{"id":493,"date":"2009-12-08T18:32:33","date_gmt":"2009-12-08T16:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=493"},"modified":"2009-12-08T18:32:33","modified_gmt":"2009-12-08T16:32:33","slug":"deutschland-verbannt-bots","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/493\/deutschland-verbannt-bots","title":{"rendered":"Deutschland verbannt Bots!"},"content":{"rendered":"<p>Wie <a title=\"Bericht auf heise online\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Deutschland-Zentrale-gegen-Botnetze-geplant-879580.html\">heise online berichtet<\/a>, soll Dutschland Bot-frei werden. Darauf einigten sich die IT-Gipfel-Teilnehmer in Stuttgart. Den meisten wird der Begriff &#8222;Bot&#8220; nur wenig sagen. Bei mir steigert er den Blutdruck ;-) Es sind entf\u00fchrte Rechner, die nahezu namenlos durchs Netz Seuchen wie Spam, Viren oder Software f\u00fcr Brute-Force-Attacken verbreiten, weil sie mit einem Bot-Virus infiziert sind. Sie werden meist zusammen geschaltet und f\u00fchren gemeinsam Angriffe durch, gegen die viele Server nicht bestehen k\u00f6nnen. Dieser Server hat heute (nach 2 Wochen Pause) 80 Einbruchsversuche entdeckt und abgewehrt. Es ist also richtig, etwas dagegen zu unternehmen in Deutschland&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->Diese Entscheidung hat mich zun\u00e4chst sehr gefreut. Endlich d\u00fcrfte ich von Internetprovidern verlangen, Teilnehmer vom Netz zu nehmen, wenn sie meinen Server angreifen&#8230; &#8230;dachte ich. Doch so einfach ist es wohl nicht. Entweder werden solche Teilnehmer auf diese von ihnen ausgehende Gefahr hingewiesen (ohne dass es wirklich sanktioniert werden kann) oder der Provider erkl\u00e4rt sich selbst zum Besch\u00fctzer des Internets und \u00fcberwacht seine Kunden (was grunds\u00e4tzlich verboten ist aber durch eine Ausnahme wieder f\u00fcr zul\u00e4ssig erkl\u00e4rt worden ist).<\/p>\n<p>Erstgenanntes ist wirkungslos, zweites er\u00f6ffnet einer totalen \u00dcberwachung T\u00fcr und Tor. (Nat\u00fcrlich speichert auch dieser Server zwischenzeitlich IP-Adressen, um im Falle des Falles den Angreifer Dingfest machen zu k\u00f6nnen. Die Inhalte sind hingegen tabu!) Der dritte Weg, dem Internetnutzer einen Virenscaner (gesetzlich oder vertraglich vom Provider) aufzuzwingen ist zwar nett, aber auch nicht perfekt: F\u00fcr Linux (oder Mac&#8217;s) m\u00fcsste ein einfach zu bedienendes, auf vielen Distributionen installierbares Antivirenprogramm erst einmal angeboten werden. Eine Verpflichtung, ein bestimmtes Programm einzusetzen, k\u00f6nnte als Vorstufe f\u00fcr ein unbemerktes Einschleusen des Bundestrojaners dienen.<\/p>\n<p>Angesichts der Tatsache, dass nach meiner Z\u00e4hlung lediglich 3-4% der Angriffe aus Deutschland kommen, ist diese Idee viel zu umst\u00e4ndlich. Die in Stuttgart genannten Zahlen (Deutschland auf Platz 3 in der EU) der entf\u00fchrten Rechner kann ich so nicht best\u00e4tigen. Eine Erste-Hilfe-Hotline bei Virenverdacht ist sicher richtig. Ein Mix aus professioneller Hilfe und einer leichteren Sanktionierung (Abmahnung oder Sperrung des Zugangs), wie sie bei Urheberrechtsverletzungen \u00fcblich ist, k\u00f6nnte die Internetnutzern dabei unterst\u00fctzen, sich selbst und andere von einer l\u00e4stigen Seuche zu befreien. (Bisher wird das allzu oft auf die leichte Schulter genommen, weil Konsequenzen fehlen.)<\/p>\n<p>Wo wir gerade bei Sperren sind: Der FDP-Mann Hans-Joachim Otto hat sich mit seiner Vorliebe f\u00fcr Hadopi nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Fast alle Teilnehmer sahen es als nicht Gesetzeskonform an, einige verwiesen auf die M\u00f6glichkeiten, die bereits jetzt den Betroffenen (vor allem Unterhaltungsindustrie) frei stehen: Abmahnung oder Gerichtsverfahren. Aus meiner Sicht w\u00e4re eine Sperrung des Internetzugangs ohne einen richterlichen Beschluss eine Benachteiligung der Provider und Server-Besitzer, die diese M\u00f6glichkeit nicht bes\u00e4\u00dfen, obwohl sie f\u00fcr ein sicheres und inhaltlich interessantes Internet stehen.<\/p>\n<p>Insgesamt scheint es, dass der Schutz des Urheberrechts im Internet der Politik um ein vielfaches mehr wert ist, als ein sicheres Internet. Ein neues <a title=\"Streng geheim und ausserhalb der dekokratischen kontrolle?\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Bruessel-hat-Bauchschmerzen-bei-Anti-Piraterie-Abkommen-874133.html\">Anti-Piraterie-Abkommen<\/a>, welches zwischen der EU, den USA, Kanada und Japan gerade verhandelt wird, belegt das exemplarisch: Gro\u00dfe Teile des US-Copyrights sollen per Copy&amp;Paste in die EU-Gesetze eingesetzt werden. Sogar die Internet-Anbieter will man f\u00fcr ein Fehlverhalten seiner Nutzer haftbar machen.<\/p>\n<p>Sicheres Internet mit einem zuverl\u00e4ssigen Zugriff auf alle wichtigen Instanzen (ob DNS oder Beh\u00f6rden-Webseiten) h\u00e4tten wir jedoch n\u00f6tiger. Auch die &#8222;unsichtbaren Teile&#8220; des Internets m\u00fcssen unbedingt gesch\u00fctzt werden. Was n\u00fctzt einem eine volle Fahndungsdatenbank, wenn sie im entscheidenden Moment nicht erreichbar ist? Warum soll ich medizinische Befunde mit der neuen Gesundheitskarte auf einem Server speichern lassen, wenn ich wei\u00df, dass die Sicherheit dieses Servers der Politik nicht mehr wert ist als der Schutz eines 10 Jahre alten Kinofilms? Angriffe m\u00fcssen sofort gestoppt werden k\u00f6nnen, weil davon vielleicht die Sicherheit des Menschenlebens abh\u00e4ngt (z.B. bei chirurgischen Eingriffen, die\u00a0 \u00fcber das Netz gesteuert werden). Eine illegale Kopie eines alten Films ist hingegen nicht einmal halb so wichtig!<\/p>\n<p>Sicheres Internet? Aber gerne doch! Nur keine wirkungslosen Blendgranaten wie die Kinderpornosperren!\u00a0 Hilfe f\u00fcr Besitzer gekaperter Rechner und rechtlich-technische Sanktionen bei Nichtbeachtung k\u00f6nnen f\u00fcr uns alle mehr Sicherheit bedeuten&#8230; Wenn es weltweit eingef\u00fchrt worden w\u00e4re (woher die restlichen 90% der Angriffe stammen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie heise online berichtet, soll Dutschland Bot-frei werden. Darauf einigten sich die IT-Gipfel-Teilnehmer in Stuttgart. Den meisten wird der Begriff &#8222;Bot&#8220; nur wenig sagen. 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