{"id":1048,"date":"2014-08-01T23:17:53","date_gmt":"2014-08-01T21:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/?p=1048"},"modified":"2014-08-01T23:17:53","modified_gmt":"2014-08-01T21:17:53","slug":"jesus-und-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kolatzek.org\/wblog\/1048\/jesus-und-frauen","title":{"rendered":"Jesus und Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht, ob es nur meine Wahrnehmung ist oder tats\u00e4chlich auch so ist (die Wissenschaft schweigt sich dazu aus): Die im Evangelium berichteten Begegnungen zwischen Jesus und Frauen sind viel emotionaler und existenzieller als die mit M\u00e4nnern. Bei M\u00e4nnern geht es oft um das harte theologische Wissen (das Reich Gottes, die Gleichnisse, die Auftr\u00e4ge) oder das Gesch\u00e4ftliche (wie kann man moralisch Handeln, in dem was man als Profession hat). Bei Frauen geht es ums \u00dcberleben, um das Leben in Schuld und S\u00fcnde, um das Trauern aber auch um einen wahnsinnig starken Glauben. Auch der Umgang scheint ein ganz anderer zu sein.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Mein erstes Beispiel ist die Frau, die gsteinigt werden soll, weil sie gegen das sechste Gebot des Dekalogs versto\u00dfen hat. Sie wird nicht sofort entschuldigt. Und sicher hat sie darauf gehofft &#8211; es drohte ihr eine schreckliche Totesstrafe. Sie wird zum Spiegel f\u00fcr alle M\u00e4nner, die sich f\u00fcr gerecht halten. Jeder, der dahin schaut, geht voller Scham heim. Zum Schluss erf\u00fcllt sich ihre Hoffnung aber es geht um sie selbst und um das Unrecht, das sie begangen hat. Es wird ihr verziehen. An diese Stelle k\u00f6nnen sich noch die meisten unserer Politiker, die den liebenden und verzeihenden Gott zitieren, noch erinnern. Was den meisten entf\u00e4llt, ist der Schlusssatz: &#8222;und tue es nie wieder&#8220;. Hier wird die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes sichtbar: &#8222;S\u00fcnde tolerieren, ja. S\u00fcnde akzeptieren, nein!&#8220; Nicht den S\u00fcnder hasst Gott, sondern die S\u00fcnde.<\/p>\n<p>Ist es Ihnen vielleicht schon aufgefallen, dass nicht die M\u00e4nner die Auferstehung Jesu als erste mitbekommen? Doch so ist es. Es sind die Frauen, die in Trauer zum Grab des \u00fcbereilt bestatteten Meisters gehen. (Es waren auch mehrheitlich Frauen, die Jesus bis unter das Kreuz folgten.) Sie erleben als erste das leere Grab und bekommen den Auftrag, zu den Aposteln zu gehen, die sich aus Angst verkrochen haben&#8230; Eine von Ihnen ist &#8211; nach Johannesevangelium &#8211; auch der erste Mensch, der Jesus lebendig sieht. Es ist Maria aus Magdala, die in einigen christlichen Traditionen der S\u00fcnderin aus der vorherigen Geschichte gleich gesetzt wird. Man sagt ihr nach, sie w\u00e4re in Jesus verliebt gewesen. Mag sein: Wem viel verziehen wurde, der liebt umso mehr. (Lk 7,47)<\/p>\n<p>In Markusevangelium Kapitel 5 wird von einer Frau berichtet, die an Blutung litt und somit st\u00e4ndig rituel unrein war. Auch ihr Mann w\u00e4re st\u00e4ndig unrein. Eine mehr als nur unangnehme Angelegenheit. Die Frau war &#8222;doppelt bestraft&#8220;: einmal wegen ihres Leidens aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und religi\u00f6s kalt gestellt. (Wie unsere Langzeitarbeitslosen, die beim besten Willen keinen Job finden.) Sie fasst ihren ganzen Mut zusammen und riskiert, vom Mob (der fast fanatisch Jesus umgibt) hart bestraft zu werden. Sie will etwas tun, was Strenggl\u00e4ubige als Verunreinigung empf\u00e4nden. Deshalb tut sie es heimlich. Aber nicht heimlich genug: Jesus bemerkt es &#8211; der Mob nicht. Jesus stellt sie noch auf die letzte Probe. Sie muss sich offenbaren. Alles auf eine Karte setzen. Sie trifft die richtige Entscheidung, gibt alles zu und wird wegen ihres Mutes und ihres unersch\u00fctterten Glaubens mit der Heilung belohnt. Etwas so dramatisches mit so einem tiefen Glauben, wird nur noch von Petrus berichtet, der das Boot verl\u00e4sst und einige Schritte weiter im Wasser versinkt.<\/p>\n<p>Im Johannesevangelium (das sowieso schon sehr &#8222;frauenlastig&#8220; ist) wird im Kapitel 4 eine weitere Begegnung zwischen Jesus und einer Frau berichtet. Eine Frau ca. 40 (war schon mehrmals verheiratet), lebt nach j\u00fcdischem Glauben jedoch unverheiratet mit einem Mann zusammen. Allem Anschein nach hat sie auch keine Freund mehr im Heimatort (warum sollte sie nicht &#8211; wie es damals \u00fcblich war &#8211; morgens mit anderen Wasser holen?). Mit anderen Worten: eine vom Leben entt\u00e4uschte Mittvierzigerin, sozial ge\u00e4chet und vielleicht unfreiwillig gegen eigene \u00dcberzeugung lebend. Dazu noch keine J\u00fcdin, nur eine Samariterin. Und genau sie spricht Jesus an &#8211; ein echter Jude (die sich f\u00fcr was besseres halten &#8211; das auserw\u00e4hlte Volk). Aus dem Gespr\u00e4ch \u00fcber das Wasser wird ein Glaubensbekenntnis. Aus dem Bekenntnis wird eine Offenbarung Jesu als Gott: &#8222;ich bin Christus &#8211; der Gesalbte, der Messias&#8220;. Daraufhin wird diese Frau, die keiner im Ort mochte, zum Apostel der erf\u00fcllten Prophezeihung Jahwes f\u00fcr alle Bewohner des Ortes. Jesus wei\u00df um den s\u00fcndhaften Lebensstil und sagt ihr das ganz direkt (was sie selbst wohl am meisten bedauert), will sie dabei aber nicht blo\u00dfstellen. Nein. Er erf\u00fcllt ihre tiefe Sehnsucht nach Anerkennung und nach einer Liebe, die die S\u00fcnde \u00fcberwinden kann.<\/p>\n<p>Da w\u00e4ren noch viele weitere Geschichten mit Frauen,\u00a0 die so anders sind: die Begegnung am Kreuzweg, die &#8222;Salbung&#8220; durch Maria aus Magdala, Maria und Marta,\u00a0 die namenlose Wittwe, deren einziger Sohn &#8222;einfach so&#8220; &#8211; im &#8222;Vorbeigehen&#8220; quasi &#8211; zum Leben wieder auferweckt wird&#8230;<\/p>\n<p><strong>Bei dieser Bedeutung der Frauen f\u00fcr die Heilsgeschichte muss man sich schon fragen: Warum wurden nicht sie zu Aposteln bestellt, sondern die feigen M\u00e4nner, die vor dem Kreuz gefl\u00fcchtet sind? Es gibt daf\u00fcr keine Antwort, da wir die Entscheidung Jesu vielleicht nie werden nachvollziehen k\u00f6nnen. (Gab es einen Menschen, der w\u00fcrdiger w\u00e4re, Priester zu werden, als Maria &#8211; die Mutter Jesu? Warum nicht sie?) Und doch sind es immer wieder Frauen, die der Kirche den richtigen Impuls geben: Katharina von Siena, Theresa von Avilla und die Theresa vom Kinde Jesu, die gebildete Edith Stein oder die stigmatisierte Mystikerin Marthe Robin<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht, ob es nur meine Wahrnehmung ist oder tats\u00e4chlich auch so ist (die Wissenschaft schweigt sich dazu aus): Die im Evangelium berichteten Begegnungen zwischen Jesus und Frauen sind viel emotionaler und existenzieller als die mit M\u00e4nnern. 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