{"id":303,"date":"2009-01-20T23:27:03","date_gmt":"2009-01-20T21:27:03","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=303"},"modified":"2009-01-20T23:27:03","modified_gmt":"2009-01-20T21:27:03","slug":"7-leben-schuld-und-suhne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/303\/7-leben-schuld-und-suhne","title":{"rendered":"7 Leben, Schuld und S\u00fchne&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;7 Leben&#8220; wird in den deutschen Kinos der neue Film mit Will Smith gezeigt. Einer der Wenigen, die auch ohne Spezialeffekte auskommen. Das r\u00e4tselvolle Handeln und die sporadischen Schaltungen in die Vergangenheit von Ben Thomas kann leider erst am Ende des Films zu einer sinnvollen Geschichte zusammenflicken. Deshalb eine kurze Inhaltswiedergabe:<\/p>\n<p>Ben Thomas ist ein hochintelligenter Ingenieur mit MIT-Abschluss. In seinem Hochmut und seiner Ignoranz glaubt er, alles seinem (beruflichen) Leben unterordnen zu k\u00f6nnen. Das Missachten einfachster Regeln im Stra\u00dfenverkehr (Handy am Steuer) f\u00fchrt zu einem Unfall, in dem sieben Menschen seinetwegen das Leben verlieren. Das kann er nicht akzeptieren und versucht mit seiner Schuld klar zu kommen. Er fasst einen Plan, sein ganzes Hab und Gut &#8211; seinen K\u00f6rper und sein Leben eingeschlossen &#8211; anderen zu schenken, damit diese am Leben bleiben.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick ein bewundernswertes heroisches Tun. Doch was steck hinter dieser Selbstaufopferung?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieses Motiv kennen wir schon aus Fjodor Dostojevski&#8217;s Schuld und S\u00fchne: Raskolnikov &#8211; ein junger Jurastudent &#8211; von seiner \u00dcberlegenheit \u00fcberzeugt versucht sich im &#8222;Perfekten Mord&#8220;. Von Albtr\u00e4umen und Gewissensbissen geplagt, sieht er seine Schuld ein und nimmt die Strafe auf sich. Im sibirischen Lager (wohin die in ihn verliebte Sonja freiwillig folgt) entdeckt er den Glauben und wird dem\u00fctig, bescheiden und herzlicher.<\/p>\n<p>Etwas anders ist es bei Ben Thomas: Seine Schuld ist kein Verbrechen, sondern eine grobe Fahrl\u00e4ssigkeit, die unbegrenzt Schuldgef\u00fchle produziert. Seine S\u00fchne \u00e4hnelt jedoch eher einer Selbstbestrafung&#8230;<\/p>\n<p>In diesem Film wird man mit der Frage nach dem Umgang mit eigener Schuld konfrontiert. Mit einer Frage also, die heutzutage gar nicht existieren darf. Sie wird verdr\u00e4ngt: Schuld sind immer die Anderen, nie man selbst! (Die H\u00f6lle muss ebenso &#8222;f\u00fcr die Anderen&#8220; existieren &#8211; man selbst wird ja auf der Wolke schweben.) Und je mehr man &#8222;sich selbst entschuldigt&#8220; (ent-schuld-ingt), desto st\u00e4rker kommen die Schuldgef\u00fchle hoch. Wie soll man also mit der eigene Schuld umgehen? Auf diese Frage geben Philosophien und Religionen mehrere unterschiedliche Antworten.<\/p>\n<p>Eine der \u00e4ltesten Religionen &#8211; das Judentum &#8211; versteht die S\u00fcnde als Handeln gegen die Ordnung Gottes. Die S\u00fcnde st\u00fcrzt die Welt immer mehr in das Chaos, das schon vor der g\u00f6ttlichen Weltsch\u00f6pfung existierte. Im &#8222;priesterlichen Judentum&#8220; (oder wie man es auch nennen soll) konnte man ein mal im Jahr am Jom-Kippur-Fest alle S\u00fcnden loswerden: der Hohepriester \u00fcbertrug durch die Handauflegung alle S\u00fcnden des Gottesvolkes auf den S\u00fcndenbock, der anschlie\u00dfend unter Tritten und Schl\u00e4gen aus dem Jerusalemer Tempel in die W\u00fcste geschickt worden ist. Seit dem rabbinischen Judentum (nach der Zerst\u00f6rung des Tempels durch die R\u00f6mer im 1. Jh) gibt es diese Ents\u00fcndigung nicht mehr.<\/p>\n<p>Die ebenso alte und verbreitete Religion namens Hinduismus (im Zusammenspiel mit der Philosophie des Budda) hat eine andere Antwort gefunden: Das gute und das schlechte &#8222;Karma&#8220; (mit &#8222;Score&#8220; eines Computerspiels nur schwer zu vergleichen). Je mehr schlechte Karma, desto schlimmer die Reinkarnation (Gestalt nach Wiedergeburt). Soll hei\u00dfen: Das B\u00f6se, das du s\u00e4st, wirst Du auch ernten!<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht die einzig richtige und sinnvolle Antwort auf dieses Dilemma des Schuldig-Seins hat das Christentum. Es unterscheidet zwischen den Folgen einer b\u00f6sen Tat (beim Mord der Tod, beim Pr\u00fcgeln die Verletzungen) &#8211; genauso wie jede atheistische Philosophie: nur begrenzt &#8222;wiedergutmachbar&#8220; &#8211; und der spirituellen Folge einer S\u00fcnde (ein freiwilliger und bewusster Versto\u00df gegen die Gebote Gottes) &#8211; der Trennung des Menschen von der Liebe Gottes. Das Christentum fordert zur Auss\u00f6hnung und Wiedergutmachung auf (soweit es in der Macht des S\u00fcnders steht) und gibt ihm die die n\u00f6tigen Werkzeuge dazu.<\/p>\n<p>Das erste und wichtigste ist das Bewusstsein, dass Gott in Jesus Christus alle Schuld auf sich genommen hat und &#8222;den Schuldschein zerrissen&#8220; hat &#8211; wie es hei\u00dft. Jesus Christus ist &#8222;unser Anwalt&#8220; und er kann &#8222;mit unserer Schw\u00e4che mitf\u00fchlen&#8220;. &#8222;Einmal gestorben, stirbt er nie wieder&#8220; &#8211; man muss es nicht wiederholen, wie im Falle des S\u00fcndenbocks. &#8222;Er hat unsere Schuld auf sich genommen.&#8220; Diese Bibelzitate zeigen, wie unn\u00f6tig es ist, sich selbst entschuldigen zu wollen.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche als Symbol und Werkzeugt der Liebe Gottes zu den Menschen h\u00e4lt ein viel bel\u00e4cheltes und meist mi\u00dfverstandenes Tun namens Beichte. Die erste und wichtigste <a href=\"http:\/\/www.clerus.org\/bibliaclerusonline\/de\/boj.htm#cal\">Voraussetzung ist die Reue<\/a>: kein Gef\u00fchl wie &#8222;ein reuiger Hund&#8220;, sondern ein echtes Bedauern. Als Zweites kommt der Wille zur Wiedergutmachung und besserer Lebensf\u00fchrung hinzu. Als Drittes ist das &#8222;laute&#8220; Bekennen der eigenen Schuld, welches in g\u00f6ttlicher Vergebung endet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;padding-left: 30px\"><em>&#8222;Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich vers\u00f6hnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der S\u00fcnden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen S\u00fcnden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Da spricht der Priester im Namen Gottes &#8211; desjenigen also, der auch die Toten \/ Ermordeten vertreten darf und &#8222;f\u00fcr die Folgen einspringen&#8220; kann. Die S\u00fcnden oder die Schuld wird nicht einfach nur zugedeckt, sondern von einem weggenommen. Man wird ent-schuldigt. Dieser Dienst der Kirche soll dem Menschen, der vielleicht f\u00fcr seine Dummheit sich selbst hasst, Frieden und Verzeihung schenken. Und das geschieht nicht, weil die katholische Kirche einfach so alles k\u00f6nnte, sondern weil Gott es selbst getan hat!<\/p>\n<p>Der Versuch einer atheistischen S\u00fchne, welcher in &#8222;7 Leben&#8220; gezeigt wird, ist einfach nur m\u00e4rchenhaft (oder: &#8222;auf dem Stand einesvierj\u00e4hrigen Kindes&#8220; wenn man so will). Wenn ein reicher, gesunder und intelligenter Singel die Welt mit seinem Geld und seinen Organen beschenken will, so ist das f\u00fcr uns &#8222;Sterbliche&#8220;, die entweder nicht so reich oder nicht so gesund sind, nur ein Traum. Unsere Schuld bleibt an uns kleben &#8211; wie ein Kaugummi unter dem Schuh. Wir k\u00f6nnen keine sieben Leben &#8222;schenken&#8220;. Mangels der M\u00f6glichkeit, den Tod ungeschehen zu machen, werden andere Menschen &#8222;beschenkt&#8220;. Solche &#8222;Geschenke&#8220; bringen den Betroffenen &#8211; den Toten und ihren Familien &#8211; rein gar nichts!<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis sollte hierbei noch erw\u00e4hnt werden: Ben Thomas hat niemanden bewusst umgebracht. Es sind seine Schuldgef\u00fchle (die Unm\u00f6glichkeit ent-schuld-igt zu werden), die ihn steuern &#8211; keine wohl \u00fcberlegtes und verantwortliches Handeln (Restultat: Selbstmord!). Seine Fahrl\u00e4ssigkeit im Stra\u00dfenverkehr sollte uns vielmehr betroffen machen. Jetzt sollte auch die schlimmste Quaseltante verstanden haben, warum Handy und Autofahren keine gute Kombination ist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;7 Leben&#8220; wird in den deutschen Kinos der neue Film mit Will Smith gezeigt. Einer der Wenigen, die auch ohne Spezialeffekte auskommen. Das r\u00e4tselvolle Handeln und die sporadischen Schaltungen in die Vergangenheit von Ben Thomas kann leider erst am Ende des Films zu einer sinnvollen Geschichte zusammenflicken. 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