{"id":935,"date":"2012-11-25T18:34:36","date_gmt":"2012-11-25T16:34:36","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=935"},"modified":"2014-06-26T10:38:10","modified_gmt":"2014-06-26T08:38:10","slug":"der-informations-und-kommunikationsbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/935\/der-informations-und-kommunikationsbaum","title":{"rendered":"Der Informations- und Kommunikationsbaum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Google<\/strong> erwartete sich von seinem mittlerweile geschlossenen Dienst &#8222;<strong>wave<\/strong>&#8220; eine starke <strong>Innovation<\/strong> und scheiterte. Schade eigentlich. Wave hat viel Potential gehabt. Man hat viel richtig und ebenso viel falsch gemacht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn man Dienste f\u00fcr den Menschen entwickelt, steht man vor einer riesigen Herausforderung: Jeder Benutzer tickt ein bisschen anders. Es f\u00e4ngt bei Farben an, geht auf Begriffe \u00fcber und endet in der Einteilung und Einordnung von Elementen der Anwendung. Wenn man den richtigen Ton trifft und mit &#8222;einfach genial, genial einfach&#8220; bezeichnet wird, hat man es geschafft.<\/p>\n<p>Google hat es geschafft, einen Medien-reichen Web-basierenden Chat mit Konferenz- und Kommentarbaum-Funktion zu erstellen. Pro Unterhaltung wurden im mittleren Bereich Waves (hei\u00dfen sie so?) geschaffen, die benannt werden konnten und Avatare der Teilnehmer enthielten. Das war sehr n\u00fctzlich, weil es leicht nachvollziehbar war: das &#8222;<strong>Wer<\/strong>&#8220; und das &#8222;<strong>Was<\/strong>&#8220; als Hauptmerkmale sind meist f\u00fcr eine Zuordnung ausreichend.<\/p>\n<p>Das dreigeteilte Fenster, der Web-Browser, die Unterscheidung zwischen Unterhaltungen, die Verzweigungen mit ihrer jeweiligen Parallelentwicklung innerhalb einer Unterhaltung &#8211; das roch ja so gar nicht nach <strong>Chat<\/strong> mit jeweils eigenem <strong>Fenster<\/strong> und <strong>einem einzigen seriellen Informationsfluss<\/strong>. Vielleicht deshalb konnte die Idee in den K\u00f6pfen der Nutzer nicht ank0mmen.<\/p>\n<p>Kommt Zeit, kommt Rat. Kommt Facebook, Twitter und <strong>Timeline<\/strong>&#8230; Die Benutzer lernen immer mehr dazu und haben gelernt, mit Unterst\u00fctzung der Diensteanbieter mehrere Streams gleichzeitig zu verfolgen. Bei <strong>G+<\/strong> kommen die &#8222;<strong>hei\u00dfen<\/strong>&#8220; Themen (also solche, bei denen man kommentiert hat und von anderen weiter diskutiert werden) eine Zeit lang oben. Unter dem Ersteintrag sieht man die zwei letzten Kommentare. Ist der Stream <strong>erkaltet<\/strong> (wobei mir immer noch schleierhaft ist, wie das von Google wirklich errechnet wird), fallen sie wieder zur\u00fcck. Bei <strong>Facebook<\/strong> finde ich die Idee der <strong>Timeline<\/strong> sehr gut. Auch wenn die Umsetzung auf mich recht primitiv wirkt.<\/p>\n<p>In einem Vortrag oder irgendwo im Fernsehen habe ich einen Satz eines mir unbekannten Informatikers aufgenommen, der mich stutzig gemacht hat: Wenn es um Informationen und Wissen geht, <strong>kennt der Mensch nur eine Achse &#8211; die Zeit<\/strong>. Entlang der Lebenszeit kann man <strong>Markierungen<\/strong> setzen, die ein <strong>informationelles Ereignis<\/strong> bedeuten. Dabei ist es unerheblich, ob es eine Unterrichtsstunde, eine Buchlekt\u00fcre, ein Telefonat oder E-Mail war. Jedes Datum im Zusammenhang mit einem anderen (wir Informationswissenschaftler nennen es &#8222;Information&#8220;) kann an dieser Achse irgendwo zugeordnet werden. Fast alle Informationen, die im Prozess des Informierens vermittelt werden, haben nach dem <a title=\"Das Sender-Empf\u00e4nger-Modell in Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sender-Empf%C3%A4nger-Modell\" target=\"_blank\">Kommunikationsmodell<\/a> einen Sender (der die Information weiter gibt) und einen Empf\u00e4nger. Der Empf\u00e4nger nimmt die Information als Punkt in seine zeitliche Informationsachse auf. <strong>Aus dem bidirektionalen Austausch entsteht ein eigenes Ast<\/strong>, das einen Anfang an eben diesem Punkt hat. Die <strong>\u00c4ste erlauben einen asynchronen Fortschritt des Informierens und k\u00f6nnen parallel verlaufen<\/strong>. Zum Schluss sieht <strong>dieses wie ein Baum aus, dessen \u00c4ste immer nach oben zeigen<\/strong> (am ehesten eine Pappel).<\/p>\n<p>Google hat mit Wave einen Schritt in die Richtung des Baums gemacht. Man hat einzelne \u00c4ste als eigene Kommunikationsstr\u00e4nge in der Mitte angedeutet, deren Auspr\u00e4gung aber rechts zu sehen war. Auch die Einbindung der vielen Dienste wie Maps, Youtube etc in das Wiki-Chat war an sich richtig, als ganzes aber von den meisten nicht verstanden. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, eine E-Mail w\u00e4re etwas v\u00f6llig anderes als ein Facebook-Nachricht und unterscheiden streng danach. Dabei w\u00e4re es einfacher zu fragen: Wann habe ich es erfahren, statt das &#8222;Wie&#8220; als Erstkriterium zu nehmen. H\u00e4tte man einen gro\u00dfen Informationsbaum, der alle unsere SMS, E-Mails, ToDo-Listen, Termine, Tickets etc enthielte, w\u00fcrde man sich sicher fragen: &#8222;<em>Wann habe ich es erfahren?<\/em>&#8222;. Ein Filter auf nur einen Mitteilungsweg w\u00e4re sicher hilfreich aber nicht entscheidend. Denn<strong> Wissen ist die Summe der Informationen, die aufeinander aufbauen<\/strong>. Deshalb sagen wir auch &#8222;<em>Damals habe ich es noch nicht gewusst<\/em>&#8220; und nicht &#8222;<em>Damals hatte ich die E-Mail noch nicht in meinem Postfach<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Da gibt es noch das bekannte Problem der <strong>zeitlichen Differenz zwischen der Kenntnisnahme und dem Eingang<\/strong>. Dieses Problem entsteht z.B. beim Chat, wenn man Nachrichten an abwesende senden kann oder bei E-Mail. Die Zustellungszeit (die schon alleine von der Sendezeit stark abweichen kann) entspricht nicht dem Zeitpunkt der \u00dcbermittlung der Information an den Empf\u00e4nger. Ein Baum kann diese \u00c4ste an der Stelle einbinden, die dem Zeitpunkt des Lesens entspricht.<\/p>\n<p>Ein solcher zentraler Informationspunkt ist leider mit der <strong>Sammlung s\u00e4mtlicher Daten<\/strong> verbunden. Google k\u00f6nnte ein solcher Werden: E-Mails, Chat, Kalender, Dokumente, ToDo&#8217;s &#8211; alles aus einer Hand. Dies ist auch meiner Ansicht nach die Tendenz unter den Gro\u00dfen. Statt eines schn\u00f6den E-Mail-Kontos bieten man ein &#8222;pers\u00f6nliches B\u00fcro samt Sekret\u00e4rin&#8220; an. Ich wei\u00df nicht, ob ich es benutzen werde, aber ich werde sicher irgendwann einen solchen Informations- und Kommunikationsbaum erleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Google erwartete sich von seinem mittlerweile geschlossenen Dienst &#8222;wave&#8220; eine starke Innovation und scheiterte. Schade eigentlich. Wave hat viel Potential gehabt. 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