{"id":807,"date":"2011-09-22T18:21:46","date_gmt":"2011-09-22T16:21:46","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/807\/ist-der-papst-ein-oko-die-rede-des-heiligen-vaters-vor-dem-bundestag"},"modified":"2011-09-22T18:21:46","modified_gmt":"2011-09-22T16:21:46","slug":"ist-der-papst-ein-oko-die-rede-des-heiligen-vaters-vor-dem-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/807\/ist-der-papst-ein-oko-die-rede-des-heiligen-vaters-vor-dem-bundestag","title":{"rendered":"Ist der Papst ein \u00d6ko? Die Rede des Heiligen Vaters vor dem Bundestag."},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Heimweg h\u00f6rte ich im Radio den folgenden Satz (in etwa) &#8222;Der Heilige Vater outete sich als \u00d6ko, ohne mit den Gr\u00fcnen zu sympathisieren.&#8220; Ich musste lachen. Es ist vielleicht nicht ganz falsch, aber richtig ist es jedenfalls auch nicht ganz. Da hat jemand etwas aus dem Kontext gerissen bzw. den Kontext gar nicht verstanden.<\/p>\n<p><!--more-->Worum ging es? Der Paps bedankte sich f\u00fcr die Einladung und betonte, dass er als Vertreter des Vatikanstaates zu den Parlamentariern spricht. Zugleich erw\u00e4hnte er auch, dass die Anwesenden ihn auch als eine ethisch-moralische Instanz ansehen. Deshalb sprach er als Politiker (mit moralischer Authorit\u00e4t) zu Politikern. Ins Zentrum seiner Rede stellte er die Frage: &#8222;Woran kann ein Politiker seinen Erfolg messen?&#8220; Die Anwort folgte prompt &#8211; und das aus der Bibel selbst. Am Beispiel Salomos &#8211; des Archetyps eines guten Herrschers &#8211; machte er die Gerechtigkeit und den Frieden als Ma\u00dfstab aus.<\/p>\n<p>Doch wo und wie ist die Gerechtigkeit zu finden? Zun\u00e4chst verwies er auf den Unterschied zwischen Recht (das gottlos und unmenschlich sein kann &#8211; wie im Nationalsozialismus) und der Gerechtigkeit, die in der Natur des Menschen zu suchen w\u00e4re. Dabei war es ihm wichtig, eine uralte philosophische und juristische Tradition ins rechte Licht zu r\u00fccken: die Naturlehre, die auf die alten Griechen zur\u00fcckgeht und von Christen \u00fcbernommen wurde. Man glaube n\u00e4mlich, dies w\u00e4re eine veraltete und nur von den katholiken vertretene Ansicht. Er verwies auf den Positivismus, der den Begriff der Natur &#8222;verr\u00fcckt&#8220; hat: Natur als reine Biologie (Naturalismus, Empirismus bzw. die alleinige Herrschaft der Naturwissenschaften). Im Rechtswesen hat dies eine schlimme Auswirkung: Es wird vom Gesetz nur das Allerschlimste verhindert aber keine erstrebenswerte Ziele vorgegeben. Dies wird in der Verdr\u00e4ngung der Religion aus dem Gro\u00dfen Ganzen in eine Art Subkultur (sozusagen ein Zoo f\u00fcr verschiedene Ansichten).<\/p>\n<p>Genau dieses Irrtum meinte Benedikt XVI. als er die Metapher der \u00d6kologie aufgegriffen hatte. Reines Positivismus f\u00fchrte lange dazu, dass man die Erde und die Umwelt als blo\u00dfes Werkzeug f\u00fcr die Ziele des Menschen mi\u00dfbruchte. Die \u00d6kologie betont hingegen die W\u00fcrde der Erde (der Umwelt mit all&#8216; ihren Wesen) als etwas, was dem Positivismus fremdes aber notwendiges. Er bejaht die \u00d6kologie, weil sie dieses Irrtum in die Schranken weist. Zugleich macht der Papst darauf aufmerksam, dass jede Ansicht von Vernunft gepr\u00fcft werden m\u00fcsse und eine (z.B. \u00f6kologische) Schw\u00e4rmerei sch\u00e4dlich sein kann.<\/p>\n<p>So wie die \u00d6kologie der Erde wieder eine eigene W\u00fcrde gab, so gibt die Religion &#8211; zun\u00e4chst einmal als Prinzip &#8211; und die christliche Naturlehre im besonderem dem Menschen und seinem Zusammenleben \u00fcberhaupt Prinzipien vor. Sie macht aus der ziellos freien Maschine und einem dummen Schwarm einen Menschen und eine Gesellschaft, die gerecht zusammenleben kann.<\/p>\n<p>Es ist nicht die \u00d6kologie als solche, sondern die Wiederentdeckung der &#8222;Seele&#8220; bzw. die neuen Prinzipien, was dem Heiligen Vater so gef\u00e4llt! \u00d6kologie &#8211; und das versteht sich von selbst &#8211; ist dabei eine Denk- und Handlungsweise, die des Geschenkes Gottes &#8211; der Natur &#8211; w\u00fcrdig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Heimweg h\u00f6rte ich im Radio den folgenden Satz (in etwa) &#8222;Der Heilige Vater outete sich als \u00d6ko, ohne mit den Gr\u00fcnen zu sympathisieren.&#8220; Ich musste lachen. Es ist vielleicht nicht ganz falsch, aber richtig ist es jedenfalls auch nicht ganz. 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