{"id":1392,"date":"2023-02-01T19:00:00","date_gmt":"2023-02-01T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1392"},"modified":"2023-02-02T18:20:23","modified_gmt":"2023-02-02T17:20:23","slug":"unterscheidung-der-geister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1392\/unterscheidung-der-geister","title":{"rendered":"Unterscheidung der Geister"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/1joh4.html#1\" target=\"_blank\">Die Geister pr\u00fcfen<\/a>&#8220; ist eine christliche Pflicht. So der Apostel Johannes in seinem ersten Brief. Doch was das ist und wie es geht, schreibt er nicht. In den zwanzig Jahrhunderten des Christentum wurde zu dem Thema mal mehr mal weniger &#8222;geforscht&#8220;. Heute ranken sich um diesen Begriff Legenden. Sie reichen von extrem anspruchsvollen Exerzitien bis hin zum reinen Bauchgef\u00fchl. Die Tiefe ist nach wie vor nicht vollst\u00e4ndig erforscht. Auf jeden Fall z\u00e4hlt es zu den K\u00f6nigsdisziplinen des christlichen Lebens &#8211; gleich neben Akese und christlichen N\u00e4chstenliebe. Was man mit Sicherheit dar\u00fcber sagen kann und wo man die spirituellen Augen und Ohren aufmachen muss, um die Mystik des Unsagbaren wahrzunehmen, soll in diesem Beitrag zu Sprache kommen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum?<\/h2>\n\n\n\n<p>Bevor wir ins medias res gehen, kl\u00e4ren wir, was Apostel Johannes damit meinte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Liebe Br\u00fcder, traut nicht jedem Geist, sondern pr\u00fcft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen. Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, \u00fcber den ihr geh\u00f6rt habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt. Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt sie besiegt; denn Er, der in euch ist, ist gr\u00f6\u00dfer als jener, der in der Welt ist. Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt h\u00f6rt auf sie. Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, h\u00f6rt auf uns; wer nicht aus Gott ist, h\u00f6rt nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/1joh4.html\">1 Joh 4, 1-6<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In der fr\u00fchen Kirche gibt es neben dem offiziellen Amt der Apostel viele charismatisch begabte Christen aber auch Menschen, die einen Weg suchen, um das Christentum an ihren bisherigen Lebensstil anzupassen. Letzte verdrehen die Lehre der Apostel f\u00fcr viele unbemerkbar (weshalb die apostolischen Briefe &#8211; vor allen die paulinischen &#8211; konkrete Namen von falschen Lehrern enthalten). Es sind nicht die falschen Propheten, die als schwache menschliche Wesen zu verurteilen sind, sondern der Geist, der sich der Menschen bedient. Dieser Geist hat viele Namen: &#8222;der gro\u00dfe Verf\u00fchrer&#8220;, &#8222;Vater aller L\u00fcge&#8220;, &#8222;der Ankl\u00e4ger&#8220; (Satan), &#8222;der Verleumder&#8220; (Diabolos). Er ist nicht st\u00e4rker als Gott aber er ist da und trachtet danach, uns zu verwirren, so dass wir nicht mehr erkennen, welcher Weg zu Gott f\u00fchrt. Wenn wir zu Gott &#8211; unserem Sch\u00f6pfer und liebenden Vater &#8211; wollen, m\u00fcssen wir den Weg kennen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Seid n\u00fcchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein br\u00fcllender L\u00f6we umher und sucht, wen er verschlingen kann.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/1petr5.html#8\">1 Petr 5,8<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8230; ermahnt uns Petrus. Die Pfade sind von au\u00dfen betrachtet oft einander sehr \u00e4hnlich aber sie f\u00fchren nicht zu demselben Ziel!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geist oder Geister?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sprechen im Plural, weil wir zun\u00e4chst zwischen zwei Geistern unterscheiden: Gott und &#8222;dem Feind&#8220;. Die Kirchenv\u00e4ter stellen im Bezug auf die Bibel fest, dass es eher zwei Reiche sind: Gott mit seinen Boten (Engeln und Propheten) und dem Widersacher und seinen D\u00e4monen. Doch D\u00e4mon ist nicht gleich D\u00e4mon! Im <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/ixtheo.de\/Record\/012788430\" target=\"_blank\">Gerontikon<\/a> (eine niedergeschriebene Sammlung von Lehren, Erkenntnissen und S\u00e4tzen von W\u00fcstenv\u00e4tern des fr\u00fchen Christentums) und insbesondere in den Lehren des M\u00f6chsvaters Antonius von Alexandrien werden viele Ph\u00e4nomene als D\u00e4monen bezeichnet, die wir heute unter dem Begriff der &#8222;psychischen St\u00f6rungen&#8220; kennen. (In Wahrheit bedeutet das nicht, dass es nur die Depression g\u00e4be aber keinen Geist der inneren Faulheit und Verzweiflung, der Menschen vor der Auseinandersetzung mit den eigenen Schw\u00e4chen und somit Fortschritt im geistlichen Leben abhalten w\u00fcrde. Manchmal ist es vielleicht sogar Beides gleichzeitig. Und manchmal ist die Krankheit eine Folge seines Treibens.) Dann gibt es noch einen dritten Geist, der interagiert und zu unterscheiden ist: der Mensch selbst. Seine Sehns\u00fcchte, \u00c4ngste, Begabungen, seine Lebensgeschichte und sein Charakter pr\u00e4gen seine Entscheidungen. Deshalb muss der Mensch sich selbst gut kennen und ehrlich mit sich selbst sein, sonst sitzt er Tr\u00e4umen auf, statt in Wahrheit nach dem Ruf Gottes zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon spricht auch Papst Franziskus in seiner Generalaudienz vom <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2022\/documents\/20221005-udienza-generale.html\">5. Oktober 2022<\/a>: unsere offene Flanken im Leben sind oft unser Schwachpunkt, an dem wir unbemerkt hin und her bewegt werden k\u00f6nnen und dabei glauben, diese oder jene Ausrichtung w\u00e4re unser eigene Wille.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg oder die Wege?<\/h2>\n\n\n\n<p>Es wird gerne behauptet, Gott h\u00e4tte DEN Plan. Ja, Gott hat einen Plan f\u00fcr uns alle &#8211; seinen Heilsplan. Dazu geh\u00f6ren die moralischen Vorschriften, die er uns in der Bibel und der Lehre der Apostel und seiner Nachfolger hinterlassen hat, genauso wie die pers\u00f6nliche Beziehung zu ihm selbst. Zugleich aber auch ein klares Nein: Gott hat mit uns etwas vor und begabt uns individuell. Doch er hat nicht &#8222;den einen besten Weg&#8220;, den wir nur erkennen und gehen m\u00fcssten und es wird alles gut und wir selbst gl\u00fccklich und v\u00f6llig ohne Leiden. Diese Vorstellung l\u00e4sst die menschliche Freiheit au\u00dfer Acht &#8211; und die ist das gr\u00f6\u00dfte Geschenk Gottes. <\/p>\n\n\n\n<p>Spekulieren wir etwas! Wenn es so ist, wie man in Deutschland gerne sagt &#8222;Gott k\u00f6nne auch auf krummen Zeilen gerade schreiben&#8220;, dann wird er in jeder Situation das Beste erreichen. In einer kaputten Welt und in der kaputten menschlichen Natur wird er &#8211; wenn wir es zulassen &#8211; Schritt f\u00fcr Schritt mit seinem Willen sein Reich aufbauen. Diesen seinen Willen genau im passenden Moment zu erkennen und umzusetzen ist deshalb der eigentliche Grund der Unterscheidung der Geister. Vielleicht ist man objektiv gesehen der zweitbeste oder der drittbeste Kandidat f\u00fcr die Leitungsfunktion aber man hat die Begabung, auf Menschen zu h\u00f6ren und sie zu begeistern, so dass sie freiwillig folgen. Gott braucht manchmal nicht den durchsetzungsst\u00e4rksten Leiter, sondern einen, der begeistern kann. Manchmal ist ein Hobby-Gitarrist besser geeignet als ein Profi-Kirchenmusiker, der den Geist des Lobpreises nicht erahnen kann. Und manchmal muss es eben der Profi sein. Wir erfahren nie warum. Gottes Wege sind nicht unsere Wege! (vgl. <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/jes55.html\">Jes 55,8<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kommt man zur Unterscheidung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der erste und wichtigste Ort der Unterscheidung ist das Gewissen. Es ist nicht nur dazu da, um Gut und B\u00f6se zu unterscheiden! Dazu reicht meist der menschliche Verstand und die objektiven Kriterien, die uns die Kirche in verbindlichen Dokumenten vorlegt. Im II. vatikanischen Konzil gibt es einen sehr sch\u00f6nen Abschnitt dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Denn der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine W\u00fcrde ist und gem\u00e4\u00df dem er gerichtet werden wird. Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html\">Gaudium et spes 16<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ist der Ort, wo der Mensch allein mit Gott ist. Diesen Ort muss man betreten wollen und auch die Zeit mitbringen, um mit Gott in Dialog zu treten. Freilich ist das f\u00fcr einen Durchschnittskatholiken schon eine geh\u00f6rige Herausforderung. In einer Zeit, in der der Mensch \u00fcberall ist (auf dem Mond, unterm Wasser, in der Luft oder \u00fcber Soziale Netzwerke am anderen Ende der Welt) nur nicht bei sich selbst, f\u00e4llt es keinem leicht &#8222;die Welt anzuhalten und auszusteigen&#8220;. Es ist auch etwas Angst dabei, sich in die W\u00fcsste zu begeben. Jesus war es sehr wichtig, Zeit alleine mit seinem Vater zu verbringen. Vor allen wichtigen Ereignissen in seinem Leben &#8211; so schildern es die Evangelien &#8211; ging Jesus in die W\u00fcste oder in die Einsamkeit, um zu beten. Die W\u00fcste steht in der Bibel nicht nur als Ort der Lebensgefahr und der Reinigung, sondern auch als Ort der Ehrlichkeit und der Gottesbegegnung (Sinai). Zu diesem Ort muss der Christ ganz alleine gelangen, denn die verborgenste Mitte ist ein &#8222;intimer&#8220; Ort, wo er nackt vor Gott ist. (Vgl. Adam im Garten Eden)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wegweiser<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Wahl, die der Mensch treffen muss, ist zwischen gut und besser. Da wir die Zukunft nicht kennen und nur spekulieren k\u00f6nnen ob nun Tugendethik oder Verantwortungsethik ein Problem besser l\u00f6sen kann, steht Gott jedem Menschen (auch dem Nichtchristen) zur Seite. Das kann ein Prophet (ein anderer Mensch, der die Dinge so darstellt, wie Gott sie sieht), ein Engel (gr. f\u00fcr Agellon = der Bote &#8211; eine allgemeine Bezeichnung f\u00fcr alle, die aus Verbundenheit mit Gott handeln) oder eine innere Regung (Bilder, Ideen, Gedanken, Tr\u00e4ume und Anregungen) sein. Aber auch hier m\u00fcssen wir zwischen den &#8222;Boten des Himmels&#8220;und den &#8222;Boten des Verf\u00fchrers&#8220; unterscheiden. Hilfreich sind in diesem Moment drei Dinge, die wegen ihren Umfangs einzeln vorgestellt werden sollen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wissen um die Gefahren<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8222;Der M\u00f6nchsvater Antonius&#8230;&#8220; so fangen einige fr\u00fchchristliche Erz\u00e4hlungen \u00fcber das Leben des Heiligen an. Die sog. Apoflegmata enthalten kurze Geschichten oder Reden, an denen das Wirken der Geister in seinem Leben und dem seiner Mitbr\u00fcder und Nachfolger gelernt werden kann. Aus seinem Mund soll der Spruch stammen: &#8222;Quidquid inquietat est a diabolo&#8220; =&#8220;Alles, was beunruhigt, kommt vom B\u00f6sen&#8220;. (Dabei ist das Angstmachede gemeint, nicht die heilige Unruhe in der Suche nach Gemeinschft mit Gott.) Im Gerontikon (dem Buch der Alten = der W\u00fcstenv\u00e4ter) finden wir einen weiteren Hinweis: &#8222;Jede \u00dcbertreibung kommt vom B\u00f6sen&#8220;. Diese Erkenntnis wird sp\u00e4ter Ignatius von Loyola wieder aufgreifen und sagen, dass der Feind auch als Mutter Gottes erscheinen w\u00fcrde, um die Seele zum \u00dcbertreiben im geistlichen Leben und folglich zum Zusammenbrechen unter der Last zu bewegen. (So wird aus gut angeblich besser doch am Ende schlimmer.)<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Hinweise geben uns Evagrius von Pontus oder Antonius von Alexandrien: Jeder Geist hat seine eigene Taktik und Spezialgebiet. Teils werden sie den 7 Haupts\u00fcnden zugeordnet, teils als Gegenteil zu den G\u00f6ttlichen und Kardinaltungenden verstanden.  (Deshalb ist es immer gut die 14 Begriffe zu  kennen.) Aber auch der Tipp, dass diese D\u00e4monen vor allem damit arbeiten, was in uns ist und damit \u00fcbertreiben, ist Gold wert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u2026. verhalten sie sich selbst so gegen uns, wie sie uns antreffen, und <strong>nach den Gedanken, die sie in uns finden<\/strong>, gestalten sie auch ihre Trugbilder. Wenn sie uns nun <strong>feige und in Verwirrung finden, dann eilen sie sogleich herbei wie R\u00e4uber<\/strong>, die einen Platz ohne Bewachung treffen; und <strong>was wir von uns selbst denken, das vergr\u00f6\u00dfern sie noch<\/strong> obendrein. Wenn sie uns furchtsam und feige sehen, dann vermehren sie die Mutlosigkeit durch ihre Erscheinungen und Drohungen, und die arme Seele wird damit gefoltert.<\/p>\n<cite>Hl. Antonius von Alexandrien<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In diese Reihe der &#8222;Forscher&#8220; der Unterscheidung der Geister darf Ignatius von Loyola nicht fehlen, der diese Erkenntnisse aufgreift aber auch neue hinzuf\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Feind, versucht diejenigen, die er schon in der Hand hat &#8222;einlullen&#8220;, w\u00e4hrnd Gottes Geist eine heilige Unruhe verursacht. (Und umgekhert)<\/li>\n\n\n\n<li>Zunahme an Glaube, Hoffnung und Liebe, Ruhe und innerer Frieden, Trost als Anzeichen der Entscheidung f\u00fcr die Regungen Gottes und das Gegenteil (Tr\u00e4gheit, Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit) bei falscher Entscheidung<\/li>\n\n\n\n<li>In Zeiten ausbleibender Gottesn\u00e4he die Entscheidungen nicht revidieren, sonder umso mehr auf Gott hoffen; Gebet, Besinnung und Erforschung der Seele betreiben. Und in Zeiten der Tr\u00f6stung Kr\u00e4fte sammeln, dem\u00fctig bleiben und sich der N\u00e4he Gottes erfreuen. (Agere contra-Regel)<\/li>\n\n\n\n<li>Der Feind wird als guter Stratege immer zuerst dort angreifen, wo wir auf verbundbarsten sind (die gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chen werden zuerst ausgenutzt)<\/li>\n\n\n\n<li>Der Feind will nicht aufgedeckt werden, weshalb er immer zum Verheimlichen tendieren wird.  <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vertrautheit mit Gottes Stimme<\/h3>\n\n\n\n<p>Das weitere Mittel der Unterscheidung der Geister ist schon bei Ignatius angeklungen: Nachdem man &#8211; ganz ohne Bewerten &#8211; wahrgenommen hat, was in einem selbst vorgeht, sollte man den Regungen nachgehen und schauen, woher sie kommen: Sind es meine (unbewussten) W\u00fcnsche oder Gottes Idee f\u00fcr den Zeitpunkt in meinem Leben? Wohin f\u00fchren sie mich? In die Verzfeilflung oder Hochmut (&#8222;Du wirst es nie schaffen&#8220; oder &#8222;Das machst du mit links&#8220; vgl. \u00dcbertreibung)? Bleibe ich noch in Gottes Ordnung oder schafe ich Realit\u00e4t au\u00dferhalb seiner Gesetze?<\/p>\n\n\n\n<p>Viel einfacher haben es Charismatiker und Menschen mit einer pers\u00f6nlichen Beziehung zu Gott, denn Ihr Leben richtet sich stets nach seinem Willen. Sie kennen den warmen und einladenden Klang seiner Stimme, so wie die Schafe die Stimme des Sch\u00e4fers wieder erkennen und nur ihm folgen (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/joh10.html#27\" target=\"_blank\">Joh 10,27<\/a>). <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2022\/documents\/20221005-udienza-generale.html\" target=\"_blank\">Papst Franziskus spricht in seiner Katechese von &#8222;Passw\u00f6rtern&#8220;, die unser Inneres \u00f6ffnen &#8211; und zwar f\u00fcr jeden, der sie kennt<\/a>. Diese Passw\u00f6rter von der ermutigenden und liebevoll einladenden Stimme des Herrn zu unterscheiden, \u00fcbt man mit unter ein Leben lang. Es nicht zu tun gleicht einem Wettlauf mit verbundenen Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ignatius selbst empfiehlt die t\u00e4gliche Gewissenserforschung (im Sinne einer Achsamkeits\u00fcbung) und eine ausgedehnte Meditation der Heiligen Schrift als \u00dcbung. Ohne Anleitung ist das nicht sehr hilfreich, weshalb ich nur auf diese Option hinweisen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geistliche Begleitung<\/h3>\n\n\n\n<p>Da keiner von uns als Weltrekordhalter geboren ist, braucht es Training und Trainer. Menschen, die in einer Sportart besonders gut waren und wertvolle Tipps weiter geben k\u00f6nnen, werden zu Trainern. Nicht anders ist es im geistlichen Leben: Wer auf dem geistlichen Weg geht, kennt sowohl die Gefahren (erkennt sie fr\u00fchzeitig) und wei\u00df, wie schwierig es manchmal ist, Gottes Stimme unter den Tausenden von Sprechern zu erkennen. Mit dieser Sensibilit\u00e4t ist er ein geegneter Spiegel f\u00fcr den Ratsuchenden. Das ist die Empfehlung des Hl. Ignatius. Man mennt es die geistliche Begleitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sonderfall dieser T\u00e4tigkeit ist die Beichte, in der auch Unsicherheiten und Fragen auftauchen, die der Beichtvater mit Gottes Gnade erkennt und mit dem Licht des Heiligen Geistes auch aufkl\u00e4ren kann. Als Christen glauben wir sowieso, dass Gott alles bekannt ist &#8211; auch die Geheimnisse unseres Herzens &#8211; und er die Kraft hat, es jemand anders zu offenbaren &#8211; so wie er es schon mit Pharao und Josef getan hat. In diesem Vertrauen wird der Geistliche Begleiter zur hilfreichen 3. Quelle f\u00fcr Best\u00e4tigung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist mit dem Charisma der Unterscheidung der Geister?<\/h2>\n\n\n\n<p>Nun werden die bibelfesten Christen sicher nicht zulassen, dass dieses Thema hier ausgelassen w\u00fcrde. Die im <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/1kor12.html#10\" target=\"_blank\">1 Kor 12,10 erw\u00e4hnte Gabe<\/a> (gr. Charisma) hat eine Sonderstellung. Sie ist werder ganz ausgel\u00f6st, von dem, was wir bereits kennen gelernt haben, noch ist sie eine besondere\/eigene Technik oder gar blo\u00dfe \u00dcbungssache. Sie ist ein Geschenk ohne Verdienste aber mit einem Ziel. Sie soll &#8211; wie alle Charismen &#8211; allen nutzen. So ist sie eine Salbung f\u00fcr Geistliche Begleiter und zugleich einer der Dienste in der F\u00fchrung (Pfarrei, Gebetskreis oder andere geistliche Gruppe). In Zeiten gro\u00dfer Verwirrung hilft sie, die Stimme des Herrn herauszuh\u00f6ren, teilweise ganz ohne die Argumente vollst\u00e4ndig zu h\u00f6ren und zu erfassen. Diejenigen, die mit ihr dienen, m\u00fcssen sich sehr sicher sein, dass sie richtig h\u00f6ren, denn andere verlassen sich auf sie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo ist die Geisterunterscheidung noch wichtig?<\/h2>\n\n\n\n<p>Gerne bezieht man die Unterscheidung im pers\u00f6nlichen Leben mit ein. Ein Leben mit Gott ist vielleicht nicht leichter aber immer sch\u00f6ner und sinnvoller. Das Einsatzgebiet der K\u00f6nigsdisziplin und zugleich des geistlichen Basics ist sehr weit. Es reicht bis hin in die Entscheidungen des Papstes f\u00fcr das Volk Gottes. Nach der Amazonas-Synode trifft Franziskus eine wichtige Nichtentscheidung: er entscheidet sich nicht f\u00fcr die Priesterweihe f\u00fcr verheiratete \u00e4ltere M\u00e4nner, sondern verweist auf die fehlende Unterscheidung. Argumente gibt es daf\u00fcr zuhauf. Dagegen auch. Aber was will Gott? Es war eine der erstaunlichsten und mutigsten Entscheidungen von Franziskus. Die Frage nach dem Warum ist aus seiner sicht nicht beantwortet. Nicht sachlich, sondern geistlich fehlt eine eindeutige Antwort. Und in der Zeit der Trostlosigkeit trifft man keine Entscheidungen, wenn sie nicht klar sind &#8211; meinte dazu Ignatius.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, diese Zusammenfassung unseres Geistlichen Weekends der <a href=\"https:\/\/www.cetrier.de\/saar\/\">CE Riegelsberg<\/a> (mit einigen Erg\u00e4nzungen) gibt einen guten Einblick in das &#8222;sagenumwobene&#8220; Thema und macht es &#8222;handlicher&#8220;. Bei Fragen stehen Euch selbstverst\u00e4ndlich die Geistlichen vor Ort zur Verf\u00fcgung. Ihre Teilhabe am Hirtenamt des Bischofs wird hoffentlich daf\u00fcr sorgen, dass sie verantwortungsvoll Eure Fragen beantworten bzw. jemanden empfehlen, der dieses Thema der Spiritualit\u00e4t gut kennt. Etwas Vorsicht sollte man jedoch bei (ausgerechnet!) Jesuiten walten lassen. Schlie\u00dflich glaubt ja auch jeder Mann ein guter Autofahrer zu sein, wenn Ihr versteht, was ich meine&#8230; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Geister pr\u00fcfen&#8220; ist eine christliche Pflicht. So der Apostel Johannes in seinem ersten Brief. Doch was das ist und wie es geht, schreibt er nicht. In den zwanzig Jahrhunderten des Christentum wurde zu dem Thema mal mehr mal weniger &#8222;geforscht&#8220;. Heute ranken sich um diesen Begriff Legenden. 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