{"id":847,"date":"2012-04-05T20:05:03","date_gmt":"2012-04-05T18:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=847"},"modified":"2012-04-05T20:05:03","modified_gmt":"2012-04-05T18:05:03","slug":"die-passion-jesu-eine-perverse-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/847\/die-passion-jesu-eine-perverse-geschichte","title":{"rendered":"Die Passion Jesu &#8211; eine perverse Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Unter &#8222;Perversion&#8220; hat Wikipedia einen recht kurzen Eintrag. Wem muss man denn dieses Wort noch erkl\u00e4ren? &#8211; fragen Sie sich vielleicht &#8211; Und was hat das mit der Passion unseren Herrn zu tun?<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Nun. Das Wort selbst wurde auf das Gebiet der Moral &#8211; vor allem der Sexualmoral &#8211; eingeschr\u00e4nkt. Eigentlich bedeutet der lateinische Begriff &#8222;<a href=\"http:\/\/www.latein-deutsch-woerterbuch.de\/verb\/pervertere.html\">pervertere<\/a>&#8220; umkehren, umdrehen, umwerfen. Mit anderen Worten &#8222;pervers&#8220; ist etwas, wenn es (grund-)verkehrt ist.<\/p>\n<p>In der Leidensgeschichte Jesu &#8211; wenn man die Hintergr\u00fcnde etwas genauer anschaut &#8211; ist alles verkehrt. Ein Unschuldiger muss sterben, weil er Wahrheit sagt &#8211; weil er von sich genau das behauptet, was er auch ist.<\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt schon an, als die Zw\u00f6lf nach dem Paschamal ihren Rabbi begleiten. Statt zu wachen oder sich um ihn Sorgen zu machen, wie sie es fr\u00fcher taten (als sie die Menschen von ihm fern halten wollten) schlafen sie in aller Seelenruhe. Und kurz darauf der Kuss. Das Zeichen der Freundschaft und der Vertrautheit wird zum Zeichen des Verrats. Es kommt aber noch schlimmer: Petrus &#8211; die &#8222;Rechte Hand&#8220; will von seinem Meister nichts wissen. Eine seltene und schmerzhafte Erfahrung: aus einer Geborgenheit im Kreis der Freunde unter anderem durch diese an die Feinde ausgeliefert und alleine gelassen zu werden.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdischen Schriftgelehrten, die zu damaliger Zeit zerstritten waren und um die Macht konkurrierten, haben (bis auf kleine Gruppen von Aufst\u00e4ndischen) weitgehend Frieden mit Rom geschlossen. Dabei glaubten sie an einen m\u00e4chtigen K\u00f6nig, den Jahwe h\u00e4tte senden sollen (den Messias). Die schlimmen Erfahrungen des Exils und der Fremdherrschaft pr\u00e4gten das Denken sehr stark. So scheint es unm\u00f6glich, dass sie Jesus an Pilatus ausliefern und eine Kreuzigung fordern, indem sie sagen &#8222;Dieser behauptet, er w\u00e4re ein K\u00f6nig und wir haben keinen K\u00f6nig au\u00dfer C\u00e4sar!&#8220;.<\/p>\n<p>Bei den Hohepriestern versucht man ihn mit Hilfe von gekauften falschen Zeugenaussagen (nach Talmut verboten) als schuldig darzustellen. Als diese nicht \u00fcbereinstimmen, wird eine strafbare Aussage von Jesus provoziert &#8211; nur dass sie bei ihm nicht strafbar sein kann. &#8222;Ich bin der Sohn Gottes&#8220; soll als Gottesl\u00e4sterung ausgelegt werden. Die Strafe (die Steinigung) wollen die Beteiligten aber nicht auf sich nehmen. Sie \u00fcbergeben Jesus an den obersten r\u00f6mischen Verwalter, wollen ihm aber nicht einmal die Hand sch\u00fctteln, um vor dem Fest nicht unrein zu werden. Pilatus wei\u00df genau, dass die Sache &#8222;stinkt&#8220;. Er versucht Jesus (den er f\u00fcr unschuldig h\u00e4lt) zu retten. Zuerst \u00fcber die Freilassung auf Wunsch des Volkes zu Pascha-Fest. Leider muss er dadurch einen R\u00e4uber und M\u00f6rder laufen lassen. Dann versucht er mit der Auspeitschung. Doch er darf keinen dulden, der sich K\u00f6nig nennt. So springt er &#8211; gegen das eigene Gewissen &#8211; auf die Argumentation der Hohepriester auf und schlie\u00dft dabei noch eine Freundschaft mit seinem \u00e4rgsten Feind Herodes. So pervers k\u00f6nnen Menschen sein: gegen das eigene Gewissen und f\u00fcr die Sicherung des eigenen Status sind sie bereit, andere Menschen sterben zu lassen.<\/p>\n<p>Viele weitere Details sind in dieser Kreuzigung anders als sonst. So wird die Tafel mit der Angabe der Schuld &#8222;Jesus von Nazaret, K\u00f6nig der Juden&#8220; angefertigt. Ein &#8222;amtliches Zeugnis&#8220; best\u00e4tigt sozusagen die Worte Jesu und erkl\u00e4rt ihn zum K\u00f6nig. Ein r\u00f6mischer Soldat erkennt im Tod des Rabbi seine wahre Existenz: &#8222;Dieser war Sohn Gottes&#8220;. (Was die Juden leugnen, erkennt ein Heide &#8211; unglaublich!) Unter dem Kreuz stehen nicht etwa die zw\u00f6lf M\u00e4nner. Nein, da sind vor allem Frauen vertreten. (Der erste Mensch, der Jesus auferstanden sieht, ist ebenfalls eine Frau. Da m\u00fcssen die Apostel aber ganz sch\u00f6n besch\u00e4mt gewesen sein.)<\/p>\n<p>Der eigentliche Sinn der Passion ist auch eine Perversion: Im Kreuz ist Leben. Jesus mit seinen zwei Naturen: der g\u00f6ttlichen (ewigen und unsterblichen) und der menschlichen (sterblichen und schwachen) muss als Unschuldiger sterben. Dabei ist der Tod die Folge (keine von Gott aufgestellte Strafe &#8211; wie oft f\u00e4lschlich geglaubt wird) von S\u00fcnde. Ohne eine S\u00fcnde nimmt er die Folge f\u00fcr diese auf sich. Er l\u00e4sst sich sozusagen vom Satan in den Tod treiben. Der teuflische Hass gegen Gott kennt keine Grenzen. Von dieser Haltung gepr\u00e4gt bringt dieser zun\u00e4chst Judas, dann die Hohepriester, das Gottesvolk Israel, den Pilatus und die r\u00f6mischen Soldaten dazu, Jesus nach menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben zu vernichten. Dabei wird der Teufel das Opfer seines blinden Hasses: Jesus nimmt mit seiner Auferstehung dem Tod seinen Schrecken und dem Satan, die Macht \u00fcber die S\u00fcnder. Ja, in gewisser Weise war der Mitwirkung des Teufels n\u00f6tig, um ihn selbst zu besiegen.<\/p>\n<p>Aus dem Tod wird Leben. Aus der Vernichtung ein Sieg. Aus Verstrickung in Schuld Freiheit.<\/p>\n<p>Eine unglaublich perverse Geschichte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter &#8222;Perversion&#8220; hat Wikipedia einen recht kurzen Eintrag. Wem muss man denn dieses Wort noch erkl\u00e4ren? &#8211; fragen Sie sich vielleicht &#8211; Und was hat das mit der Passion unseren Herrn zu tun?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[56,77,92,111],"class_list":["post-847","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-philosophie-und-religion","tag-karfeitag","tag-passion","tag-religion","tag-tod","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=847"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/847\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}