{"id":1254,"date":"2020-01-16T22:32:23","date_gmt":"2020-01-16T21:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1254"},"modified":"2020-12-30T22:09:22","modified_gmt":"2020-12-30T21:09:22","slug":"von-koenigen-priestern-und-propheten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1254\/von-koenigen-priestern-und-propheten","title":{"rendered":"Von K\u00f6nigen, Priestern und Propheten"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer katholischen Taufe wird ein Jahrtausende altes Ritual verwendet, welches liturgisch wenig bewanderten und biblisch nicht sehr sattelfesten Christen seltsam anmutet. Die Salbung. Sie stammt aus dem Alten Testament und bezog sich insbesondere auf die K\u00f6nige (z.B. David). Mit der katholischen Chrisam-Salbung (weil so das duftende Gott geweihte \u00d6l genannt wird) werden alle seine neuen Mitglieder zu K\u00f6nigen, Priestern und Propheten gesalbt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es ist kein Zufall, dass es genau diese drei sind. Sie repr\u00e4sentieren die drei Haupt-Bereiche, die Gott f\u00fcr &#8222;das Management&#8220; seines Auserw\u00e4hlten Volkes geschafften hat. Es waren nicht immer drei. Anfangs gab es nur die Patriarchen wie Isaak oder Jakob, sp\u00e4ter die &#8222;Richter&#8220; &#8211; die sowohl Anf\u00fchrer im Krieg als auch f\u00fcrsorgliche und gerechte Schlichter waren, M\u00e4nner wie Frauen &#8211; nicht dem Geschlecht, sonder der Berufung nach. Die Aufgaben der drei S\u00e4ulen des Gottesvolkes waren: Leitung (bzw. Verwaltung), Tempeldienst (die kultische \/ priesterliche T\u00e4tigkeit rund um das Gesetz des Mose) und die Propheten (Verk\u00fcndigung, Beratung und Ermahnng). Heute werden sie in der Kirche anders verstanden: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der K\u00f6nig steht f\u00fcr denjenigen, der von Gott eingesetzt wurde, diese Welt zu &#8222;managen&#8220;. D.h. im Sinne Gottes diese von ihm geschenkte Welt zu gestalten, klug zu nutzen und zu bewahren. (Auch Kinder als seine Geschenke anzunehmen und zu guten Menschen zu erziehen ist in einer Ehe in diesem Sinne k\u00f6niglich.)<\/li><li>Der Priester steht f\u00fcr das Gebet, das man als &#8222;Ansprechpartner Gottes&#8220; f\u00fcr sich und die anderen vollzieht. Dieser Dienst steht heute allen offen. Man muss nicht mehr aus dem Stamm Levi abstammen. Zu Gott Kontakt zu halten und mit Bitten (oder Dank) f\u00fcr sich oder andere vor Ihn zu treten ist in diesem Sinne priesterlich. (Das II. Vatikanische Konzil spricht vom allgemeinen Priestertum aller Gl\u00e4ubigen, das vom speziellen &#8222;Weihepriestertum&#8220; zu unterscheiden ist.)<\/li><li>Der Prophet ist einer, der die Dinge mit Gottes Augen sieht. Er verk\u00fcndigt, er ermutigt, er mahnt. Aber vor allem ist er offen f\u00fcr den Geist Gottes, der ihn zum Wunderheiler, Unheilspropheten und oft Asketen macht. In der F\u00fchrung des Volkes ist er das Gewissen. Das schon erw\u00e4hnte Konzil ermutigt uns, Propheten zu sein, indem wir das Wort Gottes lesen und in unserem Leben das umsetzen, was wir daraus verstanden haben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Manchmal &#8211; wenn sich Menschen \u00fcber ihre (noch vorhandenen) Pfarrer beschweren, \u00fcber die krebsartig wuchernde &#8222;Verwaltung&#8220; der Kirche(nsteuer) oder \u00fcber den Mangel an spirituellen Anf\u00fchrern beklagen &#8211; f\u00e4llt mir auf, dass die katholische Kirche heute diese Trias sehr gut umgesetzt hat. &#8230; Bis auf die Propheten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben in einer stark formalisierten und b\u00fcrokratisierten Kirche. Den Kirchensteuern sei Dank. Wir haben viele &#8222;K\u00f6nige&#8220; (Bisch\u00f6fe) und ihre Angestellten, die das Volk leiten und managen (um nicht zu sagen: &#8222;verwalten&#8220;). Das muss auch so sein. Eine Schafherde ohne einen Hirten kann bekanntlich nicht \u00fcberleben, egal wie viele Sch\u00e4ferhunde sich abm\u00fchnen w\u00fcrden. Die Hirten sind die Bisch\u00f6fe mit dem Papst und deren Mitarbeiter &#8211; die Priester. Ihnen hat Jesus die Sorge f\u00fcr ein gesundes Wachstum der Kirche anvertraut. Seid den 80er Jahren sind aber auch viele Laien als Mitarbeiter der Hirten eingestiegen und verwalten es (als Mann oder Frau) so gut sie es k\u00f6nnen. Doch auch sie sind fern ab der Realit\u00e4t, in einer Kirchen-Slang verfangen und k\u00f6nnen mit ihren Pastoralkonzepten oft nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln auf den Gesichtern der Gl\u00e4ubigen hervor zaubern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne die sonnt\u00e4gliche Eucharistie ist eine Gruppe von Menschen keine Kirchengemeinde. Ohne Sakramente und Gebet ist laut Papst Franziskus die Kirche nur eine NGO. Deshalb hat Gott Menschen ausgesucht, die als Mittler der Gnade dienen sollen. Im Alten Testament waren es verheiratete M\u00e4nner aus dem Stamm Levi. Sp\u00e4testens seit dem Konzil von Trient hat sich das Z\u00f6libat als die geeignete Form f\u00fcr Priester durchgesetzt. Die g\u00e4nzliche Hingabe an Gott nach dem Vorbild der Jesu (und sp\u00e4ter der M\u00f6nche) wurde nicht ohne Grund zum Standard. (Das Angestellten-Denken kann man schon bei einem Gemeindereferenten kaum ertragen &#8211; bei Priestern erst recht! Die Zerrissenheit zwischen Familie und Priestertum t\u00e4te den Betroffenen auf Dauer auch nicht gut.) Die &#8222;Leviten&#8220; treten f\u00fcr uns vor Gott ein und bringen uns seine Gnadensch\u00e4tze in den Sakramenten. Oft erleben wir sie jedoch nicht als &#8222;Freunde und Vertaute Gottes&#8220;, sondern als Sakramentenspendeautomaten mit \u00fcbergro\u00dfem Ego. Sie k\u00f6nnen uns kaum etwas von ihrem Lebensweg mit Gott erz\u00e4hlen und haben f\u00fcr uns &#8211; au\u00dfer einer menschlichen Empathie &#8211; keinen g\u00f6ttlichen Zuspruch anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen gegen\u00fcber stehen die Propheten, die Seine Stimme h\u00f6ren und von Ihm &#8222;informiert&#8220; werden. Diese Menschen, die Karl Rahner und nach ihm Johannes Hartl &#8222;Mystiker&#8220; nennen, sind diejenigen, die durch die pers\u00f6nliche Lebensgeschichte Gott so nah geworden sind, dass sie das Ohr auf seinem Herzen liegen haben. Deshalb treten sie &#8211; oft von den anderen St\u00e4nden unerw\u00fcnscht &#8211; laut f\u00fcr ihre Sichtweise ein. Sie sprechen nicht mit einer Stimme, sondern jeder aus seinem Gewissen heraus &#8211; wie er es f\u00fchlt. Das Reichtum der Lebens- und Denkweisen dieser Propheten wiederspiegelt zum Einen die Katholizit\u00e4t (&#8222;weite Ausbreitung&#8220;) der Kirche als auch die Freiheit des Heiligen Geistes, der weht, wohin er will. Die Propheten sind der Kontrapunkt zur starren Verwaltung der &#8222;K\u00f6nige&#8220; und das pers\u00f6nliche und belebende Element, welches die &#8222;Leviten&#8220; im Formalismus verloren haben. Doch das sch\u00f6nste am Stand der Propheten ist, dass auch die Verwalter und die Priester Propheten sein k\u00f6nnen! Von der Liebe Gottes Zeugnis geben k\u00f6nnen Laien aber meist besser als Berufskatholiken. Ohne Amt und Verantwortung k\u00f6nnen sie Dinge zur Sprache bringen, die amtlich ein No-Go oder f\u00fcr das Mainstream-Christentum undenkbar w\u00e4ren. Propheten k\u00f6nnen sowohl liberale Freunde der Freikirchen als auch erzkonservative Gott-verliebte M\u00e4nner und Frauen sein. Es k\u00f6nnen sogar Kinder sein. (Vgl. 1 Sam 3)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen mehr Propheten! Unter den Priestern, unter den &#8222;K\u00f6nigen&#8220; aber vor allem unter den ganz gew\u00f6hnlichen Laien. Denn sie sind Mystiker. Ihr Ohr ruht auf dem Herz des Vaters. Der Geist Gottes wirkt in ihnen. Diese Qualit\u00e4ten sucht man vergeblich in den Verwaltungen oder in den Reihen der selbsternannten Katholiken-Vertreter. Die Propheten bringen die Vielfalt in die Kirche und machen sie offener f\u00fcr die Menschen aber auch st\u00e4rker auf die Stimme Gottes ausgerichtet. Sie sind &#8222;das Gewissen&#8220; der Kirche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer katholischen Taufe wird ein Jahrtausende altes Ritual verwendet, welches liturgisch wenig bewanderten und biblisch nicht sehr sattelfesten Christen seltsam anmutet. Die Salbung. Sie stammt aus dem Alten Testament und bezog sich insbesondere auf die K\u00f6nige (z.B. David). 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