{"id":1265,"date":"2020-12-27T19:19:55","date_gmt":"2020-12-27T18:19:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1265"},"modified":"2020-12-30T22:07:18","modified_gmt":"2020-12-30T21:07:18","slug":"kocham-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1265\/kocham-kino","title":{"rendered":"Kocham kino"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Kocham kino&#8220; (deutsch: &#8222;Ich liebe Kino&#8220;) ist eine Sendung im polnischen Fernsehen, in der man besondere Filme vorgestellt bekommt. Keine Oscar-nominierten Hollywood-Happy-End-Streifen der selbst geschaffene Problemfimle. Nein. Filme, die es so noch nie gegeben hat. F\u00fcr mich ist der Titel der Sendung zum Anspruch geworden. Ich will originelle Filme sehen, die ich nie mehr vergessen will. Heute m\u00f6chte ich zwei polnisch-x-y-z-Produktionen vorstellen, die eine unentdeckte allt\u00e4gliche Realit\u00e4t vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" data-bcup-haslogintext=\"no\" href=\"https:\/\/www.filmweb.pl\/film\/M%C3%B3j+rower-2012-630833\" target=\"_blank\">M\u00f3j rower<\/a>&#8220; &#8211; &#8222;Mein Fahrrad&#8220; von Piotr Trzaskalski zeigt die m\u00e4nnliche Seite des Lebens. Der Untertitel klingt sehr verhei\u00dfungsvoll: &#8222;Die ganze Wahrheit \u00fcber M\u00e4nner.&#8220; Die Protagonisten: Opa, Vater und Sohn\/Enkel stellen die drei Generationen dar &#8211; mit ihrer je eigenen Vergangenheit, Zukunft und aktuellem Daseinszustand. Sie sind so prototypisch und so gut charakterisiert, dass jeder Mann sich darin wieder findet. Nicht, weil M\u00e4nner so simpel gestrickt w\u00e4ren, sondern weil die Rivalit\u00e4ten, Herausforderungen und Rollen der drei Generationen so greifbar sind. Apropos Herausforderungen: Probleme hat jede Generation zu Hauf&#8216; (den etwas unselbst\u00e4ndige Opa verl\u00e4sst v\u00f6llig unerwartet seine Frau wegen eines anderen; der Sohn f\u00fchlt sich f\u00fcr den Vater verantwortlich obwohl dieser f\u00fcr ihn gar nichts \u00fcbrig hatte, als er noch Kind war; der Jugendliche wird ungewollt Vater). Nicht im Stil von Hangover wird die m\u00e4nnliche (teils risikoreiche) Verspieltheit gezeigt. Auch die besondere Herzlichkeit des Geschlechts kommt nicht zu kurz: ein Geburtstagskonzert von zwei Spitzenmusikern f\u00fcr die kleine Tochter einer masurischen Familie wird zur Vorstufe der Auss\u00f6hnung, in der die Vertreter der zwei \u00e4lteren Generation die Jazz-Standards nicht nach Noten, sondern aus dem Herzen spielen. Zur Vers\u00f6hnung kommt es durch das Fahrrad, mit dem der Sohn fahren lernte. Opas ehemalige Drohung gegen\u00fcber seinem Sohn &#8222;Wenn du es nicht schaffst, nehme ich es dir weg&#8220; klingt \u00e4u\u00dferst dramatisch und w\u00fcrde in einer verweiblichten Welt von heute zum Psychologenprotest f\u00fchren. Aufgel\u00f6st wird die alte Geschichte durch den Enkel, der auf seine Frage, ob Opa wirklich das Fahrrad verkauft h\u00e4tte und wenn nicht, warum er dies gesagt hat, diese einfache Antwort bekommt: &#8222;Damit er sich die Chance nicht versaut.&#8220; W\u00e4hrend wir \u00fcberall die zweite, dritte und f\u00fcnfzigste Chance als Option haben, nutzen wir die erste nicht &#8211; das ist m\u00e4nnliche P\u00e4dagogik! Es ist nicht b\u00f6se gemeint, es soll motivieren und zur H\u00f6chstleistung anspornen. Kein Wunder, dass der einst verschrockene Junge zum Pianisten von Weltrang wurde. Die Welt braucht mehr V\u00e4ter! Eben, weil sie nicht so &#8222;perfekt&#8220; sind, wie die M\u00fctter. Sie sind unentdeckte Sch\u00e4tze unserer Gesellschaft.<br><br>&#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" data-bcup-haslogintext=\"no\" href=\"https:\/\/puschkino.de\/film_1334\/obce_cia_o_\/_foreign_body\/\" target=\"_blank\">Obce cia\u0142o<\/a>&#8220; &#8211; &#8222;Fremder K\u00f6rper&#8220; oder eher &#8222;Fremdk\u00f6rper&#8220; (wie eine Umkehrung der Reihenfolge hie\u00dfe) von Krzysztof Zanussi zeigt eine verdorbene Schicht des gegenw\u00e4rtigen &#8222;Geldadels&#8220; und das m\u00fchevolle Leben von Menschen, die dieses perverse Spiel nicht mitmachen wollen. Der Regisseur ist nicht nur Philosoph unter den Fimemachern sondern auch eine Ber\u00fchmtheit in Cannes und Venedig. In einer polnisch-russisch-italienischen Kooperation trifft die moderne globale Wirtschaft, die keine Ethik kennt und die Vermehrung der Gewinne als einziges Ziel hat, auf einen ehrlichen gl\u00e4ubigen Menschen, der seine Leitprinzipien um den Preis seines Lebens zu wahren versucht. Die im h\u00f6heren Management angesiedelte Handlung ist den meisten Menschen recht fremd und dennoch schnell umrissen: Der Italiener Angelo verliebt sich in eine f\u00fcr seine Familie arbeitende Polin, die sich jedoch f\u00fcr ein Leben im Kloster in Polen entscheidet. Um ihr nahe zu sein (sollte sie diese Idee aufgeben) nimmt er eine Stelle bei einem italienischen Konzern in Warschau an, wo seine Chefin jegliche moralischen Prinzipien ablehnt und sogar die Weigerung eines One-Night-Stands zum Anlass nimmt, dem Mann mit Prinzipien Probleme zu bereiten. Herzlos und kalt auch gegen\u00fcber der eigenen Mutter (mit kommunistischer Vergangenheit) beschlie\u00dft sie mit anderen Frauen der Chefetage, Angelo f\u00fcr Jahrzehnte ins Gef\u00e4ngnis zu bringen. In einem Komplott mit der russischen Kollegin, f\u00e4delt sie einen Bestechungsversuch in Russland ein, wof\u00fcr er wegen der ihm nicht bewussten Geld\u00fcbergabe verhaftet wird. F\u00fcr den Appell an die grausamen Mith\u00e4ftlinge, die einen Insassen vergewaltigen wollen, wird er selbst misshandelt. Zur Hilfe kommen ihm die Familien: sein Onkel &#8211; ein Kurenkardinal und der Vater seiner Kasia (der ebenfalls ein Atheist und Altkommunist mit guten Verbindungen ins Putin-Land ist). Die Novizin Katharina verl\u00e4sst daf\u00fcr mit einem herzlichen Wohlwollen der Oberin f\u00fcr einige Tage das Kloster, bleibt jedoch ihrem Weg treu.<\/p>\n\n\n\n<p>In Polen traf das Werk auf die Ablehnung der damals regierenden Kaste. Die Vorw\u00fcrfe waren kaum haltbar: Das Management von ausl\u00e4ndischen Gro\u00dfunternehmen und vor allem die Frauen in Leitungspositionen w\u00fcrden an den Pranger gestellt. Doch stimmt das? Trotz einer guten Dosis Grau werden von Zanussi doch recht eindeutig wei\u00dfe und schwarze Flecken gemalt. Unbarmherzige Chefinnen, die sogar List und Zerst\u00f6rung fremden Lebens in Kauf nehmen, stehen einer warmherzigen Oberin gegen\u00fcber, die es einer Novizin nicht \u00fcbel nehmen w\u00fcrde, aus Pflichtgef\u00fchl, Freundschaft oder Liebe das Kloster zu verlassen. Die Frage von Kasia nach einem dringenden Kurzurlaub beantwortet sie mit: &#8222;Auch wenn du niemals zur\u00fcckkehren w\u00fcrdest &#8211; die Welt bricht ja dadurch nicht zusammen.&#8220; Eine junge Nonne, die noch unter strenger Beobachtung steht, hat mehr Rechte als ein Angestellter im mittleren Management eines Konzerns. Absto\u00dfend ist die Unmenschlichkeit in der Gef\u00e4ngnisszene und der Umgang der polnischen Chefin mit ihrer sterbenden Mutter. (Die harsche Kritik an dieser Realit\u00e4tstreue brachte dem Regisseur genauso viel &#8211; sagen wir es offen &#8211; Feindschaften, wie seine \u00c4u\u00dferung zu der feministischen Entmenschlichung dieser Art von Frauen.) In diesem Kontext des postkommunistischen Materialismus kommt sich der true Katholik wie ein Fremdk\u00f6rper vor &#8211; daher das Wortspiel des Titels in meinem Hinterkopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: es ist das letzte und unvollendete Werk des Komponisten Wojciech Killar, den wir aus aus Der Pianist, Die neun Pforten oder K\u00f6nig der letzten Tage kennen. Alles in Allem ist es kein Werk f\u00fcr zarte Seelen, die nur Happy End gewohnt sind. Sogar die Gestalt des Vaters von Kasia wird zu einer ethischen Frage: Egal, was du warst und was du glaubst oder nicht glaubst &#8211; bist du wenigstens konsequent zur Mitmenschlichkeit bereit? Schwerwiegender ist die Frage nach dem Wert der Tugend in einer durch und durch verfaulten Welt. Soll man noch um das klare Wasser ein Leben lang k\u00e4mpfen oder sich lieber mit einem braunen Schlamm zufrieden geben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Kocham kino&#8220; (deutsch: &#8222;Ich liebe Kino&#8220;) ist eine Sendung im polnischen Fernsehen, in der man besondere Filme vorgestellt bekommt. Keine Oscar-nominierten Hollywood-Happy-End-Streifen der selbst geschaffene Problemfimle. Nein. Filme, die es so noch nie gegeben hat. F\u00fcr mich ist der Titel der Sendung zum Anspruch geworden. Ich will originelle Filme sehen, die ich nie mehr vergessen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[35,38,64],"class_list":["post-1265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunst-und-kultur","tag-ethik","tag-film","tag-kunst","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1265"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1286,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1265\/revisions\/1286"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}