{"id":870,"date":"2012-06-14T22:59:22","date_gmt":"2012-06-14T20:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=870"},"modified":"2012-06-14T22:59:22","modified_gmt":"2012-06-14T20:59:22","slug":"das-loch-im-ganzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/870\/das-loch-im-ganzen","title":{"rendered":"Das Loch im Ganzen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Berufe, von denen ein Pole behaupten w\u00fcrde, sie best\u00e4nden darin, ein &#8222;Loch im Ganzen&#8220; zu suchen. Dazu z\u00e4hlt man \u00fcblicherweise die Frauenbeautragte oder die Datensch\u00fctzer. Diese Berufe haben ein Merkmal gemeinsam: sie w\u00fcrden die Berechtigung ihrer eigenen Existenz anzweifeln, wenn sie behaupten w\u00fcrden, es ist alles in Ordnung&#8230;<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Es mag vielleicht den einen oder anderen Leser verwundern, was ich beobachtet habe. Daf\u00fcr kann ich nichts: Weder f\u00fcr die beobachteten Personen und ihr Tun noch f\u00fcr die Ergebnisse des Vergleichs. Ich m\u00f6chte meine neuen Erkenntnis gerne zur Diskussion stellen.<\/p>\n<p>Wer kritisiert bekommt mehr Aufmerksamkeit und Vertrauen als jemand der etwas erarbeitet hat. Und das selten zu recht! Es ist sehr gut an der Politik und den Medien zu beobachten. Die Regierung will dies oder jenes machen. Noch steht nur eine Idee im Raum, schon halten die Journalisten die Mikrofone den Politikern ins Gesicht. Man sucht ein Thema, welches man aufblasen kann. Eine geordnete und sachliche Vorgehensweise st\u00f6rt auch die ARD-Reporter. Diese haben meiner Beobachtung nach sowieso eine leichte gr\u00fcn-rote Schlagseite (jedenfalls wenn man statistisch die H\u00e4ufigkeit und die Dauer der verschiedenen Parteien in den Polit-Magazinen grob erfasst). So lassen wir uns viel zu oft unkritisch von den Medien berieseln (und uns unsere Meinung sagen). <\/p>\n<p>Das hat schon Neil Postman festgestellt. Je leichter konsumierbar ein Medium ist, umso st\u00e4rker wird es genutzt. Je mehr es genutzt wird, desto banaler werden die Inhalte und ihre Aussagen weniger hinterfragt. Je unkritischer wir Inhalte konsumieren, desto beeinflussbarer sind wir, ohne es selber zu merken. Denken sie bitte an das Wort &#8222;Herdpr\u00e4mie&#8220;. Sie denken sicher nicht an eine Verg\u00fcnstigung beim Einkauf eines Elektroherds, richtig? Und wie hei\u00dft die richtige Bezeichnung? &#8222;Betreuungsgeld&#8220; vielleicht?<\/p>\n<p>Das merkante (fast marzialisch anmutende) Wort ist eine Verunglimpfung einer gar nicht so schlechten Idee. Wegen 100\u20ac l\u00e4sst sich niemand von der Arbeit abhalten, die ihm 1000\u20ac bringen k\u00f6nnte. (Das Argument vom Abhalten junger gut ausgebildeter Frauen von der Arbeitswelt ist meiner Kenntnis nach ein M\u00e4rchen aus dem Feministinenland.) Es ist ein Bonus f\u00fcr diejenigen, die gerade ein j\u00fcngeres Kind daheim betreuen. Was ist dagegen zu sagen, wenn Kinder bei der Mutter bleiben? Gegen eine gesamtgesellschaftliche Sozialisation junger B\u00fcrger ist nichts zu sagen aber es muss nicht immer der Kindergarten sein. (Auch diese Einrichtungen bilden nicht die Realit\u00e4t dieser Gesellschaft ab &#8211; wie man z.B. an der KiTa f\u00fcr Kinder von Mitarbeitern der Universit\u00e4t des Saarlandes zu beobachten kann.) Und die 100\u20ac Bonus k\u00f6nnen Familien in der\u00a0 Erziehungszeit gut gebrauchen. Vielleicht st\u00f6rt es die Urheber dieses menschenabwertenden Wortes, dass andere mehr als ein Kind haben wollen&#8230; Und Langzeitarbeitslose haben sowieso nichts davon. Also werden diese f\u00fcr das Zuhausebleiben auch nicht belohnt. Wo liegt also das Problem?<\/p>\n<p>Diese Anklage, man w\u00fcrde Frauen an den Herd anketten wollen, h\u00f6rt sich so gut an, dass man gerne gegen dieses Gesetz ist. In Wirklichkeit schenkt man fast naiv sehr viel Vertrauen denjenigen, die ihre entw\u00fcrdigende Haltung mit Scheinargumenten begr\u00fcnden. Es ist schon toll, wenn man ein Loch im Ganzen gefunden hat! Man glaubt, mit einem Vorwurf die alten (vorwiegend m\u00e4nnlichen konservativen) Politiker als \u00dcbelt\u00e4ter darstellen zu k\u00f6nnen. Dabei schadet man nur Familien mit mehreren Kindern. (Und auf die sind wir statistisch gesehen jedenfalls sehr angewiesen.)<\/p>\n<p>Der Ankl\u00e4ger genie\u00dft in den meisten F\u00e4llen mehr Vertrauen als sein Gegner. Jemandem L\u00fcge zu unterstellen, erfordert Mut. (Eine als positiv wahrgenommene Eigenschaft.) Wir glauben Menschen, die sich trauen, etwas angeblich Verschwiegenes oder Benachteiligendes zu enth\u00fcllen. Wir suchen nach Informationen, die wir aus erster Hand nicht zu bekommen glauben. Wenn etwas f\u00fcr uns selbst dabei nachteilig sein k\u00f6nnte, folgen wir diesen Personen viel einfacher. Das nutzen nat\u00fcrlich die Medien aus. Beispiele? Vati-Leaks (man erf\u00e4hrt Geheimes aus dem Vatikan) oder Verbraucher- und Politik-Magazine. Ich denke, diese unsere Haltung (ein Loch im Ganzen zu suchen) ist eine Begleiterscheinung des gesunden Misstrauens.<\/p>\n<p>Ich warte auf den Tag, an dem die erste Frauenbeauftragte wegen mangelnder Arbeit selber k\u00fcndigt oder die eigne Beh\u00f6rde abschafft. Das wird nie passieren. Es wird immer etwas zu kritisieren geben. Und solange man nur die Sichtweise eines Bev\u00f6lkerungsteils vertreten muss, braucht man auch keine L\u00f6sung zu pr\u00e4sentieren, die allen Beteiligten n\u00fctzt. Hier kann man sich nach belieben austoben und genie\u00dft als Ankl\u00e4ger erst einmal einen Vertrauensvorschuss. Man kann z. B. als Feministin unbestraft andere Frauen als Geb\u00e4rmaschinen bezeichnen. W\u00fcrde dies ein Mann sagen, h\u00e4tte man ihn wahrscheinlich l\u00e4ngst gesteinigt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Berufe, von denen ein Pole behaupten w\u00fcrde, sie best\u00e4nden darin, ein &#8222;Loch im Ganzen&#8220; zu suchen. Dazu z\u00e4hlt man \u00fcblicherweise die Frauenbeautragte oder die Datensch\u00fctzer. Diese Berufe haben ein Merkmal gemeinsam: sie w\u00fcrden die Berechtigung ihrer eigenen Existenz anzweifeln, wenn sie behaupten w\u00fcrden, es ist alles in Ordnung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[3,7],"tags":[43,44,151],"class_list":["post-870","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-informationswissenschaft","category-politik","tag-gerechtigkeit","tag-gesellschaft","tag-politik","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=870"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/870\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}