{"id":1307,"date":"2021-04-02T16:54:30","date_gmt":"2021-04-02T14:54:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1307"},"modified":"2021-04-02T16:54:30","modified_gmt":"2021-04-02T14:54:30","slug":"kreuzweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1307\/kreuzweg","title":{"rendered":"Kreuzweg"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Kreuzwegandacht ist ein nichtsakramentaler Gottesdienst, der von Laien wie von ordinierten sowie gottgeweihten Personen gestaltet und geleitet werden kann und geh\u00f6rt zum Schatz der katholischen Tradition. Es ist als \u00f6ffentliches Gebet zugegebener Ma\u00dfen keine sehr alte Tradition. (Bezeugt werden pers\u00f6nliche Andachten des Leidens Jesu, die einzelne K\u00f6nige durch das Lesen der Passionsgeschichte gestaltet haben.)<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig werden diese Gottesdienste immer seltener gefeiert und wenn, dann in einer unangenehmen Form der Anklage der ganzen Welt. Sie triefen f\u00f6rmlich vor Moralin &#8211; dem Stoff, aus dem die Politik der Gr\u00fcnen und der Linken besteht. Eine sehr unangenehme Erfahrung. Dass die Passionsgeschichte auch etwas Ermunterndes und Befreihendes in sich hat, kommt kaum zu Sprache. Zugleich ist es eine sehr pers\u00f6nliche Art der Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben im Licht des Evangeliums. Und dennoch kann dies \u00e4hnliche Erfahrungen in den anderen Menschen hervorrufen. In diesem Sinne m\u00f6chte ich meine Version vorstellen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderem Leser,  sich selbst als gl\u00e4ubiger Christ zu verstehen und trotz aller Schw\u00e4chen als geliebtes Kind Gottes wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Verurteilung. Es ist eine Erfahrung, die jeder von uns macht und doch hat es etwas Kafkaeskes an sich. Man wird beurteilt, ohne angeh\u00f6rt zu werden. Man wird abgestempelt, ohne dass die Verurteilenden die Tatsachen kennen. Manchmal m\u00f6chten sie diese gar nicht erst h\u00f6ren. Dagegen k\u00e4mpfen ist sinnlos, pure Verschwendung von Lebenskraft. Das so hinzunehmen widerspricht dem Selbstverst\u00e4ndnis des modernen Menschen. Denn egal, wie viel man klagt&#8230; Auch der EuGH irrt sich. Es gibt nur einen, der sich nicht irrt und der steht zu dir. Er hat es ja auch schon erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kreuz auf sich nehmen. Nicht nur ungerechte Urteile, sondern auch viele Pflichten f\u00fchlen sich wie eine Strafe an. Aber was w\u00e4re die Alternative? Flucht? Die Last auf Andere abw\u00e4lzen? Wie tr\u00f6stlich, das man sich dadurch nicht bestraft verstehen muss. Es geht nicht darum, es perfekt zu machen. Vielleicht reicht es zu diesem gef\u00fchlten &#8222;Fehler im g\u00f6ttlichen Heilsplan&#8220; sein Einverst\u00e4ndnis zu geben, so wie er es tat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Fall. Wie erdr\u00fcckend die Last eines moralischen Gebots sein kann, erkennt man erst, wenn man es mit der Herausforderung aufnimmt. Die Vorstellung, es mit Links zu schaffen, zerplatzt sehr schnell. Ein Fall gleich am Anfang reicht. Aber soll man dann gleich aufgeben? Es ist tr\u00f6stlich, zu wissen, dass auch er nicht aufgegeben hat, als schon der Anfang des Weges zum Fiasko wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Antreffen der eigenen Familie. Das Gef\u00fchl, sich sch\u00e4men zu m\u00fcssen, daf\u00fcr was man ist oder was man wurde, ist &#8211; glaube ich &#8211; innerhalb der eigenen Familie am gr\u00f6\u00dften. Mir ist zum Gl\u00fcck erspart geblieben, im Bewusstsein zu leben, die Eltern zu entt\u00e4uscht zu haben. (Sie sind daf\u00fcr zu gutherzig und zu tolerant.) Aber jeder hat einen Freund, den man zwar immer wieder entt\u00e4uscht, vor dem man sich aber nicht unendlich sch\u00e4men muss. Eine Frage besch\u00e4ftigt mich dennoch: Hat er sich gesch\u00e4mt oder als Entt\u00e4uschung gef\u00fchlt?<\/p>\n\n\n\n<p>Simon von Zyrene \u00fcbernimmt das Kreuz. Wow! Ein Mister Nobody wird namentlich mit seinem Wohnort und seiner ganzen Nachkommenschaft in das ber\u00fchmteste Buch der Welt aufgenommen! (Geht denn mehr?) Und warum? Weil er gegen seinen Willen fremde Lasten getragen hat. Auch wenn es ein Unrecht war, ihn nach seiner Arbeit im Feld damit zu belasten, war es doch das wichtigste und ber\u00fchmteste, was er je getan hat. Diese kleine Episode gibt mir die Hoffnung, etwas unheimlich Wichtiges zu tun, wenn ich fremde Lasten unfreiwillig \u00fcbernehme. Es macht das nicht leichter aber irgendwie sinnvoller.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schwei\u00dftuch der Veronika. Eine kleine Geste z\u00e4hlt auch. Man muss Copernicus nicht toppen oder Einsteins Relativit\u00e4tstheorie widerlegen. Vielleicht ist es das Kleine und Unsichtbare, das meine Berufung ist. Er wei\u00df es am besten, wozu ich f\u00e4hig bin und stellt mir die richtigen Aufgaben auf den Weg. Ich kann entspannt leben, statt den Helden zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Fall. Jemand stellt einem das Bein. Man muss fallen. Das war die Absicht. Man kann sich dar\u00fcber ewig aufregen und nachtragend sein&#8230; Muss man aber nicht. Es macht ja nur einen selbst kaputt. Hoffentlich gibt es jemanden, der einem wieder hoch hilft. Ihn gibt es ja auch. Es ist ihm weder egal, was mit einem passiert, noch verliert man in seinen Augen an W\u00fcrde. Aufstehen und weiter gehen &#8211; der Willensakt z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weinenden Frauen. Die Trauer um einen Wohlt\u00e4ter l\u00e4sst sich nicht so einfach auf Andere umwidmen. Wenn man traurig ist, dass man jemandem sein Wohlwollen nicht erwidern kann, nutzt es nichts, um andere zu weinen. Das sollte Jesus doch wissen! Aber er hat Recht: es geht nichts \u00fcber eine pers\u00f6nliche Begegnung mit ihm; wer das nicht erlebt, wird ein Leben lang nach Sinn im Leben suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Fall. Man kann auch unter der Last seiner Selbst zusammen brechen. Angewohnheiten, Laster, Charakter. Es ist nicht so, dass man es nicht besser gewusst h\u00e4tte. Und es ist nicht das erste Mal. Man k\u00f6nnte an sich selbst verzweifeln. Solange er nicht an mir verzweifelt, soll ich es auch nicht tun. Einfach barmherzig mit sich selbst sein &#8211; eine befreiende Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kleider beraubt. Kleidung &#8211; der intimste Schutz vor Sonne oder K\u00e4lte und zugleich ein St\u00fcck W\u00fcrde. Wenn man das verliert&#8230; Wie schlimm! Mobbing auf der Arbeit oder in der Schule; Chefs mit viel zu gro\u00dfem Ego; Nachbarn, die einem alles m\u00f6gliche nachsagen. Er findet es auch nicht gut. Er leidet mit. Es liegt ja nicht an dir, dass der B\u00f6se in der Gesellschaft so viel macht hat. Er h\u00f6rt auch deine Klage. Also raus damit!<\/p>\n\n\n\n<p>Ans Kreuz geschlagen. So war das nicht geplant! War&#8217;s das? Soll mein Leben so enden? Die Sehnsucht nach Mehr ist nicht zu stillen. Manchmal ist sie nur die Folge einer falschen Bescheidenheit und religi\u00f6ser &#8222;Demut&#8220;. Das Leben soll auch Freude machen, ein Geschenk des Himmels. Wenn man das Leben aus der Perspektive des eigenen Grabes anschaut, vermisst und bedauert man so Vieles. Vielleicht ist es eine gute Idee, regelm\u00e4\u00dfig jedes Jahr an einem bestimmten Tag auf das Leben zur\u00fcck zu blicken, um es nicht das erste Mal zum letzten mal zu machen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sterben am Kreuz. Die Angst vor dem Tod ist allgegenw\u00e4rtig. Je n\u00e4her der Tod, desto schlimmer. Der Tod ist immer irgendwie sinnlos. Das Einzige, was dem Tod einen Sinn gibt, ist Er. Ohne Ihn, ist mein Leben sinnlos, denn es endet mit dem Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leichnam wird vom Kreuz abgenommen. Was ist nach dem Tod? Falle ich auch keinem zu Last? Sollte ich nicht besser vorsorgen? &#8211; Warum denn so voller Angst, wenn es Gott gibt? So wie er f\u00fcr mich gesorgt hat, wird er auch f\u00fcr die anderen sorgen. Wenn ich mein Leben in seine Arme lege, habe ich keine Angst mehr. Er legte seines auch in die H\u00e4nde seines Vaters. Da kamen die heimlichen J\u00fcnger und sorgten f\u00fcr eine w\u00fcrdige Bestattung. Aber eines konnte keiner nehmen: den Schmerz der trauernden Mutter, die ihn in seinen Armen hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ins Grab gelegt. Es gibt viele Dinge, die ins Grab gelegt geh\u00f6ren. Depressive Episoden sind Anzeichen eines inneren Kampfes um die Grablegung von Dingen, die man gerne h\u00e4tte aber nicht mehr da sind. Manchmal muss man von Dingen Abschied nehmen, um weiter leben zu k\u00f6nnen. Es ist so spannend, zu sehen, was Gott aus den Dingen machen kann, die ich ins Grab lege. Aus der Kraft wird Ausdauer, aus der \u00dcberlegenheit Geduld, aus Schmerzen Sinn f\u00fcr das Leiden anderer. Es ist keine Pflicht und nicht die eigene Anstrengung. Es ist die Auferstehung, die Er bewirkt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kreuzwegandacht ist ein nichtsakramentaler Gottesdienst, der von Laien wie von ordinierten sowie gottgeweihten Personen gestaltet und geleitet werden kann und geh\u00f6rt zum Schatz der katholischen Tradition. Es ist als \u00f6ffentliches Gebet zugegebener Ma\u00dfen keine sehr alte Tradition. (Bezeugt werden pers\u00f6nliche Andachten des Leidens Jesu, die einzelne K\u00f6nige durch das Lesen der Passionsgeschichte gestaltet haben.) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1307","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie-und-religion","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1307","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1307"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1307\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1310,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1307\/revisions\/1310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1307"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1307"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}