{"id":1332,"date":"2021-09-20T23:32:03","date_gmt":"2021-09-20T21:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1332"},"modified":"2021-09-20T23:34:25","modified_gmt":"2021-09-20T21:34:25","slug":"was-macht-eine-gute-predigt-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1332\/was-macht-eine-gute-predigt-aus","title":{"rendered":"Was macht eine gute Predigt aus?"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt eine Wissenschaft, die man Homiletik nennt. Sie ist ein Teil des Theologiestudiums und von der Kirche vorgeschrieben, um k\u00fcnftige amtstr\u00e4ger und Kleriker auf ihren Dienst als Prediger vorzubereiten. Dennoch hat es jeder von uns schon einmal erlebt, dass eine Predigt langweilig, lang und inhaltsleer ist. Was macht also eine gute Predigt aus?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige Faktoren, die auf die Qualit\u00e4t Einfluss haben. Zuerst einmal muss aber gesagt werden, dass  es Faktoren gibt, die nicht objektiv sind. Jeder Zuh\u00f6rer hat eigene Vorlieben, eine eigene Pr\u00e4gung und einen anderen Bedarf. Die einen brauchen eine intellektuelle Herausforderung, die anderen eine St\u00e4rkung in der schweren Zeit noch andere w\u00fcnschen sich eine sch\u00f6ne literarische Sprache. Es ist also unm\u00f6glich, allen gleicherma\u00dfen gerecht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Faktoren garantieren jedoch ein zuverl\u00e4ssiges Fundament f\u00fcr eine gelungene Predigt. Aus meiner Sicht sind es vor allem die drei: L\u00e4nge, Pointe und das rhetorische Handwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Man erz\u00e4hlt sich unter den Theologen den Witz, dass ein junger Priester f\u00fcr den kranken Bischof die Eucharistie feiern soll. Er ist sich schrecklich unsicher, wor\u00fcber er sprechen soll und fragt den Bischof etwas ungeschickt, was er in Anwesenheit seines Chefs predigen k\u00f6nne. Die Antwort ist klar und uneindeutig: &#8222;Sie k\u00f6nnen \u00fcber alles reden, nur nicht \u00fcber f\u00fcnf Minuten!&#8220; &#8211; lautet die Antwort des Ordinarius.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Spruch der Homiletiker lautet: Die ersten f\u00fcnf Minuten predigst Du f\u00fcr Gott, die weiteren f\u00fcnf f\u00fcr die Menschen &#8211; sofern es ihnen gef\u00e4llt. Danach predigst du nur noch f\u00fcr den Teufel. (Gemeint ist damit vor allem der \u00c4rger der Zuh\u00f6rer, die ungeduldig auf das Ende warten.) Die L\u00e4nge ist nicht das entscheidende Kriterium aber eines der wichtigsten. Manchmal reichen auch 10 Sekunden um eine gute Predigt zu sagen. Denn es kommt auch auf die Pointe an.<\/p>\n\n\n\n<p>Fehlt einer Rede sowohl der rote Faden \u2013 ein Leitgedanke \u2013 als auch eine unerwartete Wendung mit einem pr\u00e4gnanten Spruch, wird sie als fad und nichtssagend empfunden. Manch ein Prediger versucht es mit 100 kleinen Gedanken nacheinander. Nat\u00fcrlich kann jeder etwas dabei f\u00fcr sich entdecken, wird aber ziemlich lange gelangweilt. Man muss nicht schon am Anfang die Idee vom Ende verraten. Manchmal sind die unerwarteten Aufl\u00f6sungen die spannendsten. Sie bleiben oft l\u00e4nger im Ged\u00e4chtnis als lange, sich wiederholende Reden mit 1000 Variationen desselben Gedankens. Es ist im Prinzip egal, welche Struktur Mann der Predigt gibt. Wichtig ist, das etwas h\u00e4ngen bleibt und einen Sitz im Leben der Zuh\u00f6rer findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Drittes bleibt uns noch das rhetorische Handwerk. Hier sind die kleineren Elemente anzusiedeln. Sie sind sozusagen der Schmuck der Sprache. Die passende Wortwahl &#8211; entsprechend der Zuh\u00f6rerschaft, die \u00c4sthetik also die Sch\u00f6nheit des gesprochenen Wortes und nat\u00fcrlich auch der Humor oder kleine Geschichten, die den Leitgedanken in der Praxis zeigen. Eine aufgebl\u00e4hte Sprache, die mit Fremdw\u00f6rtern voll gespickt ist, verfehlt oft das Ziel der Vermittlung von Inhalten. In anderen Kreisen ist sie wiederum das erwartete Medium. Es ist also sehr situativ und von den Zuh\u00f6rern abh\u00e4ngig. Auch die \u00c4sthetik muss ansprechend sein: ein Gedicht oder eine brilliante bildgewaltige Sprache, eine stets wiederholte Frage oder ein anderer Stilmittel. Niemand will einfach nur ein Geplapper h\u00f6ren, eine Alltagssprache, schlicht und stumpf. Es muss im Gehirn des Zuh\u00f6rers der Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne angesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zu untersch\u00e4tzen sind Geschichten und Witze, die in Verbindung mit dem Leitgedanken stehen. Witze greifen die Idee auf und stellen sie verkehrt herum dar. Sie lockern auf und helfen Br\u00fccken zur neuen Gedanken zu schlagen. Bis zur Perfektion beherrschte es John Fulton Sheen, der Erzbischof von New York, dessen predigten und Fernsehansprachen bis heute legend\u00e4r sind und Tausende faszinieren. Seine Witze hielten die Zuh\u00f6rer bei Laune und machten eine todernste Veranstaltung annehmbarer. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Geschichten, die an den Leitgedanken ankn\u00fcpfen. Sie helfen, das Gesagte zu deuten und etwas n\u00e4her an der Praxis zu erfassen. Auch Jesus nutzte diese rhetorische Hilfe, um bei den Menschen anzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, das sind die wichtigsten Elemente einer gelungenen Predigt, die im Rahmen einer heiligen Messe nachdem Evangelium als Homilie bezeichnet wird und als Deutung des Evangeliums nur den Klerikern zusteht. Eine Sache macht aber jede Predigt spannend und wertvoll: das pers\u00f6nliche Glaubenszeugnis. Alle h\u00f6ren gerne zu, wenn der Prediger \u00fcber sein Glaubensleben erz\u00e4hlt. Hat er keines, merken es die Menschen sehr schnell: statt &#8222;ich&#8220; kommt nur noch &#8222;man&#8220; als Personalpronomen zum Einsatz. Dabei ist doch das Pers\u00f6nliche (wenn es nicht zum einzige Inhalt der Rede wird) Ermutigung, Empathie und Vorbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe und bete, dass Gott uns viele gute Katecheten schenkt, die gut ausgebildet und reich an Gotteserfahrung ansprechend, empathisch und \u00e4sthetisch anspruchsvoll predigen. Dieser neue Dienst in der Kirche, ausgestattet mit Missio Canonica, kann vielleicht mehr bewegen als Hunderte weiterer Berufskatholiken. Leider weigert sich die deutsche Bischofskonferenz bisher, die Umsetzungsdekrete zu verabschieden und dreht sich im selbst gezimmertem Hamsterrad des Synodalen Holzwegs. Schade um die vertane Chance f\u00fcr mehr Laien in der Kirche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine Wissenschaft, die man Homiletik nennt. 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