{"id":187,"date":"2008-10-29T00:32:04","date_gmt":"2008-10-28T22:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/robert.kolatzek.org\/wblog\/?p=187"},"modified":"2008-10-29T00:32:04","modified_gmt":"2008-10-28T22:32:04","slug":"das-software-antiprojekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/187\/das-software-antiprojekt","title":{"rendered":"Das Software-Antiprojekt"},"content":{"rendered":"<p>Man spricht viel und gerne \u00fcber Projekte, Projektarbeit etc. Oft ist das nur ein aufgeblasenes Daherreden sich selbs sehr wichtig nehmender BWLer. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen man zu einem guten Buch zu diesem Thema von alleine greifft. Wenn man diese Regeln nicht befolgt, kann es sogar die zu einem Schiffbruch. Ich sage nicht, dass man ein Software-Projekte-Buch gelesen haben muss, um dies machen zu k\u00f6nnen (sonst w\u00fcrden die Autoren dieser B\u00fccher sinvollerweise nur voneinander abschreiben k\u00f6nnen). Der Mensch ist als vernunftbegabtes Wesen imstande, (nur) unter Einsatz des eigenen Verstandes Gott zu erkennen &#8211; die Prinzipien guter Projektf\u00fchrung umso mehr! Sie finden hier eine kurze Beschreibung eines &#8222;Anti-Projektes&#8220; &#8211; also eines Projektes, welches jede Erkenntnis diesbez\u00fcglich au\u00dfer Acht l\u00e4sst und dennoch nicht soo selten pratiziert wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie startet man mit einem Antiprojekt?<\/p>\n<p>Man beginnt alles sofort! Ohne Bunget, ohne konkretes Ziel und ohne Auftrag. Am besten ohne die Bereitschaft einen harten Schnitt zu machen &#8211; man will ja dieselbe Sosse zum dritten Mal verfeinern (in der Hoffnung, dass wenn man genug satzt, sie schon irgendendwann nicht salzig schmecken wird).<\/p>\n<p>Was ist das wichtigste an einem Antiprojekt?<\/p>\n<p>Die Ziele nicht genau zu definieren, am besten jedoch, nicht einmal ein Oberziel zu haben. Wenn man nicht wei\u00df, was man bezwecken will, kann man viel entspannter arbeiten und erreicht immer seine Ziele.<\/p>\n<p>Wie erstellt man einen Antiprojektplan?<\/p>\n<p>Vorausgesetzt, man kennt die Realit\u00e4t gar nicht, braucht man sich nicht sehr anzustrengen&#8230; Sonst sollte man im Irrglauben verharren, alle beteiligten verbringen 80% ihrer Zeit in Erwartung auf einen Arbeitsauftrag. Anschliessend z\u00e4hlt man die K\u00f6pfe, ernennt sich selbst zum Projektleiter (wenn man diesen Titel offiziell noch nicht hatte), und teilt dem Rest nach Halbw\u00e4rtszeit-Prinzip die Aufgaben in folgender Reihenfolge zu: 50% der Mitarbeiter f\u00fcr interne Kommunikation, vom Rest (ca 50%) die H\u00e4lfte (also ca 25%) f\u00fcr Koordination und die letzten zwei Teile jeweils f\u00fcr sonstige Aufgaben und Entwicklung.<\/p>\n<p>Wann sollte man die Startphase eines Antiprojektes einleiten?<\/p>\n<p>Am besten noch vor der Analyse &#8211; man will ja nicht erfahren, dass es etwas \u00c4hnliches schon gibt oder dass man auf ein totes Pferd setzt (falsche Software, falsche Entwicklungswerkzeuge etc). Sollte sich ein \u00fcbereifrieger Mitarbeiter finden und eine solche Analyse gemacht haben, ist sie sofort zu vernichten und der Kollege zu entlassen!<\/p>\n<p>Mit welchem Wort sollte man angeben?<\/p>\n<p>Das Stichwort (auch f\u00fcr Bullshit-Bingo geeignet) ist &#8222;Effektivit\u00e4t&#8220;. Es bringt zum Ausdruck, dass man viel arbeiten musste (nicht unbedingt zielgerichtet), um etwas zu erreichen&#8230; &#8222;Effizienz&#8220; w\u00fcrde bedeuten, man hat es schnell und problemlos hingekriegt hat &#8211; deshalb ist dieses Wort zu vermeiden.<\/p>\n<p>Wie behindert man sich am besten in einem Software-Antiprojekt?<\/p>\n<p>Man nutzt ein System, welches keine &#8222;Konflikte&#8220; erlaubt, sondern \u00fcber &#8222;konkurrierende Zugriffe&#8220; abl\u00e4uft. &#8222;Konflikte&#8220; (der Unterschied zwischen der Version des einen Entwicklers und der des anderen) sind l\u00f6sbar. Mit konkurrierenden Zugriffen hat man dejenige recht, der zuletzt abspeichert (egal, was der Kollege in dieser Zeit ver\u00e4ndert hat). Als eine Zwischenl\u00f6sung bietet sich das Locking an: nur einer darf an einer Stelle arbeiten, der Rest hat zu warten!<\/p>\n<p>Wie sorgt man daf\u00fcr, dass man nie wieder ein Projekt anvertraut bekommt?<\/p>\n<p>Man mischt im eigenen Antiprojekt die wichtigsten Komponenten:<\/p>\n<ul>\n<li>Man setzt auf ein &#8222;totes Pferd&#8220; (eine veraltete Insell\u00f6sung), damit ist die L\u00f6sung kurz nach der Fertigstellung veraltet<\/li>\n<li>Man definiert keine Ziele oder nur sehr schwammig, damit man nach Lust und Laune hier und da nachbessern kann<\/li>\n<li>Man macht unrealistische Zeitvorgaben &#8211; oder besser gar keine<\/li>\n<li>Man erzeugt viele Abh\u00e4ngigkeiten von externen Beratern und Software und mixt es mit eigenen Entwicklungen: am Ende kann man jedem die Schuld in die Schuhe schieben, bevor man in der eigenen Entwicklung nach Fehlern sucht<\/li>\n<li>Man verzichtet auf Standards und Normen: Keine Standards, schon gar nicht in einer bestimmten Version! Programmieren tut man prozessual in einer sehr seltenen Sprache, ohne Funktionen und Routinen. Objektorientierung ist b\u00f6se!<\/li>\n<li>Man befragt die Kunden nicht, ob das Zwischenergebnis in die richtige Richtung geht. Am besten ganz ohne Kunden entwickeln!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit diesen wenigen Ratschl\u00e4gen gelingt jedes Antiprojekt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man spricht viel und gerne \u00fcber Projekte, Projektarbeit etc. Oft ist das nur ein aufgeblasenes Daherreden sich selbs sehr wichtig nehmender BWLer. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen man zu einem guten Buch zu diesem Thema von alleine greifft. Wenn man diese Regeln nicht befolgt, kann es sogar die zu einem Schiffbruch. 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