{"id":852,"date":"2012-04-26T23:24:16","date_gmt":"2012-04-26T21:24:16","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=852"},"modified":"2012-04-26T23:24:16","modified_gmt":"2012-04-26T21:24:16","slug":"wie-bose-doch-die-piraten-sind-man-schalte-nur-die-ard-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/852\/wie-bose-doch-die-piraten-sind-man-schalte-nur-die-ard-ein","title":{"rendered":"Wie b\u00f6se doch die Piraten sind&#8230; Man schalte nur die ARD ein."},"content":{"rendered":"<p>Es wundert mich sehr, dass diejenigen, die selber vom (sozusagen) &#8222;geschenkten&#8220; Geld Fernsehen machen, uns (den Spendern) die Rechte daran nicht gew\u00e4hren wollen. Es wundert mich jedoch nicht, dass sie als Rechteinhaber auf einmal den Schulterschluss mit Patentanw\u00e4lten oder Besitzern des sog. geistigen Eigentums \u00fcben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Plusminus <\/strong>hackt ohne einen Tropfen Selbstkritik auf der Piratenpartei herum. Die b\u00f6sen Jungs wollen den Hunderten von Patentanw\u00e4lten die Lebensgrundlage entziehen. Und die Erfinder k\u00f6nnen von ihren Erfindungen gar nicht mehr leben&#8230; Als Beispiel f\u00fcr Patente werden zwei Dinge vorgef\u00fchrt: Eine Trag-Klemme f\u00fcr offene S\u00e4cke und Hubschrauber-Stabilisierungs-Computer. Erstes ist eher ein Patent, welches man um 1912 vermuten w\u00fcrde. Praktisch aber nicht gerade umwerfend. Das Zweite &#8211; eine enorme intellektuelle Leistung, die ich bewundere.<\/p>\n<p>Was nicht erw\u00e4hnt wurde, sind Hunderte von absolut trivialen Patenten wie &#8222;der Doppelklick&#8220;, die absolut unn\u00fctz sind &#8211; au\u00dfer f\u00fcr die Besitzer (sog. Patent-Trolle). Sie nutzen es, um Geld von gro\u00dfen Unternehmen zu erpressen. (Sie setzen es nur dort ein, wo Geld zu finden ist &#8211; meist sehr inkonsequent und unfair.) Auch die Patent-Kriege wie zwischen Apple und Samsung oder Oracle und Google bleiben unerw\u00e4hnt. In diesem Sinne behindern Patente die Entwicklung sogar, weil man bei jeder Kleinigkeit bef\u00fcrchten muss, dass man wegen unerlaubter Nutzung von patentierten Verfahren verklagt werden kann. (Ja, auch wenn man selbst auf ein solches Verfahren kam!) Patente sind f\u00fcr die Zukunft der Technik das gleiche, wie Atombomben f\u00fcr und die Menschen im XX. Jahrhundert&#8230;<\/p>\n<p>Wenn man an Medikamente denkt, muss man sehr wohl bedenken, dass die Entwicklung und Zulassung Millionen kosten kann (auch wenn es nicht immer so ist). Ein Patent w\u00e4re das richtige Mittel &#8211; denkt man. Doch man kann sich einen Wirkstoff zeitversetzt nach und nach f\u00fcr weitere Krankheiten oder Behandlungweisen sch\u00fctzen lassen: Jahrzehnte lang. Man kann so locker das zehnfach oder hundertfache der Investitionskosten verdienen.<\/p>\n<p>Ein Patent als &#8222;geistiges Eigentum&#8220; entzieht sich interessanterweise der sonstigen Nutzung des Eigentums in F\u00e4llen von Lebensbedrohung. Steht ein Mensch im Flammen, darf man der Gattin des Ministers ihren Pelzmantel entreissen, um die Flamen zu ersticken und das Leben des Betroffenen zu retten. Bei Medikamenten soll das aber nicht gelten? Man l\u00e4sst Tausende an einer Seuche elendig verkommen, weil sie nicht das Geld f\u00fcr die \u00fcberh\u00f6hten Preise aufbringen k\u00f6nnen. ACTA sollte sicherstellen, dass auch keine Generika importiert werden k\u00f6nnen. Eine sehr eigenwillige Auslegung des Wortes &#8222;Eigentum&#8220;. (Ich wei\u00df nicht, von dem das Wort stammt, aber ich bewundere denjenigen, der gesagt hat: &#8222;Eigentum verpflichtet.&#8220;)<\/p>\n<p>Einen Tag nach Plusminus sendet <strong>Monitor <\/strong>ein Lamento (zu deutsch &#8222;Klagelied&#8220;) dar\u00fcber, wie die b\u00f6sen Piraten die K\u00fcnstler berauben wollen. Man versucht, die Widerspr\u00fcche der Piraten auf Basis pers\u00f6nlicher Einsch\u00e4tzungen auszuarbeiten. Andererseits verwickelt man sich selbst in Widerspr\u00fcche. Die arme Band, die bis vor wenigen Monaten nicht von ihrer Musik leben konnte&#8230; Haben wir nicht Kapitalismus im Lande? Leistungen, die nicht gebraucht werden, bezahlt eben keiner. Das ist jedem Musiker klar. Das Problem steckt jedoch viel tiefer &#8211; f\u00fcr den Durchschnittsverbraucher fast unsichtbar. Es sind die Unmengen an Managern und Produzenten bzw. die Vorst\u00e4nde der riesigen Plattenfirmen, die die Musiker schr\u00f6pfen. (Die Musiker und Tontechniker sind bis auf wenige Ausnahmen &#8211; die man \u00fcblicherweise als Stars bezeichnet &#8211; eher keine Gewinner innerhalb der Musikindustrie.)<\/p>\n<p>Warum soll das Verk\u00fcrzen der Schutzfrist auf 10 Jahre nach dem Tod des Autors gleich alle Schriftsteller und Verlage in den Ruin treiben? Wer mit 30 ein tolles Buch geschrieben hat, mit 80 stirbt und noch 70 Jahre nach dem Tod an den Verlagsvertrag gebunden ist, hat dem Verlag 120 Verwertungsjahre beschert. Ist das nicht ein Irrsinn? Je nach Vertrag kann die Aussch\u00fcttung nur einmalig stattfinden, so dass die Nachkommen nichts von der langen Frist haben oder anteilig. (Dann profitieren die Nachkommen, ohne dass sie daf\u00fcr etwas getan haben. Es sei ihnen geg\u00f6nnt, wenn sie darauf Erbschaftssteuer zahlen w\u00fcrden.)<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem ist wieder das Wort &#8222;Eigentum&#8220;. Den Besitz kann ich jemandem stehlen, so dass er keinen Zugriff mehr darauf hat. Beim Kopieren ist das jedoch nicht der Fall. Es gibt sicher eine Urheberschaft, eine geistige Sch\u00f6pfung oder eine geistige Vaterschaft. Wie sie ausgestaltet wird, darf sich aber nicht am Beispiel des Nachbarn mit seinem BMW orientieren. So ist es denkbar, nur die kommerzielle Nutzung und Verbreitung der erschaffenen Werke mit Lizenzen zu regeln. (Ich zahle f\u00fcr nervige Ohrw\u00fcrmer keinem Musiker auch einen Cent. Ich besitze und nutze sie in meinem Gehirn ungewollt, k\u00f6nnte sie rein theoretisch nachsingen oder nachspielen&#8230; Sobald es nicht mehr in meinem Kopf ist, sonder auf der Festplatte m\u00fcsste ich daf\u00fcr zahlen!) Warum sollen Kinderg\u00e4rten zahlen, nur weil die Kinder beim Fest das Schlumpflied singen wollen? Bei Radiosendern oder Filmen, in den Vorhallen der Autoh\u00e4user oder in der Disco kann man es durchaus verstehen.<\/p>\n<p>Die r\u00fcckw\u00e4rts gewandten Redakteure der ARD wurden von den einflussreichen Lobbyisten der Musikindustrie oder der Patentindustrie in ihren (wie immer) unabh\u00e4ngigen Recherchen wom\u00f6glich auf Schritt und Tritt gut unterst\u00fctzt. So empfinde ich jedenfalls das Ergebnis. Statt auf die Kollegen der BBC zu schauen oder an die Grundlagen des Problems zu gehen, wird hier und da etwas an der Oberfl\u00e4che der Wirtschaftlichkeit gekratzt. Arm und billig.<\/p>\n<p>Eine viel differenziertere Sicht der(selben) Dinge bietet z. B. das <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/interview_dlf\/1735113\/\">Deutschlandradio<\/a>. Hier wird das Urheberrecht nicht als von Gott gegebenes und zu verteidigendes Gut angesehen. Es gibt sehr viel Raum f\u00fcr die Ausgestaltung. Es liegt eben an uns, dies zu tun. Die Piraten sind das Sprachrohr derjenigen, die eine Reform w\u00fcnschen. Keine M\u00f6rder der deutschen Wirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wundert mich sehr, dass diejenigen, die selber vom (sozusagen) &#8222;geschenkten&#8220; Geld Fernsehen machen, uns (den Spendern) die Rechte daran nicht gew\u00e4hren wollen. 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