{"id":704,"date":"2010-11-15T19:26:05","date_gmt":"2010-11-15T17:26:05","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=704"},"modified":"2010-11-15T19:26:05","modified_gmt":"2010-11-15T17:26:05","slug":"50-jahre-pille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/704\/50-jahre-pille","title":{"rendered":"50 Jahre Pille"},"content":{"rendered":"<p>Ich frage mich, was ich unter diesem Titel im ARTE sehen d\u00fcrfte? Einen Lobpreis auf den Forstschritt oder (was wohl weniger zu Vermuten ist) eine Verteufelung? Ein spontaner Blick ins laufende Programm fasst die Aussage in einer Minute zusammen: Der Chef einer Abtreibungsfabrik beschimpft die vor seinem Geb\u00e4ude protestierenden konservativen Katholiken als Taliban.<\/p>\n<p><!--more-->&#8222;Soo&#8230; Alles klar!&#8220; dachte ich mir und schaltete um. Grabenk\u00e4mpfe a&#8217;la 1. Weltkrieg interessieren mich nicht. Um den Sinn der Sache, scheint sich wohl keiner mehr Gedanken zu machen. Die Pille ist als chemische Substanz weder gut noch schlecht. Wie ein K\u00fcchenmesser: entweder hilfreich beim Kochen oder schlecht in der Hand eines M\u00f6rders. Es kann helfen (fr\u00fcher t\u00f6dlich verlaufende) sog. Problemschwangerschaften zu verhindern oder schlecht, wenn man dem Ehegatten keine Nachkommenschaft schenken will (im Namen des eigenen Egoismus wie Karriere, Sch\u00f6nheit, Geld etc).<\/p>\n<p>Dieser anf\u00e4ngliche Gedanke einer philosophisch anmutenden Ambivalenz wirkt etwas primitiv und naiv. Kant folgend muss man auch die Natur der Sache betrachten. Doch was ist die Natur der &#8222;Pille&#8220;? Ist nicht der Eingriff in die Natur die Natur der Pille? Die Macht und Kontrolle \u00fcber die Natur ist an sich auch nichts schlechtes, wenn man die Natur nicht alleine zum Mittel eines anderen Ziels macht. Zu dieser biologischen Natur geh\u00f6rt, dass jede Spezies um jeden Preis versucht, ihren Fortbestand zu erhalten &#8211; auch wenn das in seltenen F\u00e4llen zur freiwilligen Absto\u00dfung der Schw\u00e4chsten f\u00fchrt (eine Regulierung, die sich fast immer aus den Eigenschaften der Umwelt, dem \u00e4u\u00dferen Zwang, ergibt). Wenn man die L\u00e4nder betrachtet, in denen die &#8222;Pille&#8220; zum Alltag geh\u00f6rt, f\u00e4llt schnell auf, dass diese Gesellschaften nur selten nachhaltig agieren. Diese Populationen sterben (sehr) langsam aus. Eine Begr\u00fcndung f\u00fcr diesen Zustand sucht man seit Jahren vergeblich. Die &#8222;Pille&#8220; (oder allgemein: die Verh\u00fctungsmittel) sind dabei nicht die Begr\u00fcndung, sondern nur Mittel. Ein Ziel f\u00fcr dieses unnat\u00fcrliche Verhalten, welches zugleich der Grund f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen ist, ist nur schwer herauszufinden: Ist es &#8211; wie oft in den konservativen Kreisen behauptet &#8211; die Karriere der Frau? Vielleicht ist es die gute medizinische Versorgung, die fast zu einer Garantie wird, dass jedes Geborene auch erwachsen wird? (&#8230;Was an sich ein in der Natur auch ein seltenes Ph\u00e4nomen ist) Vielleicht ist es der Wunsch nach einem ungest\u00f6rten Leben: reich, ungebunden, ohne Verpflichtungen, auf Kosten anderer im Alter? (Nur am Rande bemerkt: Alle Religionen der Welt r\u00fcgen ein solches Verhalten als asozial. Ist diese Tausende von Jahren alte Weisheit der so falsch?)<\/p>\n<p>Das Verschwinden der V\u00f6lker des Nordwestens der Erdkugel d\u00fcrfte Nationalisten sicherlich gr\u00f6\u00dfere Kopfschmerzen bereiten als mir. Dennoch! Die junge demografische Masse, die von den Statistikern und Rentenversicherungsmathematikern herbeigesehnt wird, ist leider keine tragbare. Junge illegale Einwanderer aus Afrika oder Asien (wo die &#8222;Pille&#8220; nicht eingesetzt wird) bringen kein Reichtum und keine hohe Ausbildung mit, so dass einige wohlsituierte Autochtonen um Ihre Lebensqualit\u00e4t (wegen der Umverteilung) bangen. &#8222;Deutschland schafft sich ab&#8220; ist wohl ein Ausdruck solcher \u00c4ngste und ausf\u00fchrlich genug&#8230; Die &#8222;Pille&#8220; f\u00e4nde in diesem Buch sicherlich auch einen prominenten Platz.<\/p>\n<p>Eine ganz andere Frage stellt sich aus medizinischer Sicht. Seltene Nebenwirkungen sind selten aber sie gibt es auch. Dazu z\u00e4hlt die Embolie, die aus einem jungen M\u00e4dchen bereits nach einer Zigarette ein &#8222;Objekt der Pflege&#8220; machen kann. Auf solchen Folgen der &#8222;Pille&#8220; bleiben die Versicherten sitzen, nicht die Pharmakonzerne. &#8222;Nicht einnehmen&#8220; ist somit f\u00fcr die Patientin immer noch ges\u00fcnder (und f\u00fcr uns Versicherte g\u00fcnstiger) als &#8222;Einnehmen&#8220;, welches mit einer nahezu magischen Kraft der Versch\u00f6nerung der Haut umworben wird. &#8230;Von den Tonnen an hormonell wirksamen Stoffen, die per Urin, Kanalisation und Kl\u00e4ranlagen in unseren immer unfruchtbarer werdenden Flussbewohnern landen, ganz abgesehen&#8230; Ist die Pille sicher ein Gewinn. &#8230;Andererseits&#8230; Die Rache der Natur kommt durch die Hintert\u00fcr: die einen &#8222;wehren sich&#8220; gegen die Nachkommenschaft, die anderen bekommen keine Kinder. Dabei ist die Zahl der zweiten Gruppe &#8211; wenn man den Medienberichten glaubt &#8211; stark steigend. Wir haben eine wirksame &#8222;Anti-Baby-Pille&#8220;. Eine wirksame &#8222;Pro-Baby-Pille&#8220; ist bisher nicht entdeckt worden&#8230; Ironie des Schicksals!<\/p>\n<p>Betreiber eines Verh\u00fctungsmittelmuseums und Besitzer einer Abtreibungsklinik ist per Definitionem kein objektiverer Berater der Frauen als die Konservativen, die vor seinem &#8222;Tempel&#8220; demonstrieren. Unterstellt er diesen Psychoterror an empfindlichen Frauen, muss er sich selbst vorwerfen lassen, dass seine Einf\u00fchlsamkeit in seiner Profitgier den Ursprung hat. Solche extreme Geschichten am Rande des F\u00fcr und Wider blenden ungemein. Sie verstellen den Blick f\u00fcr&#8217;s Wesentliche. Die &#8222;Pille&#8220; kann n\u00fctzlich und positiv sein. Zugleich ist sie eine Waffe, bei deren wenig verantwortlichen Nutzung der Schuss nach hinten los gehen kann bzw. bereits losgegangen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich frage mich, was ich unter diesem Titel im ARTE sehen d\u00fcrfte? Einen Lobpreis auf den Forstschritt oder (was wohl weniger zu Vermuten ist) eine Verteufelung? Ein spontaner Blick ins laufende Programm fasst die Aussage in einer Minute zusammen: Der Chef einer Abtreibungsfabrik beschimpft die vor seinem Geb\u00e4ude protestierenden konservativen Katholiken als Taliban.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie-und-religion","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}