{"id":439,"date":"2009-07-08T20:28:17","date_gmt":"2009-07-08T18:28:17","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=439"},"modified":"2009-07-08T20:28:17","modified_gmt":"2009-07-08T18:28:17","slug":"caritas-in-veritate-die-kriche-als-beschutzerin-einer-humanen-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/439\/caritas-in-veritate-die-kriche-als-beschutzerin-einer-humanen-menschheit","title":{"rendered":"Caritas in Veritate &#8211; Die Kriche als &#8222;Besch\u00fctzerin&#8220; einer humanen Menschheit"},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht lachen Sie \u00fcber diesen Titel. Aber haben Sie dieses p\u00e4pstliche Schreiben gelesen? Konnten Sie bei der <a title=\"Liebe in Wahrheit - Caritas in veritate\" href=\"http:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/benedict_xvi\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20090629_caritas-in-veritate_ge.html\">Lekt\u00fcre dieser Sozialenzyklika<\/a> noch lachen? Ich nicht.<\/p>\n<p>Da ich selber diese 80 Seiten (trotz eines hohen Interesses an dieser Materie) noch nicht vollst\u00e4ndig gelesen habe, m\u00f6chte ich nur einige Gedanken aus diesem p\u00e4pstlichen Schreiben kurz darstellen (und aus meiner Sicht kommentieren).<\/p>\n<p><!--more-->Der Heilige Vater hat in seinem Schreiben viele Sache angesprochen, die heutzutage den Scheideweg zwischen einer inhumanen Gesetzgebung und dem Wohl der Menschen als einer gro\u00dfen Gemeinschaft betrachtet werden m\u00fcssen. Dabei erfindet er nichts neues. Er bezieht sich &#8211; gem\u00e4\u00df der Tradition der Kirche &#8211; auf die Lehre seiner Vorg\u00e4nger und der Konzile. Der Grundton stammt aus <a title=\"Enzyklika Populorum progressio (Die Entwicklung der V\u00f6lker) des Papstes Paul VI\" href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/texte\/317.html\"><strong>Populorum progressio<\/strong><\/a> : <em>Nur das ist ein echter Fortschritt, was nicht nur dem einzelnen Menschen dienst, sonder der Menschheit als Ganzem<\/em>.<\/p>\n<p>Nehmen wir das Beispiel &#8222;Kapital&#8220;. Es ist nichts unmoralisches, reich zu sein (genauso wie, arm zu sein). Das &#8222;Kapital&#8220; kann auch anderen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, damit diese wachsen (wie z.B. ein Kredit f\u00fcr die Abfertigung eines neuen gro\u00dfen Auftrags). Aber es ist verwerflich, mit dem Hunger in den armen L\u00e4ndern Asiens oder Afrikas zu spekulieren, diese L\u00e4nder auszubeuten aus reiner Profitgier. In diesem Zusammenhang wird der Abbau der Arbeitnehmerrechte (als Folge der Gobalisierung und der uneingeschr\u00e4nkten &#8222;Mobilit\u00e4t des Kapitals&#8220; \u00a724) und damit einhergehende Verunsicherung der Menschen in der privaten Lebensgestaltung (Scheu vor Familiengr\u00fcndung als Folge des unsicheren Arbeitsplatzes \u00a725).<\/p>\n<p>Das Geld soll insgesamt als Werkzeug des Menschen betrachtet Werden nicht umgekehrt. Auch die Wirtschaftsmodelle, die die Welt zu einer Scheibe machen und den Menschen auf eine Maschine reduzieren sind abzulehnen (\u00a722).<\/p>\n<p>Noch interessanter ist der Gedanke (\u00a722), der sogar bei heise.de zitiert wird (und heise-Verlag ist ja sicher kein Gl\u00e4ubigen-Verein). Darin wird die Stelle zitiert, die sich gegen den Mi\u00dfbrauch von Patenten und Eigentumsrechten an inmateriellen G\u00fctern richtet.<\/p>\n<address style=\"padding-left: 30px\"><em>&#8222;Es gibt \u00fcbertriebene Formen des  Wissensschutzes seitens der reichen L\u00e4nder durch eine zu strenge Anwendung des  Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich&#8220;<\/em><\/address>\n<p>Dieser Gedanke ist in der Kirchengeschichte einmalig! Es ist kein Freibrief f\u00fcr unfaire und mi\u00dfbr\u00e4uchliche Nutzung intellektueller Werke, dennoch best\u00e4tigt der Papst in meinen Augen das Bestreben der Piratenpartei, \u00fcbertriebene bzw. k\u00fcnstliche Einschr\u00e4nkungen der erlaubten Nutzung der G\u00fcter der Allgemeinheit (Wissen, Literatur, Kunst, Musik) zu stoppen. Auch Patente sind kein Selbstzweck und sicherlich keine Gelddruckmaschine. Alles muss dem Menschen &#8211; auch dem armen &#8211; dienen. Es ist kein Kommunismus, auch wenn einige das dahinter vermuten. Es geht um die Menschheit und um den Menschen &#8211; nicht als biologische Art, sondern\u00a0 als ein von Gott geschaffenes Wesen und als Abbild seines Sch\u00f6pfers.<\/p>\n<p>Der Heilige Vater begr\u00fc\u00dft ausdr\u00fccklich die &#8222;innovativen landwirtschaftlichen Produktionstechniken&#8220; (also auch die Gen-Technik in der Landwirtschaft) sofern diese den Hunger auf der Welt stillen k\u00f6nnen. Diese sollen(\u00a727): zweckm\u00e4\u00dfig, umweltfreundlich und f\u00fcr die &#8222;am meisten benachteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen&#8220; einfach zug\u00e4nglich (spricht: g\u00fcnstig) sein. Also keine Patente auf das Genom etc&#8230;<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang bedauert er auch, dass die sog. Entwicklungshilfe f\u00fcr arme L\u00e4nder dieser Welt falsch betrieben wird. Er sieht die Probleme, die in diesen L\u00e4ndern selbst liegen (Korrupion, B\u00fcrgerkriege, Mi\u00dfwirtschaft \u00a727). Doch seine Sorge diesbez\u00fcglich sind zwei Dinge:<\/p>\n<ol>\n<li>Man tut in den reichen L\u00e4ndern jovial und feiert sich selbst, wenn man den Armen gibt, was ihnen eh zusteht (Verst\u00e4ndnis von Liebe und Gerechtigkeit in \u00a7 6)<\/li>\n<li>Dass man den Hunger in dieser Welt mit Hilfe von Verh\u00fctungsmitteln betreiben will:<br \/>\n<em>Angenommen, Sie haben ein Kind, dass aufgrund von Unterern\u00e4hrung schwer erkrankt ist. W\u00fcrde Sie die nette Geste des Arztes freuen, wenn er Ihnen statt Medikamente f\u00fcr Ihr Kind eine Packung Gummis in die Hand dr\u00fcckt? Wahrscheinlich nicht. Aber genau dies tut auch die Bundesrepublik! Wir geben viel Geld f\u00fcr die Entwicklungshilfe aus &#8211; und viel zu viel davon in Form von Verh\u00fctungsmitteln.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wo wir gerade dabei sind&#8230; Nach dem Motto &#8222;wer selber Kinder hat, kann dem Leides eines fremden Kindes nicht zuschauen&#8220; forder er die reichen L\u00e4nder dazu auf, Kinder als Reichtum f\u00fcr sie selbst und als Mittel gegen eine Art &#8222;Blindheit&#8220; gegen\u00fcber den Kindern in der Dritten Welt anzunehmen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei der Gentechnik verh\u00e4lt es sich mit der Technik insgesamt. Solange sie ihren Dienst am Menschen verrichtet, ist das gut und gerecht. Sobald der Mensch zum Diener der Technik (Technokratie) wird, ist sie abzulehnen(\u00a7\u00a769 und 70).<\/p>\n<p>Der Heilige Vater verurteilt L\u00e4nder und Politik, die die Religion als Vorwand f\u00fcr den Krieg nutzen oder die Religionsaus\u00fcbung behindert, indem es seine B\u00fcrger zum praktischen Atheismus zwingt (China &amp; Co \u00a729).<\/p>\n<p>Kritisch sieht er auch die mi\u00dflungene Entwicklung in den ehemals kommunistischen Staaten, wo eine kleine Gruppe &#8222;im Geld schwimmt&#8220;, w\u00e4hrend alle anderen B\u00fcrger an der Armutsgrenze leben (China, Russland = Turbokapitalismus) sowie die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Kluft zwischen Reich und Arm insgesamt (\u00a7\u00a7 22 und 23).<\/p>\n<p>Auch die elende Gleichmacherei (alles ist gleich gut) im Bezug auf den kulturellen Austausch und eine Verschmelzung in einen Uni-Brei wird angespreochen (\u00a726).<\/p>\n<p>Doch<strong> mein &#8222;Lieblingsst\u00fcck&#8220;<\/strong> beschreibt die Liebe, wie sie sein soll. Denken Sie einfach an die pom\u00f6se US-Hochzeiten, in denen dasselbe Wort vorkommt, wie auch in jedem billigen Porno&#8230; Oder an die Menschen, die f\u00fcr ihre Katze immer genug Geld haben, f\u00fcr eine Spende aber nie was&#8230; Tja, was schon alles aus &#8222;Liebe&#8220; gemacht worden ist&#8230;<\/p>\n<p>Hier die &#8211; meiner Ansicht nach &#8211; richtige Deutung:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><em>&#8222;Die Wahrheit ist ein Licht, das der Liebe Sinn und  Wert verleiht. Es ist das Licht der Vernunft wie auch des Glaubens, durch das  der Verstand zur nat\u00fcrlichen und \u00fcbernat\u00fcrlichen Wahrheit der Liebe gelangt: er  erfa\u00dft ihre Bedeutung als Hingabe, Annahme und Gemeinschaft. Ohne Wahrheit  gleitet die Liebe in Sentimentalit\u00e4t ab. Sie wird ein leeres Geh\u00e4use, das man  nach Belieben f\u00fcllen kann. Das ist die verh\u00e4ngnisvolle Gefahr f\u00fcr die Liebe in  einer Kultur ohne Wahrheit. Sie wird Opfer der zuf\u00e4lligen Gef\u00fchle und Meinungen  der einzelnen, ein Wort, das mi\u00dfbraucht und verzerrt wird, bis es schlie\u00dflich  das Gegenteil bedeutet.&#8220;<\/em> \u00a72<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht lachen Sie \u00fcber diesen Titel. Aber haben Sie dieses p\u00e4pstliche Schreiben gelesen? Konnten Sie bei der Lekt\u00fcre dieser Sozialenzyklika noch lachen? Ich nicht. 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