{"id":1127,"date":"2017-01-19T22:00:43","date_gmt":"2017-01-19T21:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1127"},"modified":"2017-01-19T22:04:39","modified_gmt":"2017-01-19T21:04:39","slug":"vom-alten-wein-in-alten-schlaeuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1127\/vom-alten-wein-in-alten-schlaeuchen","title":{"rendered":"Vom alten Wein in alten Schl\u00e4uchen"},"content":{"rendered":"<p>Wer von uns kennt das Wort Jesu vom neuen Wein in alten, por\u00f6sen Gef\u00e4\u00dfen nicht? (<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/bibel\/mt9.html#14\">Matth\u00e4us 9,17<\/a>) Es geht in diesem Abschnitt des Evangeliums um das Fasten als die Fortf\u00fchrung der Tradition der J\u00fcngerschaft des Johannes des T\u00e4ufers und der streng gl\u00e4ubigen Juden. Jesus antwortet \u2013 im Klartext gesprochen: Das Fasten als solches ist nicht falsch, wohl aber der Zeitpunkt, denn es gibt einen neuen Geist, der die alten Beh\u00e4lter sprengt. So w\u00fcrden der Geist und die Form beide verloren gehen, wenn man die \u00fcberlieferte aber sinnentleerte Tradition aufzuzwingen versuchte.<\/p>\n<p>Am 16. Januar brachte der Saarl\u00e4ndische Rundfunk in der Lokalsendung <a href=\"http:\/\/sr-mediathek.sr-online.de\/index.php?seite=7&amp;id=47138&amp;startvid=9\">\u201eAktueller Bericht\u201c einen fast euphorischen Beitrag \u00fcber Wortgottesdienste<\/a>, die von Laien geleitet werden. Die Sprecherin betitelte die M\u00e4ngelverwaltung, wie sie de facto in die meisten deutschen Di\u00f6zesen Einzug h\u00e4lt, als \u201edie Stunde der Frauen\u201c. Eine Lektorin und Kommunionhelferin (und Pfarrsekret\u00e4rin in Personalunion) aus dem Bistum Speyer will nun mit bisch\u00f6flichen Segen, dem Volk \u201edas Wort Gottes auslegen\u201c \u2013 geschlechtergerecht, versteht sich! Der feministische Kampfgeist wird beschworen und die Erfahrung mit spirituellen Tanz als Alleinstellungsmerkmal bleibt nicht unerw\u00e4hnt.<!--more--><\/p>\n<p>Ja, so sind die deutschen Meinungsmacher in den Medien. Sie suchen sich ihre Wahrheiten raus und pr\u00e4sentieren sie \u2013 bestreut mit dem Puderzucker der Niedlichkeit \u2013 dem ahnungslosem Volk als die L\u00f6sung par excellence. Dabei brodelt es im Kirchenvolk gewaltig. Meist unbemerkt von den Medien. Ein Gift der Entt\u00e4uschung und der Verbitterung breitet sich in der Menge aus. Schon die Tatsache, dass weder der Pfarrer noch der Diakon f\u00fcr die Beerdigung einer tief gl\u00e4ubigen alten Frau Zeit haben und eine Gemeindereferentin \u00fcbernehmen soll, treibt die Kinder der Verstorbenen in die H\u00e4nde von alt-katholischen (und \u201e<em>sonstwie<\/em>-katholischen\u201c) Priestern. Was w\u00fcrde wohl passieren, wenn sich \u00fcberall die Pfarrsekret\u00e4rinnen das Hirtenamt anma\u00dfend dem Volk \u201edas Wort Gottes auslegen\u201c? Kann das der Weg der Kirche sein?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Leitung einer Laienliturie wie Wortgottesdienst, Stundengebet (mit dem offiziellen Namen: \u201edas Gebet der Kirche\u201c!), Rosenkranz oder Lobpreis weder an eine Weihe noch an ein Amt gebunden. Es spricht gem\u00e4\u00df dem Kirchenrecht nichts dagegen, unterschiedlichste Formen des Gebetes ohne geweihtes Personal zum Lobe Gottes zu praktizieren. Auch eine solche Form des Gebetes k\u00f6nnen dem Gl\u00e4ubigen als Heiligung des Sonntags dienen. Nat\u00fcrlich ist die Heilige Messe das konstituierende Element einer jeder Kirchengemeinde \u2013 genauso wie der Gehorsam gegen\u00fcber der Heiligen Mutter Kirche. Kann die Eucharistie mangels Personal nicht \u00fcberall gefeiert werden, sind auch die anderen Formen in den Filialkirchen zul\u00e4ssig. Diese Aussage wurde so auf der Di\u00f6zesansynode in Trier get\u00e4tigt und wird in der Diaspora in Deutschland und anderswo bereits gelebt.<\/p>\n<p>Realistisch betrachtet stellt man sehr schnell fest, dass es uns \u00e4u\u00dferst schwer f\u00e4llt, mit den alten \u2013 ja manchmal Jahrtausende alten \u2013 Worten und Riten die Freude an der Gemeinschaft mit Jesus Christus zu vermitteln. Wer versucht hat, den eigenen Kindern den Glauben n\u00e4her zu bringen, wird schon bemerkt haben, dass die \u201e<a href=\"http:\/\/www.schottenpfarre.at\/Seiten\/4_Sakramente\/1_Taufe\/Taufe%20-%20Ablauf%20der%20Kindertaufe.pdf\">Ausdeutenden Riten<\/a>\u201c der Sakramente (wie das wei\u00dfe Katechumenenkleid oder der Effata-Ruf bei der Taufe) noch schwerer zu erkl\u00e4ren sind als die Sakramente selbst und dass die Geschichten der Bibel um ein Vielfaches komplexer sind als die der Br\u00fcder Grimm. Manchmal muss man einen Gang runter schalten und in einfachsten Worten, entlang der Sozialisation des Gegen\u00fcbers die Botschaft verk\u00fcnden. So sagt es uns die dogmatische Konstitution <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html\">Dei Verbum<\/a>, die ausdr\u00fccklich das Lesen der Heilsbotschaft Gottes allen Gl\u00e4ubigen empfiehlt und deshalb die \u00dcbersetzungen der Heiligen Schrift trotz aller Unvollkommenheit als notwendig ansieht.<\/p>\n<p>In der dogmatischen Konstitution \u00fcber die Kirche <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html\">Lumen Gentium<\/a> lesen wir, dass der Glaube der Kirche auch durch die Mitarbeit der Laien in dieser Welt ges\u00e4t werden und Fr\u00fcchte bringen soll. Die Kirche ist in dieser Welt einem Wandel unterworfen auch wenn sie als die makellose Braut Christi weder Falten bekommt noch etwas an ihrem Wesen der Mode anpassen m\u00fcsste. Sie ist sch\u00f6n und reich an sichtbaren und unsichtbaren Sch\u00e4tzen. Den gr\u00f6\u00dften darunter stellt selbstverst\u00e4ndlich der Verdienst Jesu \u2013 der Gnadenschatz der Erl\u00f6sung dar, den sie in den Sakramenten den Gl\u00e4ubigen angedeihen l\u00e4sst. Doch auch die \u201esichtbaren\u201c Sch\u00e4tze der verschiedenen Liturgien, spiritueller Wege, geistlicher Texte und Gebete warten darauf, entdeckt zu werden. Deshalb m\u00fcssen wir uns mit unseren W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten vor unseren Hirten nicht verstecken. Dem einen er\u00f6ffnet der Hymnos Akathistos die Augen der Seele, dem anderen gibt der Rosenkranz Halt in tiefster seelischer Not. Einer findet im Tridentinischen Ritus seine spirituelle Kraft. Noch ein anderer f\u00e4hrt nach Augsburg, um bei moderner Musik, Vortr\u00e4gen und Gebet Gott sein Herz zu \u00f6ffnen. Diesen \u201edirekten Draht\u201c zu Gott findet er vielleicht in seiner Pfarrgemeinde nicht. Dort wird verwaltet, gestritten und eine l\u00e4ngst nicht mehr nachvollziehbare Tradition aus den achtzigern gepflegt.<\/p>\n<p>Jeder Arzt wei\u00df, dass nicht die Menge eines Medikaments den erhofften Erfolg bringt, sondern der passende Wirkstoff. Zuerst setzte man auf Diakone, sp\u00e4ter auf Gemeindereferenten und nun auf nicht sachkundige Laien, um den \u201eGottesdienstbetrieb\u201c zu erhalten. Doch ist \u201e<a href=\"http:\/\/www.der-ganzheitliche-weg.de\/cs\/PDF\/Zitat_Paul_Watzlawick.pdf\">Mehr vom Gleichen<\/a>\u201c tats\u00e4chlich die L\u00f6sung? Ich glaube nicht, dass schlechte Kopien der eucharistischen Feier den Eltern bei der christlichen Sozialisation ihrer Kinder behilflich sein k\u00f6nnen. Eher das Gegenteil: Ein von \u201eechten P\u00e4dagogen\u201c spielerisch gestalteter Gottesdienst, der die Kleinen anzieht; Ein sprachlich und musikalisch angepasster Lobpreis f\u00fcr Jugendliche; Ein Wortgottesdienst mit einem Kapitel aus dem <a href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php?title=Youcat\">Youcat<\/a> f\u00fcr Erwachsene. (Ja, auch Erwachsene wissen nicht, was im Katechismus tats\u00e4chlich drin steht. Ihre religi\u00f6se Bildung fu\u00dft nicht selten auf dem H\u00f6rensagen und nachweislich falschen Medienberichten.) Die viel zitierten Rentner in den Kirchenb\u00e4nken sterben nicht aus, wenn man ihnen zugesteht, dass sie als 68er-Generation mit der Art und Weise der Verehrung Gottes aus der Zeit ihrer Eltern nicht absolut konform sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8222;Wer soll das machen?&#8220; &#8211; Dieser Satz wirkt wie eine magische Formel zur L\u00e4hmung des Gegners in den innerkirchlichen Auseinandersetzungen. Eine so reiche Kirche wie die Deutsche, die Psychologen, P\u00e4dagogen, Profi-Musiker und sogar \u00c4rzte unter Vertrag hat, wird diese Frage sicherlich beantworten k\u00f6nnen. Noch vor einigen Jahren h\u00e4tte ich an dieser Stelle gerne auf die Gebetsgruppen verwiesen, die \u00fcber jahrelange Gebetspraxis verf\u00fcgen und ein eigenes Charisma in Treue zum Bischof von Rom lebten. Leider hat man vielerorts vergessen, das schutzbed\u00fcrftige Pfl\u00e4nzchen ausreichend zu gie\u00dfen. (Manchmal hat man sie nicht fachm\u00e4nnisch gestutzt, vereinzelt auch zu unrecht absichtlich in die Abstellkammer gestellt und verkommen lassen.) Also m\u00fcssen wir uns darauf einstellen, mit den unge\u00fcbten Vorbetern auf die Pilgerschaft zum Haus des Vaters zu gehen. Das letzte Aufgebot einer im Steuergeld aber scheinbar nicht im unersch\u00fctterlichen Gottvertrauen schwimmenden Deutschen Kirche: die Pfarrsekret\u00e4rin an den Altar, die Hausfrau zur Beerdigung! Und die M\u00e4nner? Die sind schon l\u00e4ngst fort. Nach Jahrzehnten ohne echte M\u00e4nnerseelsorge sind sie nahezu ausgestorben. So viel zum Kampfbegriff \u201eM\u00e4nnerkirche\u201c.<\/p>\n<p>Bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als den alten Wein mit einer leichten Essig-Note in die spr\u00f6den alten Schl\u00e4uche zu f\u00fcllen und zu warten, bis alles auf den Boden ausgelaufen ist? Vielleicht wacht doch ein mutiger Hirte auf und setzt mit dem Saft der Gnade neue Weine an \u2013 viele verschiedene Sorten und f\u00fcllt sie in neue Schl\u00e4uche, die ihm Gott dazu schenkt. Um solche Winzer Gottes wollen wir den Geist bitten, der uns in der Eucharistie die Einheit verleiht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer von uns kennt das Wort Jesu vom neuen Wein in alten, por\u00f6sen Gef\u00e4\u00dfen nicht? 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