{"id":926,"date":"2012-10-15T21:55:56","date_gmt":"2012-10-15T19:55:56","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=926"},"modified":"2012-10-15T21:55:56","modified_gmt":"2012-10-15T19:55:56","slug":"schuster-bleib-bei-deinem-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/926\/schuster-bleib-bei-deinem-leisten","title":{"rendered":"Schuster, bleib bei deinem Leisten"},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie &#8222;Deutschland schafft sich ab&#8220; gelesen? Und &#8222;Schafft sich die Kirche ab?&#8220; ? Nein? Nicht schlimm. Sie haben nichts verpasst&#8230; Ich h\u00f6rte das <a title=\"Gesp\u00e4ch mit dem Autor\" href=\"http:\/\/wissen.dradio.de\/katholische-kirche-starke-marke-schlechte-kundenbindung.38.de.html?dram:article_id=223691\">Interview zu diesem Buch in Deutschlandradio<\/a> und dachte mir nur: Schuster, bleib bei Deinen Leisten!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn ein Unternehmensberater auf das Abstellgleis zusteuert und noch etwas Geld brauch &#8211; was macht er da? Richtig geraten! B\u00fccher schreiben. So auch in diesem Falle. Ein Unternehmensberater packt sein Fremdw\u00f6rterbuch aus und gibt seine wohlklingenden Ratschl\u00e4ge ohne einen Blick auf die Realit\u00e4t ab. Er tut dies so, wie er es schon immer und \u00fcberall getan hat. Ein bekanntes und sehr lustiges Beispiel f\u00fcr dieses Vorgehen gibt es seit Jahren in der<a title=\"Totes Pferd und die Unternehmensberater\" href=\"http:\/\/www.controllingportal.de\/Humor\/Das-tote-Pferd.html\"> Geschichte vom toten Pferd<\/a>.<\/p>\n<p>Seine Kritik kurz zusammengefasst:<\/p>\n<ol>\n<li>Hausgemachte Vermittlungskriese<\/li>\n<li>Charismatisches F\u00fchrungspersonal wird nicht bef\u00f6rdert<\/li>\n<li>Die Hierarchie (die Oben wissen nicht, was die da Unten tun)<\/li>\n<li>Katholischer sein, nicht r\u00f6mischer<\/li>\n<li>Nicht der Mensch muss sich \u00e4ndern, sondern die Kirche (die Kunden verstehen den Anbieter nicht &#8211; eine Rekursion auf Punkt 1?)<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann das so nicht stehen lassen. Die Kritik ist nicht unbegr\u00fcndet aber sie weist oft in die falsche Richtung bzw. zeigt keine Richtung. Manchmal ist sie so aussagekr\u00e4ftig wie jedes Gutachten der Unternehmensberater (eine lose Aneinanderreihung von vieldeutigen englischsprachigen Floskeln).<\/p>\n<ol>\n<li>Nat\u00fcrlich muss die Kirche die Zeichen der Zeit erkennen. Das schreibt sie selbst in ihren Dokumenten. Nur was bedeutet das? Ist eine Synode zur Neuevangelisierung der eigenen Mitglieder nicht die Reaktion auf den Mangel des Glaubens und der Gotteskenntnis? Die Kirche ist sicherlich nicht die Schnellste. Sie ist tr\u00e4ge wie z.B. der deutsche Staat. Nur dass sie mehr Mitglieder auf der ganzen Welt hat. Ein so gro\u00dfes (globales) \u00c4nderungsvorhaben kann nur durch ein Konzil geschehen. Ein solches haben wir vor. ca 50 Jahren erlebt. Eine logistische, kulturelle und intellektuelle Meisterleistung.<\/li>\n<li>&#8222;Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen&#8220; &#8211; meint Helmut Schmidt. Visionen sind genauso wenig die L\u00f6sung f\u00fcr eine gro\u00dfe Organisation wie in ein einzelner begnadeter Geiger f\u00fcr ein ansonsten mittelm\u00e4\u00dfiges Orchester. Ein Orchester besteht nicht nur aus dem Geiger. Ein Orchester ist auch mehr als Dirigent. Auch die EU hat kaum unter ihren Staatschefs Vision\u00e4re vorzuweisen. Der US-Pr\u00e4sident Obama ist ein Vision\u00e4r. Deshalb m\u00f6gen wir ihn. Aber ein gescheiterter, da ihn das Parlament ausbremst. Um wo wir gerade bei Charismatikern sind&#8230; In Frankreich erneuert sich die Kirche sehr stark. Es entstehen viele kleine charismatische Gruppen, aus denen die Priester und k\u00fcnftig sicher auch Bisch\u00f6fe hervorgehen. Und die sind besonders &#8222;Rom-treu&#8220;.<\/li>\n<li>Wenn der Vorstand eines Weltkonzerns die Lebensumst\u00e4nde seines am schlechtesten bezahlten Mitarbeiters kennen w\u00fcrde, w\u00e4re das Unternehmen sicher anders. Wirklich? Das glaube ich nicht. Die Aufgabe der Chefs ist nicht, das Unternehmen an alle Mitarbeiter anzupassen, sondern die Unternehmensziele fest zu setzen und sie zu realisieren. Analog gilt in der Kirche: Die Aufgabe des Vatikans ist die Bewahrung des Glaubens als eindeutige Prinzipien nicht die Verw\u00e4sserung in undurchsichtige Einzellfallentscheidungen. Im Einzellfall ist das Gewissen des Menschen entscheidend. Das sch\u00f6ne am Glauben ist, dass alle (Oben wie Unten) die (fast) gleichen \u00dcberzeugungen teilen. Aus unterschiedlicher Kenntnis des Glaubens heraus kann es durchaus Unterschiede geben.&nbsp; Was wom\u00f6glich fehlt, ist die Verbindung zwischen A und B. Wie l\u00e4sst sich das Prinzip ins Leben umsetzen und welche Probleme gibt es in der Praxis, die durch das Prinzip nicht abgedeckt sind? Hier w\u00e4ren die Seelsorger, die Bisch\u00f6fe und das Kirchenvolk &#8211; alle drei &#8211; gefragt. Egal auf welche Seite oder Spitze das Dreieck gedreht wird. Es bleibt ein Dreieck. Vom Versetzen der Sch\u00fctzengr\u00e4ben ist noch kein Frieden geschlossen worden. Die Gemeinsamkeiten zu betonen ist n\u00fctzlicher, als auf&nbsp; den Unterschieden zu reiten&#8230;<\/li>\n<li>Was soll man dazu noch sagen? Als der jetzige Papst den rechten Fl\u00fcgel wiedereingliedern und zu den Ostkirchen (Schwesternkirchen) die Tore aufsto\u00dfen wollte, haben die meisten gemeckert. Dabei war dieser Schritt noch der einfachere. Parallel dazu gibt es die Zen-Meister in (meist deutschen) Benediktiener-Kl\u00f6stern. Die Charismatiker haben auch ihren festen Platz in der Kirche. Die Mystik und die religi\u00f6se Symbolik (als Gegenst\u00fccke zum Intellekt) scheinen recht stark und in verschiedenen Richtungen innerhalb der Kirche ausgepr\u00e4gt zu sein. Was meint denn der Mann also? Dann ist es egal wie man den Dreieck kippt und welches Eck wohin gedreht wird. Die Neudefinition von Verteidigungslinien hat noch keinen Krieg beendet.<\/li>\n<li>Die Kirche muss den Menschen in seiner Sprache ansprechen. Genau dies sagt auch das II. Vatikanische Konzil. Das Problem der Vermittlung ist, dass man eine gemeinsame Sprache spricht, die beide verstehen und die nichts wesentliches ausl\u00e4sst. Das kann oft nur mit Kunstbegriffen geschehen, wie sie in Thesauri und Normdateien oder Fachsprachen vorkommen. Vor gleichem Problem steht der Gesetzgeber oder ein B\u00fcrger, der einen Vertrag unterschreibt, ohne den Wortlaut \u00fcberhaupt verstanden zu haben. Manchmal geht es eben nicht einfacher. Deshalb ist es wichtig, dass der Glaubende seinen Glauben auch richtig kennen lernt. Religionsunterricht und Katechismus sind die Mittel dazu.&nbsp; Ich kann mich sehr wohl daran erinnern, wie schwierig es war, die langen S\u00e4tze mit Worth\u00fclsen auswendig zu lernen. Mit den Fremdsprachen, Geschichte und Biologie ging es auch nicht anders. Heute verstehe ich die Zusammenh\u00e4nge und die Bedeutung. Aus meiner Sicht: Weiterbildung und Interesse auf der einen Seit und eine bessere homiletische Ausbildung auf der anderen Seite sind genauso wichtig.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Geld f\u00fcr dieses Buch sollte man lieber sparen und der Caritas schenken. Was soll man schon von einem Buch erwarten, das schon den Titel v\u00f6llig einfallslos kopiert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie &#8222;Deutschland schafft sich ab&#8220; gelesen? Und &#8222;Schafft sich die Kirche ab?&#8220; ? Nein? Nicht schlimm. 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