{"id":1696,"date":"2025-09-22T00:03:00","date_gmt":"2025-09-21T22:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1696"},"modified":"2025-09-22T00:03:00","modified_gmt":"2025-09-21T22:03:00","slug":"anatomie-der-suender-in-ein-unmoralisches-angebot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1696\/anatomie-der-suender-in-ein-unmoralisches-angebot","title":{"rendered":"Anatomie der S\u00fcnder in &#8222;ein unmoralisches Angebot&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Robert Redford geh\u00f6rte unstreitig zu den Gr\u00f6\u00dften des Hollywoods. Was ihn auszeichnete, war sein Privatleben, das angeblich von Ruhe und Bescheidenheit gepr\u00e4gt war und seine ganz besondere Rollen (wenig Action, viel Menschliches). Er verstarb im hohen Alter im Kreis seiner Familie. Ein Film mit ihm in Hauptrolle hat mich besonders gepr\u00e4gt. &#8222;Ein unmoralisches Angebot&#8220; hat ungeahnt tiefe spirituelle Dimension und weist eine exemplarische Parallele zu einer Wirklichkeit des christlichen Lebens: der S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eines vorweg: es geht nicht um die S\u00fcnde, die Inhalt des Filmes ist. Vielmehr ist in dem Geschehen ein ganzer Prozess zu erkennen, der die Entstehung, die Folgen und die \u00dcberwindung der S\u00fcnde darstellt. Um es kurz zu fassen, geht es hierbei um Versuchung, Verzweiflung, Reue und Vers\u00f6hnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuchung<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist  typisch f\u00fcr den Versucher, dass er uns nicht dort angreift, wo wir stark sind, sondern dort, wo wir unge\u00fcbt oder leichtgl\u00e4ubig sind. David und Diana (gespielt von Woody Harrelson und Demi Moore) sind stark. Auf ihr Gl\u00fcck und ihre echte Liebe ist der Milliard\u00e4r John Gage (Robert Redford) neidisch. Sein unmoralisches Angebot der einen Million Dollar f\u00fcr eine Nacht mit Diana bringt den Stein ins Rollen. Der Versucher kennt unsere Lebenssituation sogar besser als John die von David und Diana. Er nutzt gezielt die Schwachstellen aus wie unsere \u00c4ngste (z.B. wie die vor der wirtschaftlichen Not wie im Film dargestellt) oder unsere Unerfahrenheit &#8211; vor allem aber das Fehlen einer Tugend, die als fester Vorsatz, Gutes zu tun und B\u00f6ses in jeder Gestalt zu meiden definiert wird. &#8222;Mit dem Teufel verhandelt man nicht!&#8220; &#8211; hei\u00dft eine der uralten Weisheiten des Christentums. L\u00e4sst man sich gedanklich darauf ein, hat man meist schon verloren. Das ist gut im Film zu sehen, wo David und Diana in der Nacht nicht schlafen k\u00f6nnen. Beschwichtigen und Naivit\u00e4t \u00fcber die Folgen sind das weitere Merkmal des Versuchers. Auch die Beiden dachten, es w\u00fcrde nichts bedeuten. Hat man jedoch in das Angebot eingewilligt, \u00e4ndert sich die Situation diametral.<\/p>\n\n\n\n<p>Verzweiflung<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gewissen &#8211; in meinem Kinderkatechismus als &#8222;Stimme Gottes in unserem Herzen&#8220; bezeichnet &#8211; gibt solchen Deals mit dem Teufel keine Zustimmung. Das erkennt man an David, der in letzter Sekunde versucht John aufzuhalten. So wie er durch die Fluren raste, so pocht oft das Gewissen, wenn man erkennt, dass es falsch war. Die Erkenntnis, die Zeit nicht mehr zur\u00fcckdrehen zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt manchmal zur Verzweiflung: &#8222;Warum habe ich mich darauf blo\u00df eingelassen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verzweiflung wird mit jedem Tag gr\u00f6\u00dfer. Es beginnt schon mit der Abscheu vor Dingen, die mit der Tat zusammenh\u00e4ngen: Sie kehrt zur\u00fcck in das Hotelzimmer und wei\u00df nicht, wie er reagieren w\u00fcrde und er wei\u00df nicht, was er tun soll. Er kann sie nicht k\u00fcssen solange die Schminke auf ihren Lippen ist, die John gek\u00fcsst hat. Er muss es erst die Schminke wegwischen. Hier beginnt eine weitere Falle. Die Leichtgl\u00e4ubigkeit (die Tat w\u00fcrde nichts bedeuten) verwandelt sich nach und nach in eine H\u00f6lle. Das Allernat\u00fcrlichste auf der Welt &#8211; der Kuss zwischen zwei Verliebten &#8211; wird  zur Herausforderung, weil das Urvertrauen fehlt. Schlimmer noch. Mit jedem Tag frisst die Saat des Misstrauens Davids Seele auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Versucher w\u00e4re nicht er selbst, wenn er nicht betr\u00fcgen w\u00fcrde. Das Grundst\u00fcck, das David und Diana f\u00fcr das eigene Haus retten wollten, ist weg und zwar beim Versucher. Er lacht einen aus und will einem unbedingt zeigen, dass man gegen ihn nichts ausrichten kann. Gedem\u00fctigt geben viele Menschen zu fr\u00fch auf, lassen sich gehen und akzeptieren manchmal sogar das Leben in S\u00fcnde (oder mit der S\u00fcnde) als eigene Bestimmung. Darauf spielt der Tanz von Diana und John, die sie zu einem Paar werden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Reue<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erkenntnis, man habe alles verloren, reift im Menschen Wochen, Monate oder Jahre. Langsam beobachtet David an sich selbst, wie ihn Diana gepr\u00e4gt hat. Er stellt seine Schuhe nicht mehr auf den Tisch und empfindet einen Schmerz jedes Mal, wenn er ein Bild von ihr sieht. Er zerrei\u00dft die Fotos und klebt sie doch wieder zusammen. Sie ist wie eine Droge f\u00fcr ihn. Das Modell des ersehnten Hauses bringt ihn zur\u00fcck zu einer bescheidenen Normalit\u00e4t. Aus Wut ist Reue geworden, weil er erkannte: Er tr\u00e4gt Schuld an der Trag\u00f6die. Die Nachricht \u00fcber den Wunsch der Scheidung zwingt ihn zum Handeln. \u00c4hnlich wie im Gleichnis vom Verlorenen Sohn ist die Erkenntnis der eigenen Not und der Blick dorthin, wo man gl\u00fccklich war, der Wendepunkt. &#8222;Ich kehre zum Haus meines Vaters zur\u00fcck&#8220; &#8211; aber nicht triumphalisch mit Anspruch auf etwas, sondern in Demut und Bescheidenheit, ja im Bewusstsein nichts mehr zu haben: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/lk15.html#19\">Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein<\/a>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Vers\u00f6hnung<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Million Dollar bietet David f\u00fcr ein Nilpferd. Diese eine Million &#8211; dieses &#8222;Blutgeld&#8220;. Er will es nicht haben. Damit zeigt er, dass er auf den Gewinn aus der S\u00fcnde verzichtet. Er verzichtet auch auf Diana, die in dem Moment merkt, dass auch sie etwas aufgibt, was f\u00fcr sie eine Quelle des Gl\u00fccks war. Im Paralleluniversum der christlichen Spiritualit\u00e4t kennen wir F\u00e4lle von Heilung durch Vers\u00f6hnung mit Gott und dem Ehepartner. Dummerweise muss eben einer nur anfangen und zuerst klein beigeben. Dieses Beispiel kann die Seele des anderen zu einer Reinigung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufl\u00f6sung ist das Einzige, das in der spirituellen Welt so nie passieren w\u00fcrde. Der Teufel ist neidisch auf unser Gl\u00fcck und w\u00fcrde anders als John niemals jemanden freigeben, geschweige denn mit einer L\u00fcge den Ausstieg aus dem Leben in S\u00fcnde leicht machen. Im Gegenteil. Er w\u00fcrde mit neuen Deals kommen oder mit Erpressung arbeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Wohin, wenn man sich verrannt hat und das Ziel aus den Augen verloren? Wohin, wenn man nicht mehr weiter wei\u00df oder der Sinn des Lebens einfach weg ist? <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Piotr_Pawlukiewicz\">Dr. Piotr Pawlukiewicz<\/a> &#8211; ein beliebter Prediger und erfahrener Pastoraltheologe &#8211; gibt in einer seiner Predigten den Hinweis: Gehe zur\u00fcck an den Anfang und finde heraus, warum du den Weg gew\u00e4hlt hast. Genau das tun Diana und David. Sie treffen sich dort, wo ihre Ehe angefangen hat. Auch das hat eine spirituelle Bedeutung. Wir Katholiken glauben, dass die Taufe alle S\u00fcnden tilgt und sollte es n\u00f6tig sein, dann bietet das Sakrament der Vers\u00f6hnung die einzigartige M\u00f6glichkeit ganz neu anzufangen &#8211; so neu, als w\u00e4re noch nie etwas gewesen und das auch zum hundertsten Mal. Die Schuld wird nicht verrechnet oder dr\u00fcber gepinselt. Sie ist weg als w\u00e4re sie nie da gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anatomie der S\u00fcnde<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ein unmoralisches Angebot&#8220; ist eine Studie der S\u00fcnde mit allen ihren Elementen wie der Versucher, \u00c4rger \u00fcber sich selbst, die Reue und die Vers\u00f6hnung und Neuanfang. Es ist Theologie in einem s\u00e4kularen Gewand. Robert Redford als der ewige Gentleman spielt einen raffinierten und subtilen Versucher. Wenn nicht er, h\u00e4tte ich diese &#8222;Schnulze&#8220; vielleicht nie geguckt. Und das w\u00e4re echt schade.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Redford geh\u00f6rte unstreitig zu den Gr\u00f6\u00dften des Hollywoods. Was ihn auszeichnete, war sein Privatleben, das angeblich von Ruhe und Bescheidenheit gepr\u00e4gt war und seine ganz besondere Rollen (wenig Action, viel Menschliches). Er verstarb im hohen Alter im Kreis seiner Familie. 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