenten polnischen Friseur mit Weltmeistertitel (Karol) und seiner sch\u00f6nen aber kaltherzigen Ehefrau Dominique.<\/p>\n<p>Diese Scheidung ist das erste Bild der sog. <strong>Gleichheit<\/strong>. Man merkt sofort, dass der Migrant keine Chance hat. Seine Erkrankung ist f\u00fcr ihn sicher eine schwere Last. Er bekennt sich \u00f6ffentlich dazu und dies wird ihm zu Verh\u00e4ngnis. Ab diesem Moment ist er ihr ausgeliefert. Ein gro\u00dfer aber fast leerer Koffer beherbergt seinen gesamten Besitz. (Diesen brachte seine siegessichere Ehefrau zur Verhandlung gleicht mit.) Schlimmer noch. Im Bewusstsein der eigenen \u00dcberlegenheit in der Heimat steckt die frisch geschiedene Franz\u00f6sin ihr Friseursalon in Brand und zeigt ihren ehemaligen Ehemann als T\u00e4ter bei der Polizei an. Von nun an ist der Pole &#8222;Freiwild&#8220; und kann ohne finanzielle Mittel und wegen der Grenzkontrollen nicht einmal frei in die Heimat reisen.<\/p>\n<p>So viel zum Thema &#8222;<strong>Recht<\/strong>&#8222;, vor dem ja alle gleich sein sollten. Statt von &#8222;<strong>gleich<\/strong>&#8220; sollte man wohl eher von &#8222;<strong>gleichg\u00fcltig<\/strong>&#8220; sprechen. Ein Recht &#8211; ja ein ganzes Rechtssystem &#8211; das mit Gerechtigkeit nichts mehr gemeinsam hat. Ein System, in dem die Benachteiligten g\u00e4nzlich schutzlos sind.<\/p>\n<p>Als Gegengewicht wird mit dem Benachteiligten als zentraler Figur <strong>eine andere Geschichte<\/strong> im Anschluss an dieses Ereignis entwickelt. Ein wohlhabender Pole bieten eine gr\u00f6\u00dfere Geldsumme f\u00fcr einen <strong>Auftragsmord<\/strong> (T\u00f6tung auf Verlangen) an einem reichen Mann an, der jegliche Lust am Leben verloren hat. (Darauf geht der besitz- und obdachlos gewordene Karol zun\u00e4chst nicht ein.) Die zwei Landsm\u00e4nner entscheiden sich f\u00fcr einen verwegenen und riskanten Rettungsplan &#8211; eine Reise im Koffer in die Heimat. Der Friseur schafft es tats\u00e4chlich, ein Leben nach dem Leben zu f\u00fchren. Die Erfahrung der <strong>Erniedrigung<\/strong> f\u00fchrt nach und nach zum Wunsch nach <strong>Rache<\/strong>. Er nimmt den Auftrag der <strong>Wunscht\u00f6tung<\/strong> an, um <strong>Geld<\/strong> f\u00fcr ein legales aber unmoralisches und \u00e4u\u00dferst lukratives Unterfangen zu bekommen. Wie es sich herausstellt, ist der Vermittler der Auftraggeber und das Ziel. Der Friseur f\u00fchrt den Auftrag aus. Er schie\u00dft auf seinen Retter und Freund der Schicksalsstunde. Dieser sinkt zu Boden, atmet einmal tief durch und steht wieder auf. Es war eine Platzpatrone. Auf die Frage, ob die echte Patrone zum Einsatz kommen soll, antwortet der Reiche, dass es nicht mehr n\u00f6tig sei. So gut wie jetzt f\u00fchlte er sich schon seit Jahren nicht mehr.<\/p>\n<p>Der Auftragskiller hat <strong>Skrupel<\/strong>. Er h\u00e4tte das moralische Recht, einen leidenden zu &#8222;erl\u00f6sen&#8220; &#8211; ja, sogar die Pflicht, den Auftrag zu erf\u00fcllen. Es w\u00e4re <strong>illegal<\/strong> aber irgendwie <strong>gerechtfertigt<\/strong>, ein &#8222;Freundschaftsdienst&#8220; sogar. Er tut dies, wenn auch anders als gew\u00fcnscht. Und genau hier wird der enorme <strong>Unterschied<\/strong> zwischen dem <strong>Recht<\/strong> und dem <strong>Gewissen<\/strong> offenbar: dem Gewissen kann es nicht egal sein. Das Gewissen achtet auf die Person. Es ist keine kalte mechanisch-rechnerisch exakte Gleichheit und keine Gleichg\u00fcltigkeit, die das Gewissen antreibt.<\/p>\n<p>Das Ende der Geschichte endet in einer <strong>Auss\u00f6hnung des Rechts mit dem Gewissen<\/strong>, die ich hier nicht schildern will. Stattdessen empfehle ich die Trilogie &#8211; das Triptychon &#8211; jedem, der die Prinzipien unserer Gesellschaft neu entdecken will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kieslowskis Trilogie ist keine leichte Kost. Sieht man sie nach Jahren nochmals an, entdeckt man eine neue Geschichte in der Geschichte. Diesmal geht es um die Gleichheit. Gleichheit und Gleichg\u00fcltigkeit, um Recht und Gewissen. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[5,6],"tags":[38,58,112],"class_list":["post-937","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunst-und-kultur","category-philosophie-und-religion","tag-film","tag-kieslowski","tag-trilogie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=937"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1106,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937\/revisions\/1106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}