{"id":528,"date":"2010-03-17T18:13:47","date_gmt":"2010-03-17T16:13:47","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=528"},"modified":"2010-03-17T18:13:47","modified_gmt":"2010-03-17T16:13:47","slug":"sozialle-forschung-oder-eine-neue-art-des-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/528\/sozialle-forschung-oder-eine-neue-art-des-nationalsozialismus","title":{"rendered":"Soziale Forschung oder eine neue Art des Nationalsozialismus?"},"content":{"rendered":"<p>In Telepolis-Online (Zeitschrift, die vom Heise Verlag herausgegeben wird) berichtet in ihrem <a title=\"Resumee von \u201eSozialhilfe auf f\u00fcnf Jahre begrenzen\u201c  Von Gunnar Heinsohn\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/32\/32272\/1.html\" target=\"_blank\">Artikel mit dem Titel &#8222;Das unwerte Hartz IV-Leben&#8220;<\/a> \u00fcber einen unglaublichen Vorgang und bringt &#8211; aus meiner Sicht &#8211; die betreffende Aussage von Gunnar Heinsohn in seinem <a title=\"\u201eSozialhilfe auf f\u00fcnf Jahre begrenzen\u201c\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0\/Doc~E0AC5A2CD5A6A481EABE50FAE2AEBA30B~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" target=\"_blank\">Artikel in der FAZ<\/a> ganz exakt auf den Punkt. Dieser stellt M\u00fctter und Kinder, die von Harz-IV leben m\u00fcssen als eine Art gesellschaftliches \u00dcbel, welches zu beseitigen gilt.<\/p>\n<p><!--more-->Diskussionen \u00fcber &#8222;gesellschaftliches \u00dcbel&#8220; oder &#8222;unwertes Leben&#8220; kennen wir doch irgendwo her&#8230; War das nicht vor 70 Jahren im Dritten Reich? Die Frage nach dem &#8222;Wert&#8220; war damals wie heute eigenwillig beantwortet: Ein Leben ist nur etwas Wert, wenn es der Gesellschaft n\u00fctzt. Dabei ist die N\u00fctzlichkeit das einzige und oberste Ziel. Die Untersuchungsmethodik ist ebenso verfehlt, wenn auch allgemein sehr popul\u00e4r: \u00dcber 50% der Betroffenen ist gleich Alle (die gute &#8222;statistische Wahrheit&#8220;).<\/p>\n<p>Im FAZ-Artikel werden Menschen, die &#8222;von des Staates Gnaden&#8220; leben als Menschen zweiter Klasse abgetan und die Forderung aufgestellt, mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln diese Menschen an der Zeugung der Nachkommenschaft zu hindern &#8211; am besten \u00d6konomisch durch Entzug der Unterst\u00fctzung. Weil \u00fcberdurchschnittlich viele Kinder aus Harz-IV-Familien gegen das Gesetz versto\u00dfen (und mehr als 50% = Alle), sollten diese am besten gar nicht erst entstehen. Sie bleiben \u00fcberdurchschnittlich oft arbeitslos und teilen das Schicksal ihrer Eltern. Somit sind die unn\u00fctz und als solche zu verbieten, nicht wert zu leben (Utilitarismus).\u00a0 Diesen gegen\u00fcbergestellt werden die (oft psychisch gest\u00f6rten) durchschnittlichen 0,8-Einzelkinder der Karrierefrauen\u00a0 &#8211; die k\u00fcnftigen Leistungstr\u00e4ger, von denen die anderen Parasiten-Kinder leben.<\/p>\n<p>Es leugnet niemand, dass es Probleme mit vielen Kindern der Langzeit-Arbeitslosen gibt. Auf die Frage, warum das so ist, kam der gute Herr Professor noch nicht. Geschweige denn auf die Antwort f\u00fcr diese Frage. Er verwechselt Ursachen mit Folgen, ein gesellschaftliches Ideal mit der Realit\u00e4t, geh\u00e4uftes Auftreten gewisser Merkmale mit einer notwendigen Existenz dieser Tatsache, schlie\u00dft <a title=\"Humes-Gesetz oder Warum man nicht aus dem Dasei einer Tatsache auf ihr notwendige Existenz schlie\u00dfen darf.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humes_Gesetz\" target=\"_blank\">aus dem Sein auf das Soll<\/a>. Alles gr\u00fcndlich falsch. Nun &#8211; k\u00f6nnte man sagen &#8211; jeder kann irren. Auch ein Professor.\u00a0 Es kann jedoch vermutet werden, dass es sich um kein Irrtum handelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese Aussage steht in einem gewissen Zusammenhang mit der Hamburger Schulreform und dem Volksbegehren. Hier scheint eine finanziell besser gestellte Elite, die Kinder der Anderen vom Abitur mit allen Mitteln abhalten zu wollen und somit Vorteile f\u00fcr die eigenen Kinder zu verschaffen. Auch das elit\u00e4re Denken selbst ist nichts neues. Nach der <a title=\"Die Nachahmung und der sozialle Zusammenhalt\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ren%C3%A9_Girard#Die_mimetische_Theorie\">mimetischen Theorie<\/a> Ren\u00e9 Girards, die von Prof. Raymund Schwager um die <a title=\"Warum wir immer einen S\u00fcndenbock suchen\" href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/texte\/58.html#20\">S\u00fcndenbock-Theorie<\/a> erweitert wurde, ist das unbewusste Bilden von Eliten und die anschlie\u00dfende Suche nach einem passenden S\u00fcndenbock nahezu notwendig, um den Zusammenhalt einer Gruppe zu wahren. F\u00fcr die Gebildeten sind die Doofen die schwarzen Schafe, f\u00fcr die Reichen, die Armen der Ursprung allen \u00dcbels&#8230; Auch Jesus Christus war ein S\u00fcndenbock. Er redete einfach zu viel. Er konnte nicht anders, als die Wahrheit zu sagen. Die anderen wollten nur ihren br\u00fcchigen Frieden in der zerstrittenen Gesellschaft sch\u00fctzen&#8230;<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Ausgangspunkt! Wer Kinder kriegt, fehlt \u00f6fter am Arbeitsplatz, als ein Single. Wer seinen Kindern Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe angedeihen l\u00e4sst, ist st\u00e4rker Zuhause gefordert, so dass er nicht unz\u00e4hlige \u00dcberstunden machen kann. Mit solchen Ausgangsvoraussetzungen ist man bei einer Bewerbung der drittplatzierte. H\u00f6heres Arbeitslosigkeitsrisiko. Wer von Harz-IV leben muss, kann den Kindern kaum ein Studium finanzieren. Ohne Studium wird man kein Ingenieur. Also wieder mal h\u00f6heres Arbeitslosigkeitrisiko der Folgegeneration. (So weit ist die Folgerung des Professors richtig.) Trotzdem ist nicht jedes Kind aus solchen Familien ein Verbrecher. Viele von Ihnen erledigen im Erwachsenenalter gesellschaftlich absolut notwendige Jobs, f\u00fcr die sich die reichen und gebildeten zu fein sind. Viele dieser Kinder teilen mit ihren Eltern die lebenslange Depression (nicht gebraucht zu werden &#8211; auf dem Abstellgleis zu existieren)&#8230; was sie erst recht in der Pubert\u00e4r zum Aufstand gegen diese Ungerechtigkeit bringt.<\/p>\n<p>Es ist sehr erschreckend, dass sich in unserem Land eine Denkweise ausbreitet, die gleichen Ursprung mit dem Nationalsozialismus teilt: Statt &#8222;Nation&#8220; muss man nur &#8222;die arbeitende Bev\u00f6lkerung&#8220; einsetzen und an Stelle der geistig Behinderten die Harz-IV-Frauen. Eine Analogie: wie im Dritten Reich geistig Behinderte zwangssterilisiert wurden, so soll jetzt die &#8222;Unterschicht&#8220; \u00f6konomisch zur Sterilisation gezwungen werden. Einige Wenige diktieren dabei, welches Leben als n\u00fctzlich und somit lebenswert gilt und welches nicht.<\/p>\n<p>Die christliche Lebensweise sieht anders aus: Jeder hat das Recht zu leben und die Pflicht f\u00fcr das eigene wohl &#8211; wie das der anderen &#8211; zu sorgen. Jeder hat das Recht auf Hilfe, Ausbildung und Solidarit\u00e4t. Zugleich hat jeder die Pflicht, im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten das beste aus dem eigenen Leben zu machen, zu arbeiten, die Nachkommenschaft zu f\u00f6rdern und zum Guten zu erziehen. (Jeder hat das Recht zelibat\u00e4r zu leben oder die Nachkommenschaft uneingeschr\u00e4nkt als Gabe Gottes anzunehmen.)<\/p>\n<p>Mag sein, dass die Hilfebed\u00fcrftigen nicht allen Pflichten nachgehen und man von ihnen mehr Engagement erwarten soll&#8230; Ihnen aber gleich alle Rechte zu streichen ist in meiner \u00dcberzeugung nicht gerade christlich oder gar demokratisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Telepolis-Online (Zeitschrift, die vom Heise Verlag herausgegeben wird) berichtet in ihrem Artikel mit dem Titel &#8222;Das unwerte Hartz IV-Leben&#8220; \u00fcber einen unglaublichen Vorgang und bringt &#8211; aus meiner Sicht &#8211; die betreffende Aussage von Gunnar Heinsohn in seinem Artikel in der FAZ ganz exakt auf den Punkt. 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