{"id":688,"date":"2010-10-31T23:26:44","date_gmt":"2010-10-31T21:26:44","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=688"},"modified":"2010-10-31T23:26:44","modified_gmt":"2010-10-31T21:26:44","slug":"informationsreichhaltigkeit-oder-warum-es-so-viele-e-mails-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/688\/informationsreichhaltigkeit-oder-warum-es-so-viele-e-mails-braucht","title":{"rendered":"&#8222;Medienreichhaltigkeit&#8220; oder warum es so viele E-Mails braucht&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Das seltsam anmutende Wort &#8222;<a title=\"Definition in der englischen Version von Wikipedia\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Media_richness_theory\">Medienreichhaltigkeit<\/a>&#8220; ist Das Zauberwort, wenn es um den effizienten Informationsaustausch geht. Die von Lengel und Daft entwickelte Theorie fasst in Worte, was die meisten von uns irgendwie schon immer erahnt haben: Hotlines und Callcenter sind ebenso n\u00fctzlich wie hinderlich. Es ist jedoch mehr als das.<!--more--><\/p>\n<p>Die Informationen erhalten wir als Menschen immer auf einem bestimmten Wege. Das kann ein Vier-Augen-Gespr\u00e4ch, eine E-Mail oder ein Telefonat sein. Der Tr\u00e4ger (der Weg) der Information nennt man das Medium. Gesprochene Sprache ist z.B. ein anderes Medium als die geschriebene Sprache. Die Zeichensprache als bewusste Zeichensetzung ist ebenso Tr\u00e4ger von Informationen wie die Anzeichen &#8211; die unbewusst ausgesendete k\u00f6rperliche Signale: die Schamr\u00f6te, der Angstschwei\u00df und das Zittern. Aus dem Tonfall extrahieren wir Wissensteilchen (manche besser, manche schlechter) ebenso wie aus den Handgesten oder einer Kunstsprache. Wir nehmen immer eine Komposition von Medien wahr. Wir interpretieren viele Signale gleichzeitig. So sind wir Menschen eben. Wir k\u00f6nnen das.<\/p>\n<p>Nicht alle Medien eignen sich dazu, bestimmte Informationen zu \u00fcbertragen: Eine Programmiersprache (eine formale Kunstsprache) kann sehr kompakt Abl\u00e4ufe von Programmen beschreiben &#8211; f\u00fcr Gef\u00fchlsausdr\u00fccke ist sie nutzlos (oder eher: ungewollt-lustig, wollte man es tats\u00e4chlich daf\u00fcr einsetzen). Eine emotional geladene Stimme dr\u00fcckt die Freude, Wut oder Trauer des Sprechers perfekt aus.\n<\/p>\n<p>\nDie Medienreichheltigkeitstheorie (&#8222;media richness theory&#8220;) ist sozusagen die Summe des bisher gesagten. Die Verwendung vieler gut geeigneter Medien garantiert eine effiziente Kommunikation. (&#8222;Effizient&#8220; bedeutet hier, dass man in der k\u00fcrzesten Zeit die meisten Informationen \u00fcbertragen kann.) Die Zusammenstellung der Medien<a href='#anmerkung'>*<\/a> ( bezeichnen wir es als &#8222;Kommunikation&#8220;) f\u00fcr den Informationsaustausch kann man an der Skala der Zeit messen. Je k\u00fcrzer die die Zeit desto h\u00f6her die Reichhaltigkeit der Kommunikation.\n<\/p>\n<p>\nAm Beispiel erkl\u00e4rt h\u00f6rt sich das in etwa so an: Ein Arbeitskollege begreift es schneller, wenn er im B\u00fcro neben an arbeitet, als wenn er in einer anderen Stadt sitzt. Kann man sich mit Worten und Gestikulation nicht zum &#8222;Durchbruch&#8220; verhelfen, greift man zu einem Blatt Papier und zeichnet darauf. Das ist in einer E-Mail zwar m\u00f6glich, es fehlt jedoch der R\u00fcckkanal, der den Erfolg der Informations\u00fcbertragung anzeigt. Man muss das Medium \u00f6fter bem\u00fchen. Da eine E-Mail (anders als Gespr\u00e4ch, Chat oder Videokonferenz) kein synchrones und schon gar nicht bidirektionales Medium ist &#8211; kommt die Zeitverschiebung (Zeitverlust) hinzu. Jeder Schritt braucht Zeit und nicht immer von Erfolg gekr\u00f6nt. Ergo: Lange Dauer bis die Information \u00fcbertragen ist und die Best\u00e4tigung der Vollst\u00e4ndigkeit der \u00dcbertragung beim Informierendem angekommen ist ergibt eine schwache Medienreichhaltigkeit.\n<\/p>\n<p>\nDas ist auch die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum komplexe Sachverhalte nichts bei einer Hotline verloren haben. (Hoffentlich kommt diese einfache Wahrheit auch bei den &#8222;Entscheidern&#8220; an.)\n<\/p>\n<p>\nUm die Entscheidung f\u00fcr die richtige Art und Weise des Kommunizierens zu erleichtern, m\u00f6chte ich eine kurze Darstellung m\u00f6glicher Medien und ihrer Eigenschaften vorstellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Formale oder <strong>k\u00fcnstliche Sprachen<\/strong> sind f\u00fcr Beschreibungen in ihrer Dom\u00e4ne immer sehr vorteilhaft: Programmiersprache oder Unified Modeling Language (UML) f\u00fcr Programmabl\u00e4ufe und Datentypen.<\/li>\n<li>Medien, die von <strong>unterschiedlichen Sinnen<\/strong> wahrgenommen werden, k\u00f6nnen sich erg\u00e4nzen: Das Zuh\u00f6ren und das Sehen (w\u00e4hrend man erz\u00e4hlt kann man gleichzeitig Zeichnen und umgekehrt)<\/li>\n<li>Nutzung des <strong>R\u00fcckkanals <\/strong>(bidirektionale Kommunikation): \u00dcber die umgekehrte Richtung kann der Informierende R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber den Fortschritt der \u00dcbermittlung oder \u00fcber die Aufnahmef\u00e4higkeit der zu informierenden Personen bekommen. Das G\u00e4hnen, das Nicken und das Heben der Hand sind wichtige Informationen, um den Informationstransfer effizienter zu gestalten.<\/li>\n<li>Der <strong>Zeitversatz <\/strong>zwischen einzelnen Schritten der Kommunikation m\u00f6glichst kurz halten. So hilfreich f\u00fcr einen Architekten eine technische Zeichnung auch sein kann, das Erstellen einer solchen dauert viel zu lang, wenn man nur eine ungef\u00e4hre Darstellung einer Idee beabsichtigt &#8211; eine Skizze ist daf\u00fcr hingegen perfekt. Ein Chat ist einer E-Mail vorzuziehen, wenn man einen Fehler in der Software schnell mitteilen will (hier ist der R\u00fcckkanal mit drin und der Zeitversatz eher gering)<\/li>\n<li><strong>Je komplexer der Sachverhalt<\/strong>, desto mehr Medien sollten genutzt werden, mit geringem Zeitversatz f\u00fcr den R\u00fcckkanal.<\/li>\n<li><strong>Dokumentation <\/strong>funktioniert am besten in Form von geschriebener Sprache (auch Kunstsprache), einer Zeichnung oder einem Bild. Weniger n\u00fctzlich sind Audio- und Video-Aufnahmen, weil sie oft schlecht scanbar und indexierbar sind &#8211; k\u00f6nnen jedoch als echter \/ wahrheitsgetreuer gelten (z.B. vor Gericht).<\/li>\n<\/ul>\n<p id=\"anmerkung\">\n___________<br \/>\n* Anmerkung: Medienreichhaltigkeit muss man immer auf die Gesamtheit der Medien in einer Kommunikationsart beziehen. Jedes Medium an sich besitzt eine bestimmte Reichhaltigkeit an Informationen. Aber auch die Komposition hat eine Reichhaltigkeit, die nicht immer die Summe der Medien darstellt. (Gesprochene Sprache und Gesten k\u00f6nnen sich gleichzeitig erg\u00e4nzen. Gleichzeitiges Lesen einer E-Mail und Zuh\u00f6ren einem Kollegen w\u00e4re in Summe reichhaltiger, kann von uns aber nur unter Verlusten realisiert werden.) Man m\u00fcsste vielmehr von einer\u00a0 <strong>Informationsdichte der Kommunikationsart <\/strong>sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das seltsam anmutende Wort &#8222;Medienreichhaltigkeit&#8220; ist Das Zauberwort, wenn es um den effizienten Informationsaustausch geht. Die von Lengel und Daft entwickelte Theorie fasst in Worte, was die meisten von uns irgendwie schon immer erahnt haben: Hotlines und Callcenter sind ebenso n\u00fctzlich wie hinderlich. Es ist jedoch mehr als das.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-informationswissenschaft","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=688"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}