{"id":1356,"date":"2022-02-20T19:21:47","date_gmt":"2022-02-20T18:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1356"},"modified":"2022-02-20T19:21:48","modified_gmt":"2022-02-20T18:21:48","slug":"zeichen-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1356\/zeichen-der-zeit","title":{"rendered":"Zeichen der Zeit"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Zur Erf\u00fcllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten.<\/p><cite><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html\">Gaudium et spes (4) &#8211; pastorale Konstitution \u00fcber die Kirche in der Welt von heute<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>hei\u00dft es in dem Dokument des II. Vatikanischen Konzils. Der Abschnitt bedeutet sinngem\u00e4\u00df: die Kirche muss die Ver\u00e4nderungen in der Welt und Gesellschaft wahrnehmen und aus dem Evangelium heraus dem suchenden Menschen Antwort zu geben. Im weiteren Teil des Schreibens gibt das Konzil konkrete Antworten. Besonders im Punkt 14 f\u00e4llt eine interessante und eindeutige Antwort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das leibliche Leben darf also der Mensch nicht geringachten; er muss im Gegenteil seinen Leib als von Gott geschaffen und zur Auferweckung am J\u00fcngsten Tage bestimmt f\u00fcr gut und der Ehre w\u00fcrdig halten.<br>Durch die S\u00fcnde aber verwundet, erf\u00e4hrt er die Widerst\u00e4nde seiner Leiblichkeit.<br>Daher verlangt die W\u00fcrde des Menschen, dass er Gott in seinem Leibe verherrlichen und ihn nicht den b\u00f6sen Neigungen seines Herzens dienen lasse.<\/p><cite><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html\">Gaudium et spes (14) &#8211; pastorale Konstitution \u00fcber die Kirche in der Welt von heute<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der menschliche Leib ist zur Heiligung bestimmt und soll &#8211; wie Apostel Paulus sagt &#8211; in den Dienst Gottes gestellt werden, genauso wie die Seele und der Verstand. Davon scheinen einige Kreise in der katholischen Kirche in Deutschland abzuweichen. Anscheinend ist ihnen die Lehre zu hart.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Sollen die Priester heiraten k\u00f6nnen? &#8211; Warum denn nicht, wenn sie sich lieben&#8230;&#8220; &#8211; lautet ein alter Witz \u00fcber das Z\u00f6libat. Viele halten es f\u00fcr nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und beachten erst gar nicht, was die z\u00f6libat\u00e4r lebenden Priester und Bisch\u00f6fe dazu sagen. Die fehlende Pflichtehe f\u00fcr Priester sei &#8211; laut vielen Vertretern des Synodalen Holzwegs &#8211; die Ursache f\u00fcr den sexuellen Missbrauch. (Ganz egal, was die Statistik sagt: wie viele V\u00e4ter, Onkel und Gro\u00dfv\u00e4ter dazu imstande seien oder welche sexuelle Orientierung die meisten T\u00e4ter aus der Kirche dabei an den Tag legten.) Diese Scheindebatte (da die Argumente &#8211; pro und contra &#8211; seit Jahrzehnten offen liegen) wird immer wieder aufgew\u00e4rmt, ist aber nicht das Schlimmste f\u00fcr die Kirche &#8211; egal wie sie ausgehen mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Di\u00f6zesen haben beschlossen, die bisher \u00fcbertrieben angewandte Praxis der Kontrolle der Lebensf\u00fchrung der Mitarbeiter f\u00fcr falsch zu erkl\u00e4ren. Es ist wahr, dass Gott von der Kirche nicht verlangt, die in Caritas-Kliniken t\u00e4tige Chef\u00e4rzte und Krankenschwestern auf ihren Lebensstil zu \u00fcberwachen. Moralisch und vern\u00fcnftig ist nur: das beste und f\u00e4higste Personal f\u00fcr die Patienten anzubieten. Ebenso sinnvoll und notwendig ist es, im pastoralen Dienst nur die Menschen als Hirten und Seelsorger einzusetzen, die die Sch\u00f6nheit der Weisung Gottes vorleben k\u00f6nnen. (Wir sprechen also nicht von Ausnahmef\u00e4llen, in denen eine Gemeindereferentin mit Kindern sitzen gelassen wird oder sich vom Alkoholiker-Ehemann trennen muss und sp\u00e4ter mit einem anderen Mann versucht, ihrer Aufgabe als Mutter gerecht zu werden!) Denn wie ein sch\u00f6nes polnisches Sprichwort sagt: Das Wort belehrt aber das Beispiel ist ansteckend.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bistum-trier.de\/news-details\/pressedienst\/detail\/News\/kirche-als-angst-freier-raum\/\">Das Bistum Trier &#8211; genauer gesagt: der Generalvikar, die Rechte Hand des Bischofs &#8211; hat den Glauben an die Richtigkeit der Lehre der Kirche verloren<\/a>. Im Grunde ein apostatischer Akt, die Lehre der Kirche f\u00fcr obsolet zu erkl\u00e4ren. Ich wei\u00df nicht, an welchen Gott man in dem gallischen Dorf in der Mustorstra\u00dfe so glaubt aber mein Gott, den ich mit Papst Franziskus gemeinsam habe, ist ein Menschenfreund, der <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/2kor12.html#9\">nicht mehr verlangt als er Gnade zur Erf\u00fcllung gibt<\/a>. &#8222;Gott verlange mehr als m\u00f6glich ist&#8220; &#8211; ist genauso falsch, wie die damit verwandte Erkenntnis: &#8222;Die einen seien zur Erl\u00f6sung, die anderen zur Verdammnis vorher bestimmt und es ist egal, was man tut&#8220;. Diese \u00dcberzeugung ist eine Falle. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlt man sich an Jesus erinnert: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Viele seiner J\u00fcnger, die ihm zuh\u00f6rten, sagten: Was er sagt, ist unertr\u00e4glich. Wer kann das anh\u00f6ren?<\/p><cite><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/joh6.html#60\">Joh 6,60<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich frage mich: Was ist denn an einer lebenslangen Ehe so falsch? Gott hat es so gewollt und uns darauf hin geschaffen. Denkt jemand etwa, dass es denen, die das Kunstst\u00fcck vollbracht haben, leichter f\u00e4llt als jenen, die auf der halben Strecke aufgegeben haben? Nat\u00fcrlich spielen Charakter, Schicksalsschl\u00e4ge und die Lebensumst\u00e4nde eine Rolle. Doch das Vertrauen auf Gott, die Liebe und das Festhalten an seiner Weisung auch! Egoismus und Egozentrismus sowieso&#8230; Deshalb kann man doch das Prinzip nicht in Frage stellen!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Aussage des bisch\u00f6flichen Verwalters macht mich besonders stutzig: niemand solle wegen seiner sexuellen Orientierung Angst haben. Vollkommen richtig! Niemand soll auch etwas bef\u00fcrchten, wenn er die Zahlung der Kirchensteuer einstellt &#8211; die Kirche ist schlie\u00dflich weder ein Unternehmen noch ein Verein. Aber warum soll eine pers\u00f6nliche Schw\u00e4che eines Mitarbeiters berufliche Folgen haben? Auch ich habe Schw\u00e4chen und wenn mein Chef nur w\u00fcsste, wie oft ich keine Lust auf einige Kunden habe oder wie halbherzig ich die Absprachen umsetze&#8230; Aber ich mache es trotzdem, denn es ist mein Job. Deshalb habe ich keine Angst. Ich mache es ja. Ich m\u00fcsste nur Angst haben, wenn ich nicht dahinter st\u00e4nde, was ich in meinem Arbeitsvertrag unterschrieben habe oder sinnvoll und notwendig ist, um meinen Auftrag zu erf\u00fcllen. &#8222;Empfindungen sind Ethisch nicht zu bewerten, Handlungen schon&#8220; &#8211; ist das &#8222;erste Gesetzt&#8220; der Ethik. Deshalb kann ich den Generalvikar nur so verstehen, dass er die Quasi-Ehe unter Homosexuellen nicht als Auflehnung gegen die Lehre der Kirche deuten will. Damit verl\u00e4sst er den Boden der katholischen Kirche und w\u00fcnscht, dass eine schizophrene Lehren-Aber-Nicht-Leben-Haltung nach niederl\u00e4ndischem Modell verst\u00e4tigt wird. Wie die holl\u00e4ndische Kirche und Gesellschaft mittlerweile aussieht, wissen wir ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Bef\u00fcrchtung ist, dass &#8211; wie das jemand im Netz schon erw\u00e4hnt hat &#8211; die Synodale Kakophonie den Satz des Konzils umkehren und das Evangelium durch das Prisma der Zeichen der Zeit lesen will. Was das Konzil als Begr\u00fcndung f\u00fcr seine \u00c4u\u00dferungen zu krankhaften Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft nahm, nimmt die Kirche in Deutschland als Glaskugel, um die Zerrbilder der Gegenwart auf das Depositum Fidei zu projizieren. Das Totschlagargument &#8222;Zeichen der Zeit&#8220; sollte aus dem kirchlichen Wortschatz verbannt werden oder allen Katholiken erneut erkl\u00e4rt werden. Es bedeutet n\u00e4mlich: &#8222;Welche Fragen stellen die Menschen heute und wo muss das Evangelium erneut aufleuchten?&#8220; Die gestellte Fragen mit den darin unterstellten Antworten zu widerspiegeln, l\u00e4sst das Evangelium leider au\u00dfen vor. Antworten g\u00e4be es darin aber genug&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Erf\u00fcllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Gaudium et spes (4) &#8211; pastorale Konstitution \u00fcber die Kirche in der Welt von heute hei\u00dft es in dem Dokument des II. Vatikanischen Konzils. 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