{"id":844,"date":"2012-03-13T22:18:15","date_gmt":"2012-03-13T20:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=844"},"modified":"2012-03-13T22:18:15","modified_gmt":"2012-03-13T20:18:15","slug":"wie-asozial-sind-soziale-netzwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/844\/wie-asozial-sind-soziale-netzwerke","title":{"rendered":"Wie asozial sind soziale Netzwerke?"},"content":{"rendered":"<p>Warum nennen wir eigentlich Facebook, Twitter &amp; Co. \u00a0sozial? Wenn &#8222;sozial&#8220; eine allgemeine Teilnahme bedeutet, dann m\u00fcssten Stra\u00dfenkehren, Wahlen oder Streiks auch sozial sein. Verstehen wir &#8222;sozial&#8220; als &#8222;Second Life&#8220; unserer Gesellschaft, dann f\u00fchren wir dort ein seltsames Leben: ohne unsere Gro\u00dfeltern und unsere Kinder. Zu &#8222;Freunden&#8220; werden Menschen, die wir auf der Stra\u00dfe nicht einmal immer gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist unerkl\u00e4rlich, dass <a title=\"Die Mehrheit traut Facebook nicht\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Studie-90-Prozent-der-deutschen-Web-Nutzer-hegen-Bedenken-gegen-Facebook-1357778.html\" target=\"_blank\">90% der Nutzer von Facebook nichts vom Datenschutz des Unternehmens<\/a> halten und gleichzeitig geben sie st\u00e4ndig neue Daten ein. (Am meisten regt mich pers\u00f6nlich auf, dass die selbsternannten H\u00fcter des Heiligen Graals des Journalismus &#8211; die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender gerade bei dieser <a title=\"Nichtmitglieder im Visier von Facebook\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Was-Facebook-ueber-Nicht-Mitglieder-weiss-921350.html\" target=\"_blank\">Datenkrake<\/a> zu jeder Sendung eine Seite gr\u00fcnden.)\u00a0 Auch <a title=\"Facebook ist ein Risiko\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/digital\/internet\/facebook\/bundesverfassungsgericht-vosskuhle-warnt-vor-der-sammelwut-von-facebook_aid_681745.html\" target=\"_blank\">die Warnrufe des Vorsitzenden des Bundesverfassungsgerichtes<\/a> verhallen ungeh\u00f6rt. <a title=\"Schluss mit Freundefindern!\" href=\"http:\/\/www.magnus.de\/news\/verbraucherschuetzer-siegen-vor-gericht-gegen-facebook-freundesuche-1257065.html\" target=\"_blank\">Andererseits regen sich alle auf, dass man Daten \u00fcber sie sammelt<\/a> und verarbeitet (und das oft zurecht). Wie passt das zusammen?<\/p>\n<p>Ich vermute, dass wir bei dem weichen und so smarten Begriff &#8222;sozial&#8220; an das Rote Kreuz oder die Errungenschaft der Arbeiterbewegung denken. Nicht an &#8222;Internetblase&#8220;, &#8222;\u00dcberwachung&#8220;, &#8222;Eitelkeit&#8220; oder &#8222;Realit\u00e4tsflucht&#8220;. Was ist am &#8222;Profit mit fremder h\u00e4nder Arbeit&#8220; oder einer realit\u00e4tsfernen &#8222;Selbstdarstellung&#8220; sozial? Warum soll Twitter oder Google+ der Gesellschaft n\u00fctzlich sein?<\/p>\n<p>Die Internetnetzwerke sind an sich nicht schlechtes. Sie sind ein weiteres Kommunikationsmedium, welches sich aus Foren, Mailinglisten und Newsfeeds in einer Evolution &#8222;ergab&#8220;. Mit anderen Worten ein weiteres Kanal f\u00fcr Informationen zwischen einzelnen wie mehreren Teilnehmern: bidirektional und multimedial &#8211; alles an einem Ort. Dies kann sehr n\u00fctzlich sein, wie die ersten Fahndungserfolge \u00fcber Facebook beweisen. Schlimmer wird es, wenn ein Netzwerk von Nachbarn an einem Fahndungsbild (egal wo) einen neuen Mitbewohner als P\u00e4dophilen zu erkennen glaubt. Dann gl\u00fchen die Online-Pranger!<\/p>\n<p>Bei allen Vorteilen, die die Kommunikation \u00fcber so ein <a title=\"\u201cMedienreichhaltigkeit\u201d oder warum es so viele E-Mails braucht\u2026\" href=\"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/688\/informationsreichhaltigkeit-oder-warum-es-so-viele-e-mails-braucht\" target=\"_blank\">&#8222;reiches&#8220; Medium<\/a> bietet, soll auch der kritische Blick von Neil Postman nicht fehlen. Die Kritik k\u00f6nnen wir dem Kapitel \u00fcber die Erfindung des Telegraphen entnehmen: Je unvollst\u00e4ndiger und unverbndlicher ein Kommunikationskanal wird, umso banaler wird in gro\u00dfen Mengen berichtet. Irgendwann verstopft dieses Kanal (die Aufnahmef\u00e4higkeit des\/r Leser ist eben begrenzt). Das Wichtige und das Unwichtige prallt auf einen Leser ein, der nicht mehr wei\u00df, was er noch wahrnehmen soll&#8230;<\/p>\n<p>Die ersten Beobachter sprechen schon vom Platzen der &#8222;<a title=\"\u00dcber den Artikel im Internet Magazin (04\/12) auf t3n.de\" href=\"http:\/\/t3n.de\/news\/social-media-blase-platzt-na-374306\/\" target=\"_blank\">Social-Media-Blase<\/a>&#8220; in den n\u00e4chsten Jahren. Am besten hat mir jedoch die \u00c4u\u00dferung von Bernhard Strohm im <a title=\"Internet Magazin- Webseite\" href=\"http:\/\/www.internet-magazin.de\/\" target=\"_blank\">Internet Magazin<\/a> gefallen. Der Tenor: &#8222;Facebook ist Unterhaltung auf Bierzeltniveau.&#8220; Ja, das passt! Vom G+ kann ich das nicht sagen. Auch da kann man sich mit Informationsm\u00fcll zusch\u00fctten lassen (diese M\u00f6glichkeit steht jedem frei) oder an digitalen Stammtischdiskussionen \u00fcber die Kosten des Papstbesuches beteiligen (muss man aber nicht!). Mangels sog. Write-API, \u00fcber welche die Marketing-Abteilungen mit einem Klick ihre Leser mehrfach in der Woche mit Informationsabf\u00e4llen versorgen, ist der Aufwand h\u00f6her und die Beitr\u00e4ge etwas &#8222;echter&#8220;als in Facebook. Dies kann nicht zuletzt auch daran liegen, dass die Beitr\u00e4ge im Google+ gerne l\u00e4nger sein d\u00fcrfen und das Publikum genau das erwartet (Klasse statt Masse).<\/p>\n<p>Wenn Neil Postman heute leben w\u00fcrde, w\u00fcrde er nur bloggen. Und wenn er einmal nicht ganz so kritisch w\u00e4re, w\u00fcrde er sich aus Neugier vielleicht G+ oder die <a title=\"Das OpenSource-Netzwerk\" href=\"http:\/\/friendica.com\/\" target=\"_blank\">Friendica<\/a> mal genauer anschauen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum nennen wir eigentlich Facebook, Twitter &amp; Co. \u00a0sozial? Wenn &#8222;sozial&#8220; eine allgemeine Teilnahme bedeutet, dann m\u00fcssten Stra\u00dfenkehren, Wahlen oder Streiks auch sozial sein. 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