{"id":1370,"date":"2022-07-03T11:48:28","date_gmt":"2022-07-03T09:48:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1370"},"modified":"2022-12-23T21:16:54","modified_gmt":"2022-12-23T20:16:54","slug":"was-heisst-hier-bitte-konservativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1370\/was-heisst-hier-bitte-konservativ","title":{"rendered":"Was hei\u00dft hier bitte &#8222;konservativ&#8220;?"},"content":{"rendered":"\n<p>Oft h\u00f6rt man den Einwand einer &#8222;beleidigten Leberwurst&#8220; (vgl. Botschafter Melnyk), die sich gegen das Ettikett &#8222;X&#8220; wehrt. (Nat\u00fcrlich nicht zu vergessen: Loriots &#8222;Woas bin i?&#8220; des bayrischen Vertreters in der abstrusen politischen Diskussion.) Er soll den Redner als  falsch informierten Zeitgenossen diskreditieren. Diese Abwehrhaltung erwartet eine Antwort auf die Frage, was das Etikett &#8222;X&#8220; tats\u00e4chlich bedeutet. Was bedeutet &#8222;konservativ&#8220; tats\u00e4chlich? Ist es nur politisch zu verstehen und wirklich Schuld am Ungl\u00fcck des rastlosen modernen Menschen, wie es uns die Medien wei\u00df machen wollen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In einem kleinen St\u00e4dchen fand ich ein sch\u00f6nes &#8222;Bild des Konservativen&#8220;. Jedes Detail kann zum Spiegelbild dieser Weltanschauung und auf die Gegenwart bezogen werden. Mit anderen Worten &#8222;ein Bild des Konservatismus&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01.jpeg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01-576x1024.jpeg\" alt=\"Das besagte Bild\" class=\"wp-image-1371\" srcset=\"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01-576x1024.jpeg 576w, https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01-169x300.jpeg 169w, https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01-768x1365.jpeg 768w, https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01-864x1536.jpeg 864w, https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/07\/IMG20220626132807-04-01.jpeg 1125w\" sizes=\"(max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Haus ist sehr gepfleg und sch\u00f6n anzusehnen. Es macht viel Freude, den Blick darauf zu richten und die Ansicht zu genie\u00dfen. Es st\u00f6rt ja nicht, dass es alt ist. Im Gegenteil: Eben weil es alt ist, wirkt es so anziehend. Die Liebe zum Detail und die nahezu perfekte Proportionen zwischen den Bestandteilen rufen allgemein Begeisterung hervor. <\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man genauer, was &#8222;alt&#8220; bedeutet, stellt man fest: diese relative Gr\u00f6\u00dfe des Alters ist in diesem Fall fast nur eine Randbemekrung wert. Das Haus ist nicht wirklich alt. Gesch\u00e4tzt stammt es aus dem 18. oder gar 19. Jahrhundert und folgt den damaligen Sch\u00f6nheitsidealen. Angesichts des Alters der Erde ist es eher unbedeutend. Auch &#8222;konservativ&#8220; meint die Werte, Normen und Prinzipien, die in den letzten Jahrhunderten als wesentlicher Bestandteil einer Gesellschaft hervorgebracht wurden. Nicht Cicero oder Walter von der Vogelweide sind die ausschlaggebende Gr\u00f6\u00dfen. Es gibt zwar uralte Fundamente wie Jesus  Christus oder die griechischen Philosophen aber sie sind nicht das ganze Geb\u00e4ude. Vor allem die Fassade eines Hauses ist meist nur die heutige Vorstellung, von dem, wie sie h\u00e4tte aussehen sollen. So gilt f\u00fcr ungebildete Mitb\u00fcrger ein despotisches Patriarchat als konservativ. Nichts falscher als das! Es ist wie die knall gelbe Farbe des Hauses, die sicherlich nicht original ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das angebaute T\u00fcrmchen ist der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Bauherrn zu verdanken. Es ist nicht notwendig. Aber es macht die Sch\u00f6nheit des Objektes aus. So sind manche Sitten und Br\u00e4uche des konservativen Mannes werder notwendig, noch verpflichtend: Der Dame die T\u00fcr aufhalten; einer \u00e4ltren Reisenden oder einer Schwangeren im Bus den Sitzplatz \u00fcberlassen; Frauen zuerst gr\u00fc\u00dfen und erw\u00e4hnen oder ihnen schwere Lasten\/Arbeiten abnehmen. In Zeiten von Gleichberechtigung und freier tempor\u00e4rer Geschlechterwahl ist es schlichtweg unn\u00f6tig. Es gilt als ein Ausdruck der Wertsch\u00e4tzung. Mag der Anbau nicht aus reiner Liebe zur \u00c4sthetik entstanden sein &#8211; vielleicht nur ein bescheidener Ausdruck des Reichtums des Erbauers &#8211; so ist es dennoch im Gesamtkonzept stimmig und bereichernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Faszinierend sind die Fenster. Sie sind keine 200 Jahre alt. Sie sind modern und gut ged\u00e4mmt. Sie sind neu. Auch das, was hinter ihnen noch zu erkennen ist, wirkt sehr zeitgen\u00f6ssisch, um nicht zu sagen: &#8222;modern&#8220;. Statt Kerze oder Blumen (und obligatorischen Gardinen) erkennen wir moderne Lampen und schlichte Gew\u00e4chse. In der Analogie gilt: Ein moderner Mensch kann sich sehr wohl modern in einem konservativen Gedankenkonstrukt h\u00e4uslich einrichten. Konservatismus ist weder totalit\u00e4r noch intolerant. Konservatismus ist das Haus von Werten, in dem jeder sich nach eigenem Geschmack einrichten kann. Das hat nat\u00fcrlich Grenzen: man kann nicht nach Belieben W\u00e4nde verschieben, ohne die Statik des ganzen zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Meter lange Glasfronten und Boden  Fenster sind ebenso wenig m\u00f6glich oder passend. Man braucht in einem solchen Haus kein Panoramabild der Au\u00dfenwelt. Das st\u00e4ndige Betrachten des &#8222;Jenseitigen&#8220; kann sich ohnehin nur derjenige leisten, der zu viel Zeit hat und zudem nicht in seiner eigener Welt leben kann. Diesen Spiegel braucht der Konservative nicht. In der Naturrechtslehre findet er alles, was der &#8222;Ordnung&#8220; der Welt dient. Er braucht nur Licht &#8211; den limitierbaren Kontakt mit &#8222;Drau\u00dfen&#8220;. Daf\u00fcr sind gro\u00dfe Glasfl\u00e4chen unn\u00f6tig. Die W\u00e4nde sch\u00fctzen die Intimit\u00e4t des Ichs, die Fenster verbinden dagegen mit den Anderen. Wer einen Sonnenbad w\u00fcnscht, wird nicht umhin kommen, das Geb\u00e4ude zu verlassen. So haben es die Menschen vor Jahrhunderten gehandhabt. Sie lebten draus\u00dfen &#8211; setzten sich der Sonne aus. Das Zuhause war dagegen ein sch\u00fctzender Hafen. Der konservative Mensch, kann sich entspannt in der modernen Welt bewegen, kann sich ihr aussetzen. Er wei\u00df ja, wo sein Zuhause ist und wo alles in einer bestimmten Ordnung anzutreffen ist. Diesen Luxus hat der Modernist nicht. Er ist getrieben von seiner Unruhe und seinem Wunsch, alle anderen an sein stets dem Wandel unterworfenes Ich anzupassen. Selbst heimatlos und f\u00fcr die Umgebung kein Fels in der Brandung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zahn der Zeit nagt immer an der Bausubstanz. Ein Dach als sch\u00fctzende Au\u00dfenh\u00fclle muss alle 30-40 Jahre gewartet und konserviert werden. Gro\u00dfe Zeitabst\u00e4nde f\u00fcr eine Einrichtung, die das Ganze vor dem schnellen Verfall bewahrt! Die Art und Weise des Schutzes der konservativen Werte ist in \u00e4hnlichen Zeitabst\u00e4nden anzupassen. Lange haben wir und darauf verlassen, das Ehe un Familie von unserer Verfassung gesch\u00fctzt w\u00fcrden oder Kreuze in \u00c4mtern und Klassenr\u00e4umen selbstverst\u00e4ndlich seien. Das eine wurde umdefiniert, das andere im Namen einer falsch verstanden Toleranz verboten. Es wirkt aberwitzig, wenn Frau Innenminister von &#8222;Werten, auf die wir uns in der Demokratie verst\u00e4ndigt haben&#8220; und von &#8222;Toleranz&#8220; spricht aber das Abh\u00e4ngen der Kreuze und das Aufh\u00e4ngen der linksideologischer Regenbogenfahnen f\u00f6rdert. Nein, darauf haben wir uns nicht verst\u00e4ndigt. Und schon gar nicht darauf, dass der Staat unsere Kinder indoktriniert! Es ist nur eine Wunschvorstellung einer Politikerin mit einer starken Schlagseite. Dass ihrem Treiben niemand Einhalt gebieten kann, liegt schlichtweg daran, dass wir keine konservative Partei mehrin Deutschland haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mag das eine oder andere Detail in diese Betrachtung nicht eingeflossen sein, so gilt dennoch das Bild als Metapher f\u00fcr das Konservative. Auch die schlichte Tatsache, dass das denkmalgesch\u00fctzte Bauwerk nicht im Freilichtmuseum steht, sondern an einer viel befahrener Stra\u00dfe steht, kann uns als Hinweis dienen: &#8222;Konservativ&#8220; ist kein archaischer Artefakt, sondern mitten im Leben anzusiedeln. Obgleich es den meisten nur als ein Haus unter vielen begegnet, verliert es dennoch seine Strahkraft nicht und bleibt ein erstrebenswertes Faszinosum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft h\u00f6rt man den Einwand einer &#8222;beleidigten Leberwurst&#8220; (vgl. Botschafter Melnyk), die sich gegen das Ettikett &#8222;X&#8220; wehrt. 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